Freilaufender Hund

… diese Meldung hätte ich gestern fast abgeben können. Es kam dann aber doch noch jemand dazu.

Gestern Abend beim Laufen hatte ich einen kurzen Zwischenstopp zuhause, da ich nach vier harten 2,5-Kilometer-Intervallen mit jeweils zweimal der Steigung vom Tiefgestade auf die Hardt hinauf auf die Toilette musste. Als ich dann wieder zurück in mein Laufrevier rannte, stand da plötzlich mitten auf der Straße, ganz allein und sichtlich selbst ein wenig verwirrt, ein dunkler Hund mit neongrünem Halsband. Der Hund sah mich an, ich taxierte ihn, dachte erst: „Okay.“ Also lief ich weiter. Dann kam er auf mich zu, schwanzwedelnd. Ich stoppte, denn auf einen freudigen Spiel-Fight würde ich mich ja schon einlassen, wenn ich ein Hund wäre. Ich bin aber ein Mensch mit offenbar hunde-provozierenden Geruchsnoten, der Reaktion der Tiere auf mich nach zu urteilen. Vielleicht riechen die Tiere meine innere Katze.

Jedenfalls schreckte der Hund kurz vor mir zurück, knurrte und kniff die Rute ein. Jetzt war ich definitiv auf „Alarm“, denn von Unterwerfung war keine Spur, und ein Tier mit Angst oder Kampfbereitschaft hat mit seinen Zähnen und Krallen definitiv mehr Schadenspotential als ich. Der Hund verfolgte dann noch halbherzig, nun wieder freudig, einen Radfahrer, der wohl mich für die unfähige Halterin hielt – dann wandte er sich, wieder mit eingekniffener Rute, mir zu, rannte auf mich zu. Dann gab es in einem der Häuser um mich herum ein Geräusch, eine Frau kam um eine Hausecke und rief: „Was machst du denn? War die Tür offen?“ Nur Sorge um den ausgebüxten Hund, dass die Interaktion mit mir, die ich nun nicht unbedingt ein Hundemensch bin, spielte keine Rolle, vielleicht hat sie es auch nicht bemerkt. Das war so ein Moment, an dem ich wieder verstehe, warum ich als Joggerin Hunde nicht mag und ihnen misstraue.

Eine bestätigende Situation kam kurz darauf nochmal im Wald, als ein Radfahrer mit neben sich ohne Leine laufendem Hund sich zwischen seinen Hund und meinen Laufweg drängte – offenbar in weiser Voraussicht. Dem Hund war die weise Voraussicht aber offenbar egal, ebenso wie das Leckerli in Herrchens Hand. Er versuchte, um das Vorderrad von Herrchens Fahrrad herum in mein „Kielwasser“ zu kommen und mir nachzurennen, ließ sich selbst von Herrchens Querstellen des Fahrrads auf dem Waldweg kaum irritieren. Erst Herrchens feste Hand am Halsband verhinderte eine Verfolgungsjagd – und wenn ich auch ausdauernd bin, einen Sprint gegen einen Hund, an dem viele Zähne sind, dazu Kraft im Kiefer und die Bereitschaft, auch mal im Spaß so zu beißen, dass meine Wade das nicht mag, werde ich wohl verlieren.

Am Ende des Tages sagte ich: „Ich hasse Hunde!“ Das ist so natürlich nicht richtig. Ich finde es bloß recht bemerkenswert, dass es scheinbar sehr viele Menschen gibt, die „ohne ein Tier bei sich“ nicht leben wollen, aber sehr viel weniger, die mit dem Tier auch so umgehen können. Das müssen die Halter nämlich, damit es sich in unserer menschen- und reizreichen Umgebung zurechtfindet und so anständig benimmt, dass potentiell kritische Situationen vermieden werden. Die Tiere haben nun einmal einen Jagdtrieb. Durch Hundeschule kann man dessen Herr werden, sehe ich ja am Hund unserer Nachbarn und den Hunden von Freunden.

Leider sehe ich auch allzuoft Gegenbeispiele. Ich hab‘ ja nix dagegen, wenn wir Wildtiere schützen. Auch gegen Haustiere habe ich nichts. In dem Moment, in dem wir allerdings ein Haustier so tief in das menschliche Revier lassen, dass sie mit unseren untierischen Umgangsformen konform gehen müssen, muss der Halter das Tier im Griff haben. Sonst hat er in meinen Augen die Pflicht, ohne Haustier zu leben.

5 Kommentare zu „Freilaufender Hund

  1. Freilaufende Hunde ein unerschöpfliches Thema. Was ich da schon alles erlebt habe, würde ein Buch füllen. Grundsätzlich sind es aber die Menschen, die eine Verantwortung haben. Wer das nicht begreift, dem empfehle ich, sich die Gesetzeslage anzuschauen.
    LG Jürgen

    1. Ja, natürlich sind’s die Menschen! Das Tier kann die Regeln des menschlichen Zusammenlebens nicht befolgen, denn es kennt sie nur durch den Menschen, versteht sie nicht und muss daher geführt werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.