Mein zweiter Marathon beim Badenmarathon in Karlsruhe [1]

Nachdem ich in der vergangenen Woche ziemlich durch den Wind war – und das wohl auch aus meinen Countdown-Beiträgen hervorging – ist es nun geschafft. Ich bin das zweite Mal in meinem Leben einen Marathon gelaufen, volle 42,195 Kilometer. Es war wieder der Badenmarathon, den ich mir dafür ausgesucht hatte, unter anderem, weil es der nächste Marathon bei meinem Zuhause in Bietigheim (Baden) ist, aber auch, weil es dort die Option gibt, mit Marathon-Nummer an der Marathon-Weiche zum Halbmarathon abzubiegen.

Anfang der Saison wollte ich ja unbedingt die 90 Minuten auf Halbmarathon unterbieten. Ich hatte mir den Badenmarathon ausgeguckt, um das in einem weiteren Versuch zu schaffen, falls es nicht früher klappen würde. Nun klappte es schon im Mai in Mannheim, also zeigten alle Zeichen auf Marathon. Darauf habe ich mich intensiv vorbereitet und damit die Vorgabe, 3:40 auf die Marathon-Distanz zu unterbieten, von vorne herein pulverisiert. Also peilte ich 3:20 an, wobei die Findung dieses Ziels durchaus „ein Act“ war, wie man so schön sagt.

Nun, egal wie: Marathon war angesagt. Morgens um halb acht fuhren mein Mann und ich mit der Bahn Richtung Karlsruhe. Die Entscheidung für die frühere Bahn fiel aufgrund logistischer Erwägungen am Samstag um 22:00, so dass ich die Verabredungen zum gemeinsamen Fahren nicht mehr änderte – um 8:29 wäre eh niemand mitgefahren, aber ich wollte nun keine 10 Stunden vorher keinen Knoten mehr in die Pläne anderer machen. Gegen zehn nach acht waren wir am Veranstaltungsgelände, schauten beim Rennwerk vorbei, trafen meinen Vater, gaben mein Gepäck ab… Dann ging es zum Gruppenfoto mit den anderen von der Mannschaft des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Etliche Leute waren’s – aber ich war die einzige, die den vollen Marathon allein laufen würde. Noch einmal die Blase leeren, dann ging es an den Start. Im Startblock traf ich viele bekannte Gesichter, im Endeffekt lief ich dann aber zusammen mit Nobse los. Wir hatten uns 4:45/km vorgenommen, im Endeffekt waren wir deutlich schneller und ließen den Marathon-Pacer für 3:29 immer weiter hinter uns, liefen zunehmend näher an den Marathon-Pacer für 3:14 heran.

Besonders auf der ersten Runde gab’s auf der Strecke jede Menge Leute, die mich anfeuerten – manche habe ich bemerkt, darunter meine Chefin, andere nicht, darunter liebe Freunde, die mir anschließend schrieben, für ein Bild sei ich zu schnell gewesen. Irgendwann realisierte ich, dass ich etwas schneller laufen wollte – und verabschiedete mich von Nobse, lief an den 3:14-Pacer heran. Den ließ ich auch, eher unbeabsichtigt, an Wasserstationen hinter mir. Ganz allmählich merkte ich, dass meine riesigen großen Zehen unangenehm in die Zehenboxen meiner Mizuno WaveShadows hineinschwollen, aber ein Problem war’s nicht. Erst bei der Marathon-Weiche oder eher kurz dahinter holte mich der 3:14-Pacer wieder ein. Es ist ein erhebendes Gefühl, als zeitweise Fünfte des Rennens von den Leuten in der Wechselzone gefeiert zu werden, als liefe man den Marathon seines Lebens!

Auf der einsameren zweiten Runde redete ich nett mit den Leuten um den 3:14-Pacer, musste die Gruppe dann aber im Oberwald zwischen Kilometer 30 und Kilometer 32 gehen lassen. Ab Kilometer 34 ließ dann auch ein bisschen der Zug nach, den ich laufen konnte – Erschöpfung, ein bisschen Drücken durch die geschwollenen Zehen, insgesamt auch die Länge des Rennens setzen mir zu. Ein wenig schlug mich auch rein, dass eine Läuferin mit Begleitradfahrer und von ihm gereichter Versorgung mich beim Überqueren der Ludwig-Erhardt-Allee überholte. Aber ich hielt mich aufrecht. Ich wusste, selbst mit einem Rückfall auf eine Fünfer-Pace, also 12km/h oder knapp darunter, würde ich meine anvisierten 3:20 schaffen. Das hielt mich aufrecht, als ich das Karlsruher Schloss das zweite Mal umkurvte und dann, einige Kilometer später, auf den letzten vier Kilometern weitere zwei Plätze verlor. Die Konkurrentinnen hatten sich das Rennen einfach besser eingeteilt, wohl auch dank mehr Erfahrung.

