Die Welle reiten

Es waren nun ein paar sehr stressige Tage, in denen ich nicht die Muße zum posten hatte. Aber nun bin ich wieder da und hoffe, zu bleiben.

In den letzten Tagen habe ich es auch geschafft, vor die Welle zu kommen. Die Welle, fragt Ihr? Welche Welle? Genau das hat jedenfalls mein Mann gefragt, als ich ihm gestern sagte, dass ich an diesem Wochenende „vor die Welle“ kommen wollte. Bevor Ihr jetzt irgendwas denkt – nein, es hat nichts mit Infektionswellen zu tun.

Ich setze mir ja üblicherweise Jahresziele an Kilometern beim Laufen und nun auch beim Radfahren. Diese Jahresziele kann man dann durch 365 oder in Schaltjahren durch 366 teilen und bekommt das, was man am Tag laufen, radfahren oder was auch immer muss, um das Ziel bei gleichmäßiger Lauf-, Rad- oder anderer Leistung jeden Tag zu erreichen. Den Fortschritt dieses gleichmäßig durch das Jahr genau die Kilometer fressenden Pacers stelle ich mir als eine Welle vor. Man kann vor dieser Welle bleiben, sie reiten oder hinter ihr sein. Bei den Radkilometern kam ich schon recht früh im Jahr vor die Welle, da ich mir mein Ziel auf dem Level des Radelns im Juni setzte – August, September und auch Oktober brachten aber viel mehr Radkilometer. Beim Laufen kann ich mich eigentlich ganz gut einschätzen, aber die Verletzung im April, die mich auch im Mai noch viel Lauferei kostete, selbst im Juni noch nicht wieder voll laufen ließ, hatte ich dabei nicht auf dem Schirm. Zehn Kilometer pro Tag wollte ich laufen, mit 300 im Januar, 300 im Februar und 400 im März war ich gut auf Kurs, ritt knapp vor der Schaumkrone auf der Welle. Dann schlug mich die Verletzung vom Brett, spätestens Mitte April überholte mich die Welle und ich habe seitdem versucht, wieder auf den Berg hoch zu paddeln.

Meinen Stand habe ich mit meinem Jahresziel-Armaturenbrett dargestellt. Das Radziel, Gesamtkilometer, alles im grünen Bereich, überall war ich vor der Welle. Beim Laufen aber nicht, und das ist ja eigentlich mein Hauptsport. Am gestrigen Samstag lief ich morgens einen Halbmarathon, abends nochmal vierzehn Kilometer, weil ich spürte, mein Rücken brauchte das – und heute nochmal im reduzierten Lauftreff einen Dreißiger… und siehe da:

Sportziel-Armaturenbrett. Vor der Welle!

20,45 Kilometer Vorsprung habe ich mir heute erlaufen, ich kann mir somit leisten, den schaumkronenbewehrten Kamm der Welle morgen ein wenig aufholen zu lassen. Das fühlt sich verdammt gut an!

4 Kommentare zu „Die Welle reiten

  1. „Die Welle reiten“ habe ich in dem Zusammenhang bisher noch nie gehört, finde den Vergleich aber ungemein treffend. Ich liege mehr mit meinem Brett entspannt auf dem Wasser herum und warte, bis eine nette kleine Welle kommt, auf die ich für eine Zeit mal so ganz easy peasy aufspringen kann.

    Ich ziehe meinen Hut vor einer solchen Laufleistung und drücke dir für die letzten Wochen feste die Daumen. Du machst das ganz großartig!

    1. Es gibt den einen oder anderen, der meine Auswerterei für zu viel hält und denkt, ich mache mir Druck. Tatsächlich hilft mir allerdings die Struktur, die ich hineinbringe. Ich bin Physikerin und Zahlenmensch, aber gleichzeitig auch voller Phantasie. Das Bild der Welle für diesen „virtuellen Pacer“ kam mir im Sommer an der Nordsee, später dann nochmal, als ich Bilder vom Wellenreiten auf diesen riesigen Wellen an der portugiesischen Küste sah.

      Tatsächlich war meine Laufleistung letztes Jahr noch ein bisschen höher – die 3650 Kilometer hatte ich bereits Anfang Dezember erreicht und kam am Ende auf im Schnitt 11,1 Kilometer pro Tag des Jahres 2019, im Durchschnitt natürlich. Dieses Jahr wird’s gerade auf die zehn pro Tag reichen – aber das ist in Ordnung so, denn durch die Wiederentdeckung des Radfahrens habe ich dieses Jahr erheblich mehr Sport gemacht als im vergangenen.

      Vielen lieben Dank für Deine Worte!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.