Inversion

Heute war ich am frühen Nachmittag laufen. Ich fand es schon reichlich kalt und habe mich warm eingepackt gehabt – vor allem dann später, auf dem Heimlauf vom Fitnessstudio zu uns nach Hause, bei Einbruch der Dunkelheit, wurde es schnell richtig bibberig kalt.

Dann las ich zuhause über Schneefall auf Mallorca. Im Mittelmeer, am Meer, im November. Bei uns hat’s die ersten Nachtfröste, aber bei ausgleichendem, noch immer eigentlich nicht auf dem Temperaturtiefpunkt befindlichen Meer, schneit’s auf den Balearen.

Ich hatte es da immer noch nicht kapiert. Als ich dann von den Laufaktivitäten eines Lauftreff-Kameraden in Polen las, in Lublin, da war ich der festen Überzeugung, dass es da saukalt ist, wenn’s hier schon für mich langsam echt unangenehm draußen wird. Ich hatte den Kommentar schon geschrieben, da las ich dann die Temperatur-Angabe in der Garmin-Connect-Aktivität meines Mit-Lauftrefflers: fast neun Grad Celsius! Allerdings weiß ich nicht mehr ganz, an welchem Tag das war, die Woche über war’s bei uns auch noch nicht maximal kalt.

Wie’s scheint, ist die „alte Regel“ außer Kraft, dass es im kontinentalen Nordosten Europas im Herbst und im Winter kälter ist als im westlichen Mitteleuropa und dort wiederum kälter als am Mittelmeer. Allerdings war das schon letztes Jahr nicht mehr zwingend so, und auch die Jahre davor. Ich glaube, es war im Winter 2017/2018, als ich von klirrender Kälte in Hamburg las, die wir auch so hatten, und auf Spitzbergen nördlich von Norwegen taute es. Natürlich messen wir häufiger und genauer, natürlich wird auch das entlegenste Wetter mehr zu uns kommuniziert, aber Zufall ist das alles nicht. Die polare Westwind-Zone ist nicht mehr so stabil wie früher, da das Temperaturgefälle aufgrund der sich aufheizenden Arktis geringer wird. Der Isoliergürtel zwischen winterkalter Arktis und südlicheren Breiten, bestehend aus einer beständig wehenden Westwindzone am Boden und einem Jetstream-Gürtel, verliert zunehmend an Stabilität. So kann warme Luft nach Norden, kalte Luft nach Süden vordringen. Insgesamt wird’s unbeständiger, die Temperaturschwankungen und Schwankungsbreiten werden größer.

Natürlich kann das Gefälle Lublin, Karlsruhe, Mallorca (von warm nach kalt) Zufall gewesen sein. Schwankungen gab’s immer. Aber diese „Inversionen“ werden häufiger. Und das darf und sollte uns Sorgen machen…

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