Und dann ging es ratzfatz. Nach Unterquerung der L605 am Bulacher Kreuz erreichten wir die liebevoll „Klotze“ genannte Günther-Klotz-Anlage, ich kämpfte noch mit all den Herden von „will nicht mehr“, die über diese lange Strecke aufpoppten, realisierte dann aber: LETZTER KILOMETER! Überall jubelte man mir zu, „unter 3:20“ wurde mir zugerufen, meine Zielzeit angepriesen wie geschnitten Brot! Dann bog ich auf die Zielstrecke, die ich eine Runde zuvor den Halbmarathonis überlassen hatte, Nobse brüllte mir entgegen (Abweichungen zum echten Ruf sind meinem Marathon-Delirium geschuldet): „Beweg‘ Deinen Arsch ins Ziel, Tally!“ Das kam genau richtig! Überall wurde mein Name gebrüllt, Katja und Markus von den Sport Löwen war da, etliche weitere, die ich gar nicht mehr richtig identifiziert bekam.

Beim Sturm hinein ins Carl-Kaufmann-Stadion überfiel mich unbändiges Glück! Noch immer standen 3:17 auf der großen Uhr über dem Zielbogen, die ich freilich nicht mehr halten würde. Zwischen Grinsen und Freudentränen, die Zeit geschafft zu haben und ENDLICH, ENDLICH im Ziel zu sein, hörte ich meinen Namen angesagt. Die Uhr sprang auf 3:18, dann auf 3:19 Bruttozeit, aber ich wusste, die 3:20 würde sie nicht anzeigen, und dann würde noch meine Gehzeit vom Block B bis zum Startbogen abgezogen! Kaum hatte ich die Medaille um und die Finisher-Mütze auf, kam schon die Message meines Mannes: 3:18:33, achter Platz bei den Damen, dritter Platz in der Altersklasse W40! Ich hatte es geschafft!

Medaille, Urkunde, Finisher-Mütze.

Völlig platt sitze ich nun wieder zuhause, die Urkunde gerade gedruckt, Bilder noch nicht ausgewertet. Viele Leute habe ich noch auf der Tribüne getroffen, zu viert waren wir noch essen. Bilder und weitere Details gibt’s morgen. Heute bin ich erstmal erledigt!

31 Kommentare zu „Mein zweiter Marathon beim Badenmarathon in Karlsruhe [1]

        1. Am dritten Oktober geht es – gute Erholung vom Marathon vorausgesetzt – wieder auf die Wettkampfstrecke. Dieses Mal in Hamburg, über eine GROSSE Brücke.

    1. Danke! Ich bin ziemlich stolz darauf, dass sich das Training SO ausgezahlt hat, auch wenn ich gerade bedingt durch verschiedene Dinge, die sich noch erholen müssen, ziemlich durch die Gegend humpele. 🙂

        1. Das geht gerade eigentlich … fies sind die schmerzenden Zehen, die so druckvoll in die Zehenbox reingeschwollen sind, sowie ein bisschen ein Ziehen in der Hüfte. Ansonsten bin ich gespannt auf morgen 😀

    1. Vielen lieben Dank! Es war unglaublich, das zu erreichen. Auf der Zielgeraden war ich zwischen Grinsen und Heulen vor – Glück, Stolz, Erschöpfung oder vielleicht allem gleichzeitig.

      Deiner kommt in Miami nächstes Jahr, also der nächste Marathon, richtig?

      1. Ja. Im Februar steht mein 2. Marathon auf dem Programm. Bin gespannt, wie das Training wird. Aber ich freue mich einfach drauf. Ich liebe die Marathondistanz. Auch wenn es viel von einem abverlangt.

        1. Mir persönlich ist – wie ich gemerkt habe – die Halbmarathon-Distanz lieber. Auf der bin ich auch schneller, sehe ich sogar an den Statistiken der Personal Bests. Zehner und Marathon passen gemäß der „Zeit = Strecke hoch 1,07“ bzw. „Pace = Strecke hoch 0,07“, jeweils mit Vorfaktor, ganz gut zusammen – die Halbmarathons liegen konsequent unter der Kurve.

          Aber der volle Marathon ist schon die Königsklasse, keine Frage.

        2. … oh, und genau: Ich bin gespannt auf Deine Berichte vom Training! Bei mir geht’s jetzt erstmal wieder auf „Zehner und Halbe“, und auch wieder in den winterlichen Grundlagenaufbau.

    1. Auch wenn ich besser auf der Halbmarathon-Distanz bin, und den „Halben“ auch lieber laufe, ist der Marathon doch das ganz große Stück, aus dem Helden gemacht werden. Bei Kilometer sechs war ein Transparent über die Strecke gespannt: „Ihr seid Helden! Noch 32,2 Kilometer!“ … an der Stelle fand ich das deplatziert, bei sechsen ist man noch kein Held.

      Aber wenn man dann das Schild „40km“ neben sich sieht und hinter sich lässt, da stellt sich schon so ein Gefühl ein, als habe man Großes geleistet, als sei da etwas passiert, das nicht oft passiert. Selbst wenn man hundertmal auf der Strecke den „inneren Udo Bölts“ zünden muss, der einem zubrüllt: „Quäl‘ dich, du Sau!“

      Vielen lieben Dank!

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