Nachdenklich

Am Montag zeigte ich, anlässlich des Faschings, einer Kollegin ein Bild von mir – und zwar das untenstehende. Ich hatte mir gar nicht klar gemacht, wie lange das her ist – mir kam’s wie „vor kurzem“ vor, aber es war im Januar 2009, dass dieses Bild gemacht wurde. Ich war seit zwei Jahren mit meinem damaligen Freund, jetzigen Mann zusammen, der auch das Bild und die anderen der Serie (Galerie weiter unten) gemacht hat. 

Tally verkleidet als Gardemädchen – 11.01.2009.

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend nicht in einer Garde getanzt, aber irgendwie davon geträumt. Das Tanzen rückwirkend zu implementieren, war natürlich nicht möglich, aber niemand hinderte mich daran, später ein entsprechendes Kostüm zu kaufen. Natürlich fühlt sich das dann ein bisschen schwierig an, denn ich habe große Achtung vor dem Tanzsport, der mit diesen Uniformen verbunden ist. Aber ich habe das Kostüm immer noch. 

Der Anlass, dass ich die Bilder wieder hervorhole, ist nicht nur der Fasching, sondern auch, dass meine Kollegin meinte: „Da siehst Du aber noch einiges jünger aus.“ Das hat mich erstmal stocken lassen. Es ist natürlich wahr. Als mir dann klar wurde, dass das Bild tatsächlich ELF Jahre alt ist, ich also damals noch nicht einmal dreißig war, machte mich das für einen Moment schon nachdenklich. Ich hatte nicht den Eindruck, dass ich als Person, als ich selbst, auch optisch mich in diesen elf Jahren so stark verändert hätte. Klar, beruflich schon: 2009 schrieb ich noch an meiner Dissertation und lebte größtenteils in meiner Studentenbude in Karlsruhe, erst teilweise in der Wohnung meines damaligen Freundes, späteren Mannes. Seit dem habe ich den Wechsel von der Astroteilchenphysik zum Strahlenschutz gemacht, habe meinen Doktor gemacht, an einer Uni als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Strahlenschützerin gearbeitet, war dann bei einem Ingenieurbüro und bin nun bei der Behörde. Ein weiter Bogen! Ich habe das Laufen auf eine solide, leistungs- und gesundheitsorientierte Basis gestellt. Ich habe eine chronische Krankheit bekommen, darunter gelitten und sie zunehmend in den Griff bekommen. Ich habe geheiratet… und bin mit meiner Aufzählung zunehmend vom Beruflichen weg hin zum Privaten und teils Körperlichen gekommen. Ich war zwischenzeitlich mal so viel dicker um die Taille geworden, dass ich den Reißverschluss des Kostüms kaputtgemacht habe – den will ich möglichst bald mal reparieren, denn ich würde das Kostüm gerne mal wieder tragen. 

Nicht, dass ich mich alt fühlen würde, weil ich nun 40 bin. Die Jahre sind an mir vorbeigezogen und ich habe das Gefühl, mehr „ich selbst“ und geistig sogar eher freier geworden zu sein. Ich verbinde in diesem Falle „frei“, ebenso wie „sportlich“ mit „jung“. In dieser Gedankenkette bin ich tatsächlich eher jünger geworden. Meinem Gesicht merke ich auch nicht wirklich an, dass ich älter werde – ich seh’s jeden Tag, die Veränderungen sind schleichend, ich bemerke sie nicht. Aber eines habe ich mir wegen der Gedanken an die Worte meiner Kollegin vorgenommen. „Damals sahst du jünger aus“, ja. Das tat ich. Ich war auch jünger. Aber ich kann das noch immer sein, wenn auch meinem Gesicht die Jahre anzusehen sind, ich bin jung genug, mich zu verkleiden, Dinge zu leben, die ich mich früher nur schwer traute – und die sind heute tatsächlich leichter. Denn mit dem Älterwerden kam auch ein neues Selbstvertrauen, das mit erlaubt, mehr einfach zu tun, was mich glücklich macht. Mich nicht mehr dauernd zu fragen, ob es deplatziert ist, komisch oder schlecht aussieht – hey, wenn’s wen stört, tut es das halt. In einem objektiven Spiegel mag ich älter aussehen – und genauso deplatziert wie damals, oder sogar noch mehr. Aber ich nehme mein Spiegelbild wahr und ich weiß, wenn es mir gefällt. Nur das ist wichtig. Und wenn sie gucken, dann gucken sie halt, sie gucken auch, wenn’s gut aussieht. 

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