Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

Heute habe ich mit etwas angefangen, was ich noch nie zuvor getan habe. Nur durch die Corona-Krise war dies möglich, denn meine Kollegen und ich werden nun ad hoc ermutigt, von Zuhause zu arbeiten. Und so war es heute mein allererster Tag im Homeoffice.

Um ehrlich zu sein: ich hatte den Horror davor, weil ich mich darauf freute. Ich fürchtete all die Ablenkungen und all den Komfort, den ich zuhause habe, und der so richtig gar nichts mit der Arbeit zu tun hat. Ich fürchtete, nichts auf die Reihe zu bekommen, mich in Ablenkungen zu verlieren.

Einen ganzen Stapel Schreiben hatte ich mit nach Hause genommen, die zu prüfen und in die elektronische Erfassung einzutragen ich über so viel Aktuelles, Hereinkommendes im Büro nicht geschafft hatte. Sie lagen, sie lagen lange, sie lagen hinter meinem Schreibtischstuhl auf der Arbeit auf dem Boden, weil im Regal kein Platz war. Clear Desk ist viel einfacher, wenn man elektronisch arbeitet, aber wir auf der Behörde tun das noch nicht. Ich befürchtete, kaum ein kleines Stück davon abarbeiten zu können, weil Ablenkungen, die Kaffeemaschine, mein privater Rechner…

Eben weil all das da ist. Indes: Ich habe konzentrierter gearbeitet als auf der Arbeit! Binnen kürzester Zeit stellte sich eine Routine beim Abarbeiten dieser drei Typen von Meldungen ein. Ich las sie, glich den „Ist“-Inhalt mit dem „Soll“ in unserer Datenbank ab, machte Notizen, trug es in die Tabelle ein, wo für jede Arbeitsstätte der Arbeitsaufwand der Überwachung erfasst wird, machte Markierungen, in welches Heft die Schreiben geheftet werden sollen, wenn ich sie wieder mit ins Büro genommen habe – wie am Fließband. Diese Arbeit, bei der ich normalerweise recht schnell die Lust verliere, zog mich in den Bann. Klar, ich machte meine Pausen, aber danach ging’s frisch weiter.

Nun bin ich einerseits begeistert, dass es so gut geklappt hat, und ich nur drei Vorgänge unerledigt wieder mitnehme, weil ich für deren Bewertung auch die umfangreichen Papier-Akten auf Arbeit brauche. Andererseits aber betrachte ich die Kehrseite des in der Überschrift verwendeten Hesse-Zitats: Wird sich auch hier eine Routine, eine größere Anfälligkeit für Ablenkungen einstellen? Ich hoffe nicht.

Für’s erste aber kappte ich die VPN-Verbindung, fuhr das Arbeits-Notebook herunter, stand von meinem Stuhl auf – und war im Wochenende. Da ich vom Sport heute eh einen Ruhetag machen wollte und auch mache, war das super, dass kein Arbeitsweg mehr vor mir lag.

Homeoffice. Das erste Mal. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

7 Kommentare zu „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

    1. Ich muss gestehen, dass ich an der Stelle ein wenig ein schlechtes Gewissen habe. Ich bin – aufgrund von Fachkenntnissen, aber auch, weil ich zur richtig (falschen?) Zeit am richtigen Ort war und die richtige „Stufe“ habe, im Krisenstab. Deswegen bekam ich einen Notfall-Heimarbeitsplatz. Etliche Kolleginnen, die sich einen solchen gewünscht hätten, weil die Krise ihnen durch die weggefallene Kinderbetreuung das Arbeiten schwer macht, bekamen keinen.

      Ich kann allerdings meinen mir persönlich übergebenen Notfall-Heimarbeitsplatz auch nicht einfach so weitergeben und lebe so damit, dass ich von einer ungerechten Verkennung der größeren Not in der Krise profitiere…

        1. Schlechtes Gewissen ist der erste, emotionale Impuls.

          Längerfristig finde ich es einfach an den Notwendigkeiten, den eigentlich richtigen Prioritäten vorbei und ich finde es auf einer intellektuellen Ebene nicht gut, wie verfahren wird. Dass ich nichts dazu kann, weiß ich schon.

  1. Ich arbeite ja (wie Du weißt) schon eine ganze Weile großteils aus dem Homeoffice. Meine Erfahrungen decken sich durchaus mit Deine: es gibt einige Arbeit, die funktioniert einfach besser im Büro, weil man die Resourcen zu hause einfach nicht im Zugriff hat, aber es gibt auch eine Menge an Aufgaben, die ich tatsächlich lieber zu hause erledige, weil ich da ungestörter und effektiver dran arbeiten kann als im (Großraum-)Büro.

    Selbst im Moment, wo Mann und Teenies auch zu hause sind, klappt das erstaunlich gut. Teilweise sogar besser als vorher, weil auch die Kollegen jetzt aus dem Homeoffice arbeiten müssen und sich viel besser drauf einstellen, dass nicht alle im direkten Zugriff im Büro sitzen. Das Meiste geht nämlich auch prima Remote, solange die passende Einstellung in den Köpfen ist.

    1. Ich bin gespannt, wie es sich bei mir entwickelt. Ich muss gestehen, ich habe erstmal aus mir selbst heraus erfahren und erlebt und reflektiert.

      Ich kenne auch Leute, die gehen über den Wechsel von Büro zu Homeoffice die Wände hoch, gerade.

      Bei mir wird’s allerdings ziemlich sicher erstmal nur ein Tag die Woche sein, und das auch erstmal nur in Corona-Zeiten. Ich bin gespannt, ob das vielleicht anderweitig weiter geht, weil man durch die Krise erfährt, dass so manches, was man vorher dachte, dass es nicht geht – eben doch geht!

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