Müdigkeit

Manchmal schlafe ich schlecht… das hat manchmal nachvollziehbare Gründe, manchmal aber auch nicht. Zum Glück kommt es sehr selten vor. Aber wenn ich schlecht geschlafen habe, dann ist alles schlimm.

Natürlich gibt es körperliche Auswirkungen. Wenn ich nach einer schlechten Nacht laufe, dreht der Puls höher bei gleicher Geschwindigkeit, ich laufe unachtsamer und der Stil ist schlechter. Insgesamt versteife ich leichter den Nacken und Rücken, habe eine schlechtere Haltung.

Die psychischen Auswirkungen sind aber viel, viel größer! Negative Gefühle überwältigen mich sehr viel leichter, wenn ich übermüdet bin. Nicht nur, dass die Konzentration auf die Arbeit oder sonstige Tätigkeiten fehlt, nein, es kratzt sehr viel mehr an meinem Nervenkostüm, was dann nicht funktioniert. Ich bin müde, Dinge funktionieren nicht, es ist meine Schuld und prompt fühle ich mich wertlos. Das muss dann noch nicht einmal am Schlafmangel und meiner Konzentration liegen, generell fühle ich mich dann schnell wertlos. Auch Ärger, Traurigkeit und Wut kommen viel stärker raus und brauchen viel weniger Trigger, wenn ich übermüdet bin. Auch die positiven Gefühle kommen schneller bei mir an, aber weit weniger schnell und stark als die negativen.

Mit zunehmendem Alter habe ich diese Umstände ein wenig mehr verstanden. Denn wenn man so heftig reagiert, wird man auch recht leicht selbstgerecht. Man merkt ja selbst nicht bewusst, dass man anders drauf ist, dass der Schlafmangel einen zu einem unausgeglicheneren Menschen macht. Inzwischen sehe ich an anderen und auch an mir selbst viel häufiger, was der Schlafmangel anstellt – und sage manchmal auch bewusst: „Ich gehe jetzt ins Bett. Morgen kriege ich das hin und reagiere nicht wie ein Berserker, wenn ich es nicht hinbekomme.“ Ich versuche das auch zu vermitteln, wenn ich jemanden mit rotgeriebenen Augen und Dauergähnen vor mir habe, der nah am Heulen oder Rumschreien – oder beidem – ist.

Am Montag war eine Freundin von mir sehr unausgeschlafen und reagierte entsprechend. Ein Freund von mir bekam schon eine Weile zu wenig Schlaf. Tja- aber wie das so ist: Mich erwischte es dann am Dienstag. Eine Nacht, die von Montag auf Dienstag, in der ich gefühlt vielleicht 90 Minuten geschlafen hatte – tatsächlich war’s wahrscheinlich etwas mehr, aber unter dem Strich viel zu wenig. Boah, ging es mir komisch. Ich bin dann gestern früh ins Bett, aber wie das so üblich ist: Es hält länger an. Heute früh ging es mir zwar gut, der Schlafmangel war ausgeglichen, dafür tat der Kopf etwas weh. Aber nach der Radfahrt zur Arbeit ging es mir deutlich besser.

Ich versuche, mehr zu schlafen. Das tut mir gut – es hilft mir, die Dinge besser zu erledigen und ein ausgeglichenerer Mensch zu sein. Aber wenn man so unheimlich viele Dinge tun will und gefühlt tun muss, ist das manchmal gar nicht so einfach. Und wenn das Kontingent ohnehin nicht reichlich ist, das man für Schlaf hat, sind unruhige Nächte die Pest – und selbstverstärkend. Wenigstens hilft Sport oft, besser und tiefer und zuverlässiger zu schlafen.

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