Davon zehren

Derzeit sind auf meinem Zeitkonto auf der Arbeit knapp 15 Stunden plus. Das ist recht wenig im Verhältnis zu einigen der Kollegen, die regelmäßig vor dem Überstundenschnitt im Frühjahr auf unter 41 abbauen müssen. Es gibt ja auch den Begriff der „branchenüblichen“ Überstunden, von manchen Positionen wird scheinbar auch erwartet, Überstunden – bzw. sogar mehr Überstunden als die fleißigen Untergebenen zu machen.

Ich hadere zwar immer mal damit, ob ich damit „zu faul“ bin, aber ich betrachte mein Zeitkonto nicht als Prestige-Objekt. Wenn „mal“ viel zu tun ist oder man viel machen kann, darf es ruhig mal hoch gehen. Aber wenn auf Dauer viel – oder eher: zu viel für die gegebene Arbeitskraft in der gegebenen Zeit – zu tun ist, dann ist das kein nachhaltiges Wirtschaften mit dem Zeitkonto mehr. Ich würde das vielleicht anders sehen, wenn ich mir Überstunden auszahlen lassen könnte, aber bei uns geht das nicht.

Also zehre ich auch mal davon. Im Büro hat’s über 35 Grad? Ich habe wegen der Hitze schlecht geschlafen? Solange ich es nicht übertreibe, gehe ich dann auch mal früher oder komme später – das Privileg abhängiger Beschäftigung. Die Balance steht im Zeitkonto.

Ich empfinde es als ein Privileg, „stechen“ zu dürfen, also einen Nachweis über meine Präsenz zu haben – und damit auch eine Legitimation, von vorheriger Mehrpräsenz zu zehren.

4 Kommentare zu „Davon zehren

  1. Wir haben zwar keine Gleitzeit aber auch ein Freizeitkonto 🙂
    Ab un d an nehme ich mal eine Stunde frei – sprich, ich gehe eher nach Hause, wenn es passt. Im Moment müsste ich da so um die 90 Stunden drauf haben.

  2. Du scheinst zu bedauern, daß du dir die Stunden nicht ausbezahlen lassen kannst. Nun, ich handhabe es anders. Ich verzichte auf ein Mehreinkommen zugunsten von Freizeit. Derzeit habe ich ein Guthaben von glatten 100 Stunden, welches komplett aus Zeitzuschlägen generiert ist, also Nacht-, Sonn- u. Feiertagszuschlag. Dafür habe ich nicht eine Überstunde gemacht. Wir haben bei uns tariflich die Wahlmöglichkeit eingeräumt bekommen, ob wir diese Zuschläge normal ausbezahlt haben möchten, oder ob diese auf einem Zeitguthabenkonto auflaufen sollen. Mir persönlich ist die Freizeit einfach mehr wert, als ein höheres Einkommen. Ich nehme immer wieder mal ein paar Tage frei oder kürze einen unangenehmeren Dienst ab. Grob gerechnet bringt mir das jedes Jahr ca 4 Wochen zusätzliche Freizeit.

    1. Nö, ich bedauere kein Stück, dass ich die Überstunden nicht auszahlen lassen kann. Ich fände es lästig, dass vermutlich irgendeine Stimme in meinem Hinterkopf sagen würde: „Kannst ja ruhig Überstunden ansammeln, die verfallen ja nicht und wenn doch, gibt’s Geld dafür.“ Ich würde die Freizeit nicht nur missen, die ich mir selbst versagen würde – ich würde mich damit auch kaputt machen. Daher bin ich sehr froh, dass ich mir die Zeit nicht auszahlen lassen kann.

      Wie gesagt, es gibt unter den Kollegen solche, die regelmäßig viel Zeit aufbauen und sie im Frühjahr vor dem Schnitt verbrennen müssen. Vermutlich würde ich mich an denen messen, wenn ich es mir auszahlen lassen könnte – und daran kaputtgehen. Deswegen ist das super so, wie es ist.

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