Sozial oder physisch

Hmm… wenn man das so liest, könnte man sich viel anderes darunter vorstellen.

Was ich eigentlich meine, ist der Begriff des „Social Distancing“. Der ist zur Zeit ja in aller Munde, um die sich rasch ausbreitenden Infektionen mit dem Corona-Virus zu vermeiden. Ich persönlich finde den Begriff sehr missverständlich, denn wir sollen keine soziale, sondern physische Distanz herstellen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Es tut dem Besserwisser in meinem Kopf weh, dass das, was damit gemeint ist, und das, was die Zusammenstellung der Worte tatsächlich impliziert, zweierlei sind.

Ich versuche derzeit, die Straßenseite zu wechseln, wenn mir wer entgegenkommt. Egal, ob ich zum Sport draußen bin oder auf dem Weg zur Arbeit oder zum Supermarkt, versuche ich eben diese Distanz einzuhalten, genauso beim Einkaufen und auf der Arbeit. Mehr noch als die Angst, „es“ zu kriegen, bewegt mich die Angst, das Virus zu übertragen. Natürlich bin ich mit 40 weder explizite Risikogruppe noch dagegen gefeit, als Ausdauersportlerin mit recht vernünftigem Immunsystem wähne ich mich aber in eher geringem Risiko, ein schwerer Fall von Covid-19 zu werden. Allerdings kann man den „Mist“ gut übertragen, selbst wenn man nur wenig oder sogar gar nichts davon merkt.

Infektionsschutz ist mir nicht neu. Die Leute, die sich direkt neben mich setzten, selbst hustend und mit wild herumhustenden und herumniesenden Kindern, obwohl eine Menge Platz war, haben mir schon einmal ein mächtiges „Krankwerden“ beschert – nach einem Wettkampf, von dem ich mit der Bahn heimfuhr. Seit dem ist es mir sehr präsent, dass ich in erkältet die anderen schützen sollte, indem ich Abstand halte, und dass ich Abstand von erkälteten Menschen halten sollte. Das Gemeine an Sars-CoV-2 ist aber, dass man ansteckend ist, lange bevor man Symptome hat. Das macht’s so fies.

Wenn mich Leute warnen, ich solle nicht mit nach dem Duschen noch feuchten Haaren am offenen Fenster sitzen oder im T-Shirt bei unter 5°C die fünf Meter zum Mülleimer und wieder heim in die warme Wohnung gehen, dann muss ich teils fast lachen. Es ist nicht die Kälte oder Verkühlung, die uns krank werden lässt, die fährt nur das Immunsystem ein bisschen runter, so dass wir anfälliger werden. Krank machen uns die Erreger – und die weniger zu übertragen, würde vielen helfen. Das heißt nicht, nicht miteinander sozial zu agieren, es heißt, Hygieneregeln und Abstände einzuhalten. Abstand beim Gespräch, einander nicht anhusten oder anniesen, elektronisch oder per Telefon kommunizieren – all das ist sozial.

Daher fände ich wichtig, dass wir uns klar machen, dass „Social Distancing“ ein fehlleitender Begriff ist. Wir wollen physische, nicht soziale Distanz herstellen. Durch soziale Interaktion, den Austausch von Gedanken, Worten, Gesprächen, Gefühlen, wird das Zeug nicht übertragen. Sondern durch Tröpfchen, die wir in die Gegend niesen und husten oder weil wir die Viren auf unserer Haut haben und einander berühren.

Bleibt gesund! Fangt’s Euch nicht ein, seid sozial füreinander da – dafür muss es nicht körperlich werden…

2 Kommentare zu „Sozial oder physisch

  1. Wenn du es „physische Distanz“ nennen würdest, wären die Leute noch verwirrter. Die kennen nämlich nicht den Unterschied zwischen physisch und psychisch. Immerhin gehen die immer beim Psychotherapeuten zur Massage…

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