Gleisviereck im Wachsen

Noch immer steige ich täglich einer Abzweighaltestelle aus, die etwas mehr als eine Haltestelle vor meiner eigentlichen Station für die Arbeit liegt. Warum das?

Das Gleisviereck am Rüppurrer Tor in Karlsruhe in Bau.

Die kurze Antwort lautet: „Kombilösung“. In Karlsruhe wird – vielleicht bekanntlich, vielleicht auch nicht ganz so bei Euch bekannt – die Stadtbahn tiefergelegt, die zentrumsnächste Bundesstraße durch die Stadt ebenfalls tiefergelegt und dann die Tram aus der Fußgängerzone in den durch die tiefergelegte Bundesstraße entstehenden Korridor verlegt. Dafür besteht Karlsruhe seit geraumer Zeit aus einer Ansammlung sich laufend verändernder Baustellen.

Aber langsam wird’s, man sieht, was kommen soll: Das Bild oben zeigt die Kreuzung Fritz-Erler-Straße, Rüppurrer Straße, Kriegsstraße. Hier wird die vierstreifige, innerstädtisch verlaufende B10/Kriegsstraße unter das Bodenniveau gelegt, der Tunnel existiert in diesem Bauabschnitt schon. Er wurde in „offener“ Bauweise gebaut, sprich: Man spritzte Gel in den Boden, damit das Grundwasser nicht die Baugrube flutet, hob eine Grube aus und baute da einen Tunnel rein. Damit der S-Bahn-Verkehr nicht völlig zum Erliegen kam, wurde eine Behelfs-Gleisbrücke über den Tunnel geschlagen. Vorher war an dieser Stelle ein Gleisdreieck, wobei die regulären Linien auf dem Gleis Rüppurrer Straße und Fritz-Erler-Straße verliefen und der Abzweig nach Osten und dann durch die Kapellenstraße zum Durlacher Tor nur Backup war.

Der sich in zwei Abzweige und ein Gleis geradeaus gabelnde Schienenstrang im Bild ist der Anfang eben eines Gleisvierecks, wo vorher ein Gleisdreieck war. Die Bundesstraße, die hier noch durch die Baustelle gefädelt wird, liegt künftig unter Grund. In zwei Monaten darf ich dann wieder am Kronenplatz, rechts von diesem Bild, aus der Bahn aussteigen – zumindest so lange, bis unser Büro zum Karlstor auf der anderen Seite der Baustelle umzieht.

Wir sind übrigens am Sonntag beim Marathon mitten durch die Baustelle gelaufen, nämlich genau dort, wo der Kässbohrer-LKW zwischen den Absperrungen steht, auf dem aktuellen Verlauf des ostwärts führenden Strangs der Kriegsstraße.

5 Kommentare zu „Gleisviereck im Wachsen

    1. Och, in Karlsruhe ergibt die ganze Sache allmählich schon Sinn. Man hat gewisse Entscheidungen getroffen – die völlige „Entgleisung“ der Fußgängerzone hätte man auch unterlassen können, sofern der größte Teil der Linien auf die Kriegsstraße oder in den Untergrund gegangen wäre – aber das ist wie gesagt eine Entscheidung, die man so oder auch anders hätte treffen können und sicher für jeden Weg Gegenwind bekommen hätte. Ansonsten ist die ganze Aktion schon sinnvoll und wird die Lebensqualität in der Stadt verbessern 🙂

      1. Wenn es in Stuttgart und Berlin irgendwann mal fertig ist ergibt es sicher auch einen Sinn. Es sollte auch nur ein Vergleich sein. So richtig kenne ich mich in Karlsruhe auch nicht aus.

        1. Die Kombilösung lief geräuschloser und läuft planmäßiger als S21 oder BER. Das andere Projekt, das Karlsruhe gebraucht hätte, ist allerdings an Widerstand krepiert (Nordtangente mit zweiter Rheinbrücke). Man kann es schlecht finden, sollte man sogar, aber Fakt ist, dass der Straßenverkehr eher noch zunimmt. Dafür wollte Karlsruhe eigentlich eine zweite Straßenbrücke über den Rhein – die alte ist der Engpass für all die Pendler aus der Pfalz – und dazu eine zweite, schnelle West-Ost-Verbindung neben der Südtangente. Aber das wurde nichts – naja, vielleicht ringt man sich in ferner Zukunft zu einem Tunnel unter dem Hardtwald im Norden der Innenstadt durch, dann wäre auch das letzte Argument, das aus meiner Sicht gegen die Nordtangente spricht, aus der Welt.

          Die Kombilösung mit S-Bahn tief unter Grund, großer Straße unter Grund, Tram zwei Straßen südlich der Fußgängerzone über Grund finde ich großartig 🙂

        2. … äh, und ich wollte Deine Antwort auch nicht „geißeln“ 🙂 Die Kombilösung, trotz aller Debatten und aller nerviger Baustellen, ist im Endeffekt doch wesentlich unwidersprochener und insgesamt glatter gegangen als die berüchtigten Milliardengräber, zumindest ist das mein Eindruck.

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