Warum ich schreibe

Was ist es, das mich dazu bringt, Geschichten zu erfinden und aufzuschreiben? Was bringt mich dazu, sie auch öffentlich zu machen wie „Am Rand des Strömungsabrisses“ und den „Howard-Goldstein-Vortex“? Die Aussicht auf großen Erfolg ist es nicht, der Erfolg und Zuspruch selbst ist es auch nicht, auch wenn der Zuspruch einiger gut tut – ebenso, wie insbesondere harsche und ganz besonders natürlich berechtigte Kritik schmerzt.

Zu meinem Geburtstag habe ich ein Buch über „Ikigai“ bekommen, eine wohl verhältnismäßig wissenschaftliche Annäherung an einen Begriff, den ganz genau zu definieren schwer fällt. Ich werde mich nun nicht in die Nesseln setzen und mich an einer Definition versuchen. Was ich aus dem Buch allerdings mitgenommen habe ist, dass das Schreiben für mich etwas erfüllt, was Ken Mogi als eine Quelle von Ikigai, als sinnstiftend und Lebensfreude generierend definiert: Ich tue es um seiner selbst willen, nicht, um zu gefallen. Ich gehe darin auf, verliere den Wunsch, meinen Namen irgendwo unbedingt stehen zu haben, in der Freude am Erschaffen von Charakteren, Bedingungen, Beziehungen, Handlungen. Meist fange ich klein an mit ein paar Gestalten und deren Lebenswegen.

Ich lese gerne, was ich so geschrieben habe – nicht nur das, das ich öffentlich gemacht habe. Die für mich selbst geschriebene Geschichte um eine Gruppe von Nerds und Außenseitern, die Modell-U-Boote bauen und das teils für Spiele, teils auch für Naturbeobachtung und irgendwann auch für wissenschaftliche Projekte verfolgen, habe ich vor kurzem mal wieder gelesen und mich daran erfreut. Geschichten, die Fanfics im Bereich von Star Trek oder anderen Welten sein könnten, oder die Komödien und Dramas über andere, oft eher ganz normale, fiktive Personen mit meist einem kleinen oder größeren „Twist“ in Persönlichkeit oder Leben, ich denke sie mir aus, erfreue mich, sie wieder zu durchdenken, schreibe sie auf, lese sie nach langer Zeit wieder. Ein breiter Schatz von Geschichten, die ich immer wieder gerne lese und durchdenke, manchmal Freunden erzähle, hat sich so gebildet. Daraus schöpfe ich zum Beispiel beim „Howard-Goldstein-Vortex“, die Gestalten der „Esther Goldstein-Howard“ und ihres Bruders „Eli Goldstein“ entstammten ursprünglich einem Lamento, wo meine Motivation geblieben sei – sie liege in Waikiki Beach am Strand und lasse sich von einem muskulösen, braungebrannten Mann den Rücken eincremen, schrieb ich damals einer Freundin. Aus meiner Motivation, die im schwarzen Bikini am Strand liegt, wurde dann die lustige Milliardärswitwe, hinter der aber noch viel mehr steckt – der Widerspruch einer Pazifistin auf der einen und einer durchaus militanten Umweltschützerin auf der anderen Seite, und noch mehr.

So etwas zu basteln, meinen flüchtigen Traumbildern und Visualisierungen ein Leben, einen Namen, weitere Aufgaben, Hintergründe, Motivationen zu geben, das erfüllt mich mit Freude und gibt mir Kraft. Es hat mich über das Autopendeln nach Stuttgart – sieben Jahre lang! – gerettet. Gelegentlich sind die Geschichten die, die mir einzuschlafen helfen, manchmal sind’s auch die, die mich wach halten. Auf jeden Fall sind sie nicht wegzudenken. Wenn ich den Howard-Goldstein-Vortex und Am Rand des Strömungsabrisses (sowie in unbestimmter Zukunft vielleicht ein Sequel) schreibe und anderen zugänglich mache, so tue ich das vor allem, weil diese Geschichten wichtig für mich sind. Ken Mogis Definition von Ikigai anhand dessen, was Hobby-Manga-Zeichner in Japan an- und auf eine Messe treibt, darin habe ich mich mit meinen Geschichten wieder gefunden.

Ich tue das nicht für Euch. Aber ich freue mich, wenn ich es mit Euch und zu Eurer Freude tun kann. Wenn das, was ich schreibe, nicht gefällt – ist es immer noch Teil meines Lebens. Wenn ich nicht gerade ganz schlimm drauf bin, weiß ich, dass mir das reicht und alles andere Bonus ist.

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