Was soll das?

Mal wieder ein „Was soll das?“-Post. Wahrscheinlich werde ich bei der Generierung des Links sehen, dass es der vierte, fünfte oder gar sechste ist. Dieses Mal befasst er sich aber mit dem Verhalten von Fußgängern und Radfahrern auf Wegen in der Stadt. Es sind mehrere Ereignisse, die ich diese Woche in Karlsruhe erlebt habe – jeweils einzeln, jeweils individuell, aber in einer Dichte, die mich erstaunt und bestürzt:

  • Montag – ich laufe in der Mittagspause. Mein Weg führt mich vom Schloßgarten nordwärts auf dem Fußgänger-Waldweg neben dem Radweg Richtung Adenauerring und Hardtwald. Drei Läuferinnen kommen mir entgegen, laufen auf dem Weg alle drei nebeneinander – dafür reicht er gerade so aus. Ich sehe die drei. Ich sehe sie laufen. Ich sehe, dass sie mich sehen. Ich sehe, dass keine Anstalten macht, die „Drei-Nebeneinander-Formation“ aufzulösen. Ohne mit der Wimper zu zucken haben sie mich, die einzelne Läuferin, dazu genötigt, entweder zu stoppen oder ins Gras auszuweichen. Ich habe letzteres getan und „Geht’s noch?“ in mich hineingebrummelt.
  • Später am Montag – ich gehe vom Büro zur Haltestelle, die Markgrafenstraße entlang. Auf der Straße witschen die Radfahrer vorbei, dass es eine wahre Freude ist. Vier Halbstarke kommen mir entgegen. Sehen mich. Ich merke, dass sie mich sehen. Einer der vier geht sogar auf der verkehrsberuhigten, von witschenden Radfahrern frequentierten Straße, damit sie nebeneinander gehen können. Ich versuche, zu deuten, auf welcher Seite sie mich vorbeilassen. Da gab es nichts zu deuten. Sie lösten ihre Formation nicht auf. Ich suchte mir eine Lücke zwischen den Radfahrern und umlief die vier Jungs.
  • Dienstag – ich gehe vom Büro zur Haltestelle, auf den Lidellplatz. Dort kommt der Radweg von schräg vorne, wird auf dem Boden gekennzeichnet auf den sehr breiten Bürgersteig geführt. Ein Pärchen mit Koffer geht vor mir, ich will vorbei. Sie schlängeln und nehmen mehr als die Hälfte des sehr breiten Rad- und Fußwegs ein. Ein Radfahrer witscht in Schräglage slalomartig drumherum, auf den Fußwegteil, weil das Pärchen gerade wieder auf den Radweg mändert und den Koffer dem Radfahrer entgegenrollt. Der Radfahrer fährt mich beim Ausweichen beinahe über den Haufen. So langsam bin ich bei „Ey, geht’s noch?“ angekommen.
  • Mittwoch – ich laufe vom Büro zum Fitnessstudio. Zwischen Albtalbahnhof und Beiertheim auf dem kombinierten Rad- und Fußweg durch die Kleingärten wieder mal ein Pärchen, quatschend, breit gemacht, eine Fußgängerbreite links, eine Fußgängerbreite rechts. Sie mäandern um die Ideallinie herum, nämlich genau auf der auf den Boden gemalten Trennlinie zwischen Rad- und Fußweg auf diesem Weg … ich will vorbeirennen, sie weichen natürlich massivst Richtung Radweg aus, als ihnen ein Radfahrer entgegenkommt, der dreht einen Schlenker auf den Fußweg, auf dessen Seite ich ausweichen will, und fährt wieder mal mich fast über den Haufen. Das „Leute!“ war dann schon recht laut, ich hörte dann noch den Mann des Pärchens sagen: „Oh, wir gehen auf dem Radweg.“

… wenn die Woche so weitergeht, ist der erste Zusammenstoß wohl nur eine Frage der Zeit. Von dem Chaos zwischen Radfahrern in der extrem verengten Fußgängerzone auf dem Marktplatz plus jede Menge Fußgängern und meinem Laufweg zum Schlossgarten will ich gar nicht reden, da kann dann auch in der unübersichtlichen, stark frequentierten Lage niemand etwas dafür, dass ich Slalom laufen muss. Aber so langsam frage ich mich, warum ich ausweiche und nicht einfach selbst mal stur weiterlaufe … zumindest, wenn es gegen Fußgänger geht. Angesichts der Tatsache, dass ich schneller bin, und zumindest wohl auch nicht leichter als die Halbstarken, die Mädels auf der Strecke zum Adenauerring und das Pärchen südlich des Albtalbahnhofs, hätte ich beim Zusammenstoß vielleicht gar keine so schlechten Karten.

Aber EIGENTLICH will ich es nicht auf sowas ankommen lassen, nicht mal so denken. Eigentlich hätte ich nämlich gerne, dass ich vielleicht in 55 oder 60 Prozent der Fälle die bin, die ausweicht – und nicht in gefühlten 95 Prozent. Nebenbei: Ich möchte ganz klar verstanden wissen, dass unter den sehenden Auges wissentlich im Pulk nicht ausweichenden beiden Gruppen eine Frauen- und eine Männergruppe war, es sind also nicht nur die Jungs!

8 Kommentare zu „Was soll das?

  1. Im erstgenannten Fall der weiblichen Dreierformation hättest Du einfach stoppen statt auf die Wiese ausweichen sollen. Dann hätten sie um Dich herumgehen müssen und ihr blödes Verhalten wäre ihnen vielleicht bewusst geworden.

    1. Stoppen hätte auch geheißen, den Lauf zu unterbrechen … nur, um etwas zu beweisen. Aber da war ich auch noch nicht so auf Krawall gebürstet wie inzwischen.

  2. So was kann mich auch aufregen. Dafür gibt es kein Verständnis. Ähnliches erlebte ich im Bus. Vollbesetzt. Ein älteres Ehepaar stieg zu. Er mußte von seiner Partnerin gestützt werden. Keiner der Jugendlichen bot seinen Platz an. Nachdem ich mich mit deutlichen Worten eingeschaltet hatte, ging es plötzlich.
    LG Jürgen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.