Gedankliche Anpassungsschwierigkeiten

Seit Dezember 2019 fahre ich nun wieder Rad, seit März 2020 fahre ich regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit und seit Juni 2020 habe ich ein Rennrad.

Zuvor begann ich 2017 das konsequent trainierte Laufen, begann 2017 mit 1380 Kilometern, die ich im Jahr 2018 auf 2310 und 2019 auf 4052 Kilometer steigerte. Ebenso stiegen Wettkampfzahlen und Wettkampfdistanzen an – ein 12er und ein Halbmarathon im Jahr 2017, im Jahr 2018 schon etliche Wettkämpfe bis hin zu einem Marathon und im Jahr 2019 schließlich ein geradezu unverschämtes Feuerwerk von Wettkämpfen und Bestzeiten und guten Platzierungen…

2020 wird ein Jahr sein, in dem zwar meine Gesamtmenge an Ausdauer-Sport-Stunden hochgehen wird, das ist bereits jetzt absehbar: 378 Stunden bin ich 2019 gelaufen, mit Radeln und Laufen gemeinsam habe ich 2020 schon 353 Stunden an Rad- und Laufsport absolviert und es ist erst Anfang August. Nur mit dem Laufen, da geht es dieses Jahr nicht so voran wie im letzten Jahr. Nur 1910 Kilometer habe ich bisher, auch ob ich die 3660 Kilometer, die mit zehn Kilometern jeden Tag im Schnitt korrespondieren, dieses Jahr erlaufen bekomme, steht in Frage.

Indes, fast 3800 Kilometer Radfahren dieses Jahr wiegen sicherlich meinen Rückstand auf die „11,1 Kilometer pro Tag“ aus 2019 mehr als auf. Hilft meinem komischen Gefühl eines „Abstieges“ aber nicht. Mir ist intellektuell klar, dass ich nicht einfach meine Cardio-Trainings-Zeit verdoppeln kann. Genau das wäre nötig, um mit dem derzeitigen Verhältnis von Radfahr- und Laufzeit wieder auf die über 4000 Kilometer des letzten Jahres zu kommen. Bis zum heutigen Tag habe ich im Jahr 2020 nämlich ziemlich genau 176 Stunden Laufen und ebenso ziemlich genau 176 Stunden Radfahren hinter mich gebracht.

Klar, ich habe mir von vorne herein klar gemacht, dass die beständige Steigerung der Laufstrecke und der Zeiten, die ich beim Laufen verbringe, von 2016 bis 2019 nicht unbedingt anhalten würde. Ich habe mir auch von vorne herein klar gemacht, dass das Radfahren ebenfalls Training ist, dass ich also von meinem Zeitkontingent ebenso wie von meinem Kraftkontingent her beim Laufen Abstriche zu machen haben würde, wenn ich auch viel Radfahre. Und dennoch fühlt es sich wie ein Versagen an, dass eventuell sogar die „Zehn Kilometer im Schnitt pro Tag des Jahres“ im Jahr 2020 unerreichbar bleiben werden. Völliger Quatsch, aber darum scheren sich Gefühle nicht.

Da bin ich mal sehr gespannt, ob ich meine Gedanken, mein Gefühl für das Ganze, bis zum Jahresfazit in fünf Monaten herumreißen kann. Schön wäre es, bis dahin auf 3000 Kilometer Laufen zu kommen. Realistisch ist, dass ich dieses Jahr bis zu 10.000 Kilometer aus eigener Kraft zurücklegen werde – Laufen und Radeln gemeinsam. Vielleicht hilft das, dieses komische, dumme Gefühl in den Griff zu bekommen und zu begreifen, dass Radfahren eine herrliche Trainingsergänzung ist, die mich Wege, die laufend zurückzulegen logistisch schwierig oder unmöglich ist, auch für Training nutzen lässt. Wenn die Radlerin und die Läuferin nicht nur nach Kilometern, sondern auch nach Zeit nicht mehr miteinander konkurrieren, dann habe ich das geschafft.

Ach, das wird schön, wenn es so weit ist.

5 Kommentare zu „Gedankliche Anpassungsschwierigkeiten

        1. Ich beklage eigentlich, dass ich (noch) in den Dingen verhaftet bin, die ich mir zum Erhalt der Motivation beim Laufen angeeignet habe. Mit einer zweiten Ausdauersportart dazu muss ich neue Wege finden. Aber sowas dauert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.