Storyteller’s Blues

Heute Nacht stand ich nach etwa zweieinhalb Stunden Schlaf auf. Ich war aufgewacht, vermutlich wegen einer etwas unangenehm-unappetitlichen Sache: entzündeten, druckempfindlichen Pickeln an einer Stelle, auf der ich normalerweise liege. So richtig schnell wieder schlafen war dann nicht drin, also saß ich im Wohnzimmer und las.

Ich las in alten Chatlogs von Chatrollenspiel mit meinem Nenn-Bruder. Es ging dabei um eine kleine Phantasie, die ich damals beim Ansehen der Serie „Smallville“ entwickelt hatte, die wir dann in der Welt von ShadowRun angesiedelt haben, romantisiert, an manchen Stellen unrealistisch … eine Gruppe Highschool-Schüler zwischen dem Wunsch nach Zukunftsvisionen nach der Highschool, Beziehungen, dem Schlussball und Football. In den Hauptrollen: Alicia Davis, Tochter eines Mittelwest-Farmers und seiner vietnamesisch-stämmigen Frau, die neben ihren Aufgaben auf der Farm auch Schneiderin ist, sowie Claire Sanders von der Nachbarfarm. Claire und Alicia sind sportlich unterwegs – beide laufen Langstrecke, Claire boxt und Alicia tanzt Ballett. Daneben haben die beiden durchaus handfesten Mädels immer wieder beim Team der „Farmerkids“ mit Football trainiert. In Cedar Creek, dem Ort, wo das Ganze spielt, gibt es am Ende des Schuljahres stets ein Footballspiel zwischen den Kids von den Farmen und den Kids aus der Stadt. Als flinke, wendige Läuferinnen stellt der Trainer der Farmer Claire und Alicia für dieses Spiel auf – dazu geht’s für beide und ihre jeweiligen Freunde um den weiteren Lebensweg. Lucas Wilson, der seit dem Ende des Junior-Jahres mit Alicia zusammen ist, ist der Quarterback des Schulteams, spielt diese Rolle natürlich auch für die Farmer, Eric dagegen ist der Center des Farm-Teams und im Schulteam offensiver Tackle. So richtig mit Claire zusammen kommt er erst im Laufe der Geschichte. Alle vier wissen: Für’s College werden sie Cedar Creek verlassen, Alicia träumt vom Ballett-Ensemble der Metropolitan Opera, Lucas hat ein Football-Stipendium an der Kansas State, Eric und Claire wissen nicht so recht, was sie tun wollen. Dazu mischen sich diverse weitere Charaktere hinein …

Und dann kommt die Girlband „Diversity“ aus einem ehemaligen japanischen Idol, die nun im Rollstuhl sitzt, einer Gitarristin aus den Native American Nations, einer Sasquatch-Synthie-Künstlerin und der Bierzelt-Kapellen-Drummerin auf „Old-Germany-Festivals“ aus New Jersey nach Cedar Creek, um auf dem Abschlussball zu spielen – und die Welt der Highschool-Abgänger wird gründlich durcheinander gewirbelt. In Proben, einem furiosen Football-Spiel, einem superkitschig-romantisch-wunderschönen Schlussball und dann neuen Karrieren in der großen Stadt entwickelt sich dabei so vieles, wunderschönes.

Erst nach anderthalb Stunden lesen ging ich wieder ins Bett, und auch heute habe ich weiter über die CCC, die Cedar Creek Connection gelesen. Dass mich meine eigenen alten Geschichten zum glücklich und melancholisch heulen bringen und einen halben Tag beschäftigen, ist für viele befremdlich. Aber es gehört zu mir – es ist der Storyteller’s Blues.

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