14. Lußhardtlauf in Hambrücken

Ich bin ja gestern mit einer brettharten Nervosität den ganzen Tag lang herumgelaufen. Diese Nervosität hielt auch heute morgen noch an, ich war einfach am flattern – wie verrückt am flattern. Am Ende des Tages scheint es aber so, dass Nervosität zum Fokussieren gehört.

Aber von vorne: um 7:20 fuhren Holger und ich los, um nach Hambrücken zum Lußhardtlauf zu fahren. Zwischen Karlsruhe und Bruchsal auf der Autobahn erreichte uns eine SMS meines Vaters, er war schon da. Wir trafen uns also mit meinem Vater bei einer lieben Kollegin vor dem Haus, besprachen uns kurz und dann gingen wir die Startnummer abholen. Mit Nobse von den Sportlöwen trafen wir uns noch vor Erhalt der Startnummer, ich trank noch einen Schluck Kaffee, sah Melina Wolf von der LG Region und stellte erleichtert fest, sie würde zehn Kilometer laufen, nicht Halbmarathon wie ich. Dann ging’s fast schon auf die Strecke, am Start traf ich noch Selina vom Laufteam Rennwerk.

Der Lußhardtlauf in Hambrücken wird veranstaltet von den Lußhardtläufern e.V., einer Ausgründung aus dem dortigen Turnverein. Bereits das vierzehnte Mal fand er statt, dort kann man fünf Kilometer, zehn Kilometer und Halbmarathon laufen, auf nach den Regeln des DLV vermessenen Strecken. Dieses Jahr ist der Lußhardtlauf mit seinem Zehner und dem Halbmarathon zudem Teil des Regio Cup Karlsruhe. Meine Strecke war der Halbmarathon.

Auf einer Landstraße, die schön komplett für die Läufer gesperrt war, ging es für insgesamt über 800 Läufer aus dem Ort heraus, dann durch den Wald und an der Bahnlinie entlang. Die Wege waren gut, meine Beine liefen und die Uhr zeigte konstant irgendwas um die 4:00 pro Kilometer an. Peter Beil von der LSG Karlsruhe, den ich noch in Philippsburg dank offenen Schnürsenkeln nicht mehr einholte, überholte ich auf der Strecke. Die ganze Zeit fragte ich mich, wo die angemeldete Vorjahressiegerin sei, denn die einzige Frau vor mir erwies sich als zu jung für Jahrgang 1977. Die ersten zehn Kilometer absolvierte ich in einem Tempo, das ich so auf einem Zehner in Neureut im Frühjahr gelaufen war. Nun musste ich mich mit der Ansage an mich selbst, dass ich dieses wahnwitzige Tempo ins Ziel zu bringen, „heimzulaufen“ hätte, über Wasser halten. Tatsächlich ließ ich nicht sehr nach, bis zu einer Wendepunktstrecke im Wald, auf der ich zunehmend sicher war, dass nur eine junge Läuferin Anfang 20 vor mir war und sonst nur Männer. Dort begann meine Uhr, plötzlich Paces von 4:30 oder 4:50 anzuzeigen. Des Rätsels Lösung kam bei der nächsten Markierung: wo ich vorher bei der Fünf-Kilometer-Marke 4,97 km auf meiner Uhr stehen hatte, waren’s nun bei der 15-Kilometer-Marke 14,67. Die Durchschnittspace lag immer noch bei 4:08, also deutlich unter dem Wert für mein bisheriges Personal Best von 1:29:05 (das wären 4:13 pro Kilometer gewesen). Zwischen Kilometer 16 und Kilometer 18 wurd’s echt hart, sich aufrecht zu halten, aber dann wurde es wieder besser. Bei Kilometer 20 standen meine Kollegin Annette, mein Vater und mein Mann und veranstalteten ein Anfeuer-Theater, das richtig, richtig klasse war und mir Extraschub für den letzten Kilometer gaben …

Zieleinlauf in Hambrücken – danke an Nobse für das Bild!

Und als ich auf die Zielgerade bog, standen noch immer weniger als 1:25:00 auf der Uhr! Es waren einige hundert Meter bis zum roten Teppich im Ziel, aber hey: ein paar hundert Meter in unter vier Minuten für neues Personal Best schaffte ich allemal noch! Angefeuert von vielen Rufen, ich sei die zweite Frau, stürmte ich weiter in Richtung Ziel, hörte, dass ich angekündigt wurde, riss noch vor dem roten Teppich die Arme hoch: Die Uhr blieb bei 1:27:02,5 stehen! Neues Personal Best, mehr als zwei Minuten verbessert gegenüber der erst im Mai aufgestellten Bestmarke aus Mannheim!

Gesamtsiegerehrung Halbmarathon beim Lußhardtlauf. Die Dritte war schon weg – aber ich durfte mal wieder auf den Platz rechts der Siegerin steigen. Foto von Holger.

Ich saß erst einmal auf dem Boden und hatte nur noch Superlative und Vulgärsprache für den Lauf, Nobse, mein Vater und mein Mann umstanden mich, wie ich auf dem Boden saß und aus der Euphorie nicht mehr herauskam! Ein bisschen dauerte es dann noch, aber dann kam die Siegerehrung … und da wurde dann bestätigt, was mein Mann schon auf der Seite von br-timing nachgeschaut hatte: Ich war tatsächlich zweite Frau geworden und die Vorjahressiegerin war nicht angetreten.

Altersklassenpodium Seniorinnen W40 des Halbmarathons beim Lußhardtlauf. Die Zweite war schon weg. Foto von Holger.

Ein Funfact ist, dass die Plätze zwei bis fünf allesamt von Damen zwischen 40 und 44 belegt wurden, also an die Altersklasse Seniorinnen W40 gingen.

Übliches Trophäenfoto mit Startnummer, Urkunde und Preisen.

Am Ende des Tages habe ich einen weiteren zweiten Platz zu meiner Liste dieses Jahr hinzugefügt, vor allem aber mein Personal Best auf der Halbmarathon-Strecke nach den fast sieben Minuten, die ich es im Mai verbesserte, um weitere zwei Minuten verbessert. Die Konsequenzen für das Klassement des Regio Cup Karlsruhe vor nur noch einem verbleibenden Zehn-Kilometer-Wertungslauf habe ich schon im Kopf prognostiziert, aber ich warte mal ab, was heute Abend oder morgen früh dasteht, bevor ich mich freue.

Die anschließende Essenseinladung bei meiner Kollegin lieferte einen herrlichen, wundervollen und sehr geselligen Ausklang eines erfolgreichen Lauftages.

10 Kommentare zu „14. Lußhardtlauf in Hambrücken

    1. Vielen lieben Dank! Heute Abend liegen wir erstmal nur rum. Morgen kann es sein, dass ich in der Mittagspause ganz gemütlich eine Runde um den Blog jogge, aber nur, wenn ich mich danach fühle.

      Was die Leistung angeht – ich bin selbst recht überrascht, dass mein Training so gut aufgegangen ist. Nicht, dass ich wenig getan hätte, aber es ist schon krass, wie ich aus dem Training das Optimum für den Wettkampf herausgeholt habe. Da ist auch eine gute Portion Glück in Sachen „Tagesform“ dabei.

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