Ewige Zweite? Der Stadtwerkelauf

Ich habe mal wieder einen zweiten Platz hinter einer starken Läuferin belegt, wie der Laufreport es beim Altstadtlauf in Ettlingen ausgedrückt hat. Angesichts der Tatsache, dass ich letztes Jahr zweite mit nur gut vier Sekunden Rückstand beim Stadtwerkelauf wurde … aber von vorne.

Wie ich ja gestern schon schrieb, fand der Lauf für mich unter widrigen Umständen statt. Wie beim letztjährigen Badenmarathon hatte ich im Vorfeld Kopfschmerzen bis zum Erbrechen. Da aber, wie ich genau weiß, laufen gegen die Schmerzen hilft und ich geradeaus schnell laufen kann, selbst wenn ich nicht mehr geradeaus gucken kann, fuhr ich mit meinem zweifelnd schauenden Mann doch zum Stadtwerkelauf. Das Betriebsgelände an der Pfannkuchstraße mit überdachten Bereichen, die normalerweise Standplätze für Fahrzeuge sind, einer Halle, in der ebenfalls Bänke aufgebaut sind, Essensversorgung mit Thai-Curry, Kuchen, Steak und Wurst im Brötchen sowie Getränken satt und kostenlosem Karlsruher Trinkwasser für alle Läufer sind die Bedingungen nahezu wetterunabhängig hervorragend. Letztes Jahr war’s regnerisch und dennoch super. Dieses Jahr war herrliches Wetter, trocken, 22-24°C, leicht bewölkt. Für mich hätt’s gerne noch etwas wärmer sein dürfen, aber man kann ja nicht alles haben. Ich lag noch eine Runde auf einer Bank, um meinen Kopf zu entspannen, traf dann zusammen mit meinem Mann auf dem Weg zum Start noch Nobse von den Sport Löwen, der auf dem Weg zum Skate-Treff war. Er war zum Wettkampf gekommen, um mich anzufeuern.

Und dann ging es auch schon auf die Strecke. Schon nach fünfhundert Metern ließ das Drücken in der rechten Schläfe nach, im Getümmel am Start muss ich an der späteren Siegerin noch einmal kurz vorbeigelaufen sein. Dort feuerte mich auch Nobse das erste Mal an. Aber dann, hinter dem Betriebshof auf dem Weg durch ein Wäldchen, zog die Dame im EnBW-Trikot an mir vorbei, als würde ich stehen – bei ca. 3:55 pro Kilometer! Allzu viele Männer waren auch nicht schneller als sie und ich. Schon an der Brücke über die Honsellstraße hatte ich wieder Anfeuerung in Rot-Gelb von Nobse, der mir auch 16 Sekunden Rückstand auf die Führende verkündete. Entlang der Alb ging es nach Knielingen, ich überholte einen Bekannten, den ich schon zuvor in der Startaufstellung getroffen hatte, und noch ein paar weitere Jungs. Während vor mit Tifenn Piolot-Doco im EnBW-Trikot außer Sicht geriet, war sonst von Frauen weit und breit nichts zu sehen, und ich merkte, dass mein Tempo stabiler, der Kopf schmerzfreier wurde. Das Marathon-Training merkt man eben auch auf der kürzeren Strecke. Zweimal auf der Schleife entlang der Alb und durch Knielingen und an der Alb entlang zurück bekam ich noch Ansagen über meine Position und Nobse machte auch Bilder.

In der Kurve – bei bereits mehr als der Hälfte der Strecke. Bei regennasser Straße hatte ich hier letztes Jahr einen Fast-Sturz. Dieses Jahr war alles fein. Etwas bestürzt sehe ich, wie definiert meine Muskeln an den Beinen in der Bewegung aussehen. Und: Flugphase!!! Foto: Norbert Raufer.

Ein weiteres Bild, das mich im Windschatten eines anderen Läufers mit breitem Grinsen bei Kilometer 9 nach der Rückkehr über die Honsellstraßen-Fahrradbrücke zeigt, ist leider etwas unscharf geraten. Vermutlich war ich zu schnell – allerdings hatte ich ein riesiges Grinsen im Gesicht. Der Kopf war super und es waren nur noch etwa fünf Viertelkilometer nach Hause zu laufen! Weit und breit keine Verfolgerin, die Siegerin außer Sicht, zweiter Platz sicher. Nobse skatete neben mir den Berg hinauf und feuerte mich noch an.

Nach der ansonsten etwas einsamen Strecke begrüßten mich viele, viele Jubler, Kollegen, Petar vom Laufteam Rennwerk und auch mein Mann im Ziel! Bei 42:13,2 blieb die Uhr stehen, ein Tempo von 4:07 pro Kilometer. Nach vorne waren’s knapp zwei Minuten Abstand, nach hinten mehr als zwei – ganz passabel für einen Kopfschmerztag!

Siegerehrung für die Damen beim 10er des Volkslaufs der Stadtwerke Karlsruhe. Foto: Holger Stahlmann.

Bei der Siegerehrung gab’s dann die Siegerin, meine Wenigkeit und die Drittplatzierte mit jeweils Pokal, Urkunde und Grinsen im Gesicht. Zuvor hatten mich die Herren von den Stadtwerken bereits als die Vorjahreszweite wiedererkannt und sich gefreut, dass ich wieder dabei war.

Fette Beute: Urkunde, Pokal, Startnummer. Foto: Talianna Schmidt.

Es hat einen riesigen Spaß gemacht, die Kopfschmerzen so gelindert, dass ich heute wieder arbeiten gehen konnte und ein gutes Ergebnis war’s auch noch. Da kann man sich nur bei allen bedanken: Der Orga der Stadtwerke beim Lauf, der kompetenten Laufschuh-Unterstützung durch das Rennwerk, für dessen Laufteam ich angetreten war, meinem Zeitansager und „Hase-und-Igel“-mäßigen Anfeuerer Nobse auf Skates und meinem Mann.

Nun könnte man lamentieren: Schon wieder nur Zweite? Aber hey: Ich schaffe es immer wieder auf’s Podium, und im Nachgang habe ich erfahren, dass die Siegerin für die Universitäts-Crosslauf-WM qualifiziert war und dort einen 25. Platz belegt hat. Von so jemandem, der zudem noch deutlich über zehn Jahre jünger ist, um nur zwei Minuten geschlagen zu werden, das ist doch auch was! Da brauch‘ ich dann keinen Sieg. Gewonnen hat allerdings das Laufteam Rennwerk dennoch: Selina hat beim Fünfer triumphiert – und so gab’s zwei Pokale für meinen liebsten Laufladen.

7 Kommentare zu „Ewige Zweite? Der Stadtwerkelauf

    1. Ich auch – tatsächlich häufen sich die zweiten Plätze bei mir: Stadtwerkelauf letztes Jahr, Volkslauf in Neureut, Festungslauf in Philippsburg, Altstadtlauf in Ettlingen, Lußhardtlauf in Hambrücken und nun Stadtwerkelauf 2019. Dritten gab’s dieses Jahr einen, beim Rißnertlauf in Rüppurr, ersten auch einen, beim Campus Run in Stuttgart. Auf sieben von 13 Wettkämpfen dieses Jahr war ich auf dem Podium, und bei fünf davon war’s Platz 2.

    1. Vielen lieben Dank! Ich werde wohl noch eine Weile dasitzen und mich fragen, ob ich auf unter einer Minute an Tifenn Piolot-Doco drangeblieben wäre, wenn es dem Kopf besser gegangen wäre – aber so ging es dem Kopf danach besser, das ist eigentlich noch mehr wert!

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