Mehr Hebel

Meine Wettkämpfe und persönlichen Bestzeiten in Wettkämpfen verwalte ich in einer Tabelle, denn ich möchte ein bisschen was darüber lernen, wie sich meine Bestzeiten über die verschiedenen Streckenlängen und meine Wettkampfleistungen allgemein über die Zeit verhalten. Für den Moment sieht alles noch nach Steigerung aus – und das ist auch zu erwarten. Die Laufleistung im Training ist mehr geworden, an der Grenze bin ich wohl noch nicht – wenn auch näher dran als vor zwei Jahren. Irgendwann werden die Personal Bests in dieser Datei stehenbleiben und nur noch Wettkämpfe dazukommen, die langsamer gelaufen sind als die vorigen: Verletzungen könnten dazwischen kommen, weniger Zeit für’s Training, andere Prioritäten – und mit dem Alter wird man auch nicht mehr schneller, eher das Gegenteil. Auch deswegen führe ich diese Datei.

Für den Moment habe ich aber – wie gesagt – noch eher Steigerung in Sicht. Rein aus Interesse habe ich an meine Bestleistungen Modelle angelegt. Es geht mir dabei darum, ein bisschen ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel schneller ich auf kurze Strecken laufen kann, als ich das auf längere Strecken tue. Hierfür gibt es ein Modell, das besagt, dass sich die persönlichen Wettkampfbestzeiten eines Athleten ungefähr wie die Strecke hoch 1,07 verhalten. Wenn man hier noch einmal die Strecke kürzt, bekommt man heraus, dass sich das Wettkampftempo, die „Pace“ in Minuten pro Kilometer, ungefähr so verhalten soll wie die Wettkampfstrecke hoch 0,07. Da meine erste Marathon-Leistung unter miesen Bedingungen stattfand, hatte dieses Modell gar nicht gepasst, also hatte ich als Ergänzung noch ein Polynom zweiten Grades, also eine Parabel eingefügt.

Bis zum vorgestrigen Samstag reichte meine Spanne der Streckenlängen aus halbwegs aktuellen Wettkämpfen von zehn Kilometern bis Marathon. Mit dem Fünfer in Ötigheim ist noch eine Verlängerung des Hebels dazugekommen. Also habe ich die Funktionen – Parabel und Potenzgesetz nach Steffny und Riegel – neu angefittet. Und so sieht das aus:

Aktuell ist der neue Fünfer aus Ötigheim – ich habe das Datum, nach dem Läufe als „aktuell“ bewertet werden, auf den 01.11.2019, den Beginn meiner neuen (Vor-)Saison gesetzt.

Deutlich zu sehen ist, dass in der „Mitte“ des Bereichs eine gewisse Streuung vorhanden ist. Meine Zwanziger-Bestzeit aus Rheinzabern im Februar ergibt eine deutlich schlechtere „Pace“ als die Halbmarathon-Bestzeit aus Hambrücken im August. Ebenso liegen der Fünfzehner vom Rißnertlauf im April und der Zwölfer vom Campus Run im Juli deutlich schlechter als die Kurve, während der 12,3 Kilometer lange Köhlbrandbrückenlauf ein Topp-Ergebnis lieferte. Diese Streuung macht beiden Funktions-Fits gleichermaßen ein bisschen Probleme. Aber solche durch den Trainingsstand bedingten Schwankungen sollen gar nicht ins Modell eingehen, eine mäandernde Kurve wäre schlicht nicht „wahr“, sondern würde Trainingsstand und Tagesform mehr berücksichtigen als die eigentlichen Unterschiede.

Insgesamt stellt das Exponentialgesetz nach Steffny und Riegel, in gelber Farbe dargestellt, einen besseren Kompromiss dar. Die minimale Summe der quadratischen Abweichungen von den einzelnen Personal Bests ist deutlich kleiner als bei der Parabel in Rot. Allerdings bekomme ich für meine persönlichen Bestleistungen einen Exponenten von 0,09 heraus – ich werde also stärker mit der Distanz langsamer als der „Modellathlet“ mit einem Exponenten von 0,07.

Da, wie oben erwähnt, das Steffny/Riegel’sche Exponentialgesetz besser passt, bin ich nun dazu übergegangen, meine „streckenkorrigierte Entwicklung über die Zeit“ mit dem Steffny/Riegel-Modell zu korrigieren statt mit der Parabel. Was ich dabei ausrechne ist, wie schnell ich bei Wettkämpfen gelaufen wäre, wenn das Steffny/Riegel-Modell in den für mich gemessenen Parametern richtig ist und der Wettkampf zehn Kilometer lang gewesen wäre statt z.B. Halbmarathon, 8,89 Kilometer oder was auch immer. So sieht das dann aus:

Meine mit dem Steffny/Riegel-Exponentialgesetz auf 10km Distanz korrigierten Wettkampfleistungen gegen die Zeit aufgetragen.

Interessant finde ich, dass mein auf Zehner korrigiertes Tempo irgendwo im Bereich von 4,10 Minuten pro Kilometer, also 4:06 liegt, bei der Masse der 2019er-Wettkämpfe – mit fünf teils mächtigen Ausreißern zu schnellerem Tempo. Mal sehen, wie das dann nächstes Jahr aussieht.

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