Vier- oder gar fünfsam an der Dreisam

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte ich schon davon geträumt, dass von all den vielen Planungen irgendwie alles schiefgehen würde. Ich hatte geträumt, dass:

  • ich meine Wechselzone nicht finden würde,
  • mich in Freiburg auf dem Weg von Start/Ziel zur Wechselzone verlaufen würde,
  • meine Fahrgemeinschaft verschlafen würde und
  • meinen Rucksack nicht hätte aufgeben können.

Mit ein bisschen Glück ist – das sei vorweggenommen – nichts davon passiert. Was allerdings aus meinem Traum real geworden ist, war eine extrem knappe Geschichte mit dem Erreichen der Wechselzone. Aber dazu im Verlauf der Beschreibung hier.

Zunächst kamen Luca und Heike aus meiner Marathon-Staffel tatsächlich zehn Minuten vor dem angekündigten Zeitpunkt, aber ich war zu diesem Zeitpunkt schon wach und fast fertig. Mein Traum hatte die beiden um 7:16 bei mir klingeln lassen, während ich gerade geschockt aufwachte. Tatsächlich war ich um 6:05 aufgestanden, hatte in Ruhe meinen Rucksack gepackt, Klamottendetailplanung gemacht, vier Tassen Tee und eine Tasse Espresso bereitet und vertilgt. Um 7:04 klingelte das Telefon, an dem mir Heike verkündete, der Abholservice für Tali sei da. Ich war dann auch keine drei Minuten später mit den beiden auf dem Weg nach Freiburg. Ein wenig deprimierend war, dass über die Fahrt hinweg das Wetter mit jedem Kilometer schlechter wurde – grauer, regnerischer, kälter. Kurz vor Freiburg war dann vom sonnigen Frühling in Karlsruhe nichts mehr zu spüren, einzig die Gespräche mit meinen Staffelläufern und der von der Autobahn sichtbare Schnee im Hochschwarzwald waren die Lichtblicke. Wir waren die ersten in Freiburg, Katja kam kurz nach uns zusammen mit Freunden an. Katja war aber nicht unsere vierte Frau, sondern Organisatorin und selbst alleinige Marathon-Aspirantin. Etwas später traf dann Silke ein, unsere vierte Frau, und wir organisierten unseren Plan. Um 9:30 startete Katja, ich traf kurze Zeit später auf der Toilette noch eine zweite Läuferin, die Nummer zwei ihrer Staffel war, wir beschlossen, uns gemeinsam zum Wechselpunkt zu begeben.

Leider erwischten wir die falsche Bahn, so dass wir wegen einer Baustelle mitten in Freiburg, 12 Gehminuten vom eigentlichen Haltepunkt, an dem wir aussteigen wollten, gestoppt wurden. Google Maps sagte, ich hätte noch 25 Minuten durch Freiburg zu gehen bis zum Wechselpunkt, aber ich rechnete mit Startläufer Luca bereits 20 Minuten nach dem Zeitpunkt an der Wechselzone. Gemäß dem „mach‘ schnell“, das Luca mir von der Strecke noch zugerufen hatte, stürmte ich nun in einem Sprint durch die Innenstadt und erreichte tatsächlich zwei Minuten vor Luca die Wechselzone, allerdings schon mit einem Zwei-Kilometer-Spurt in den Beinen. Entsprechend taten die ersten Anstiege an die Dreisam und entlang der Dreisam nach oben schon ein bisschen weh. Dennoch tat dann mein Tempo, das doch wieder laufbar wurde, einigen von mir überholten, recht langsam laufenden Marathonis weh, ich rief ihnen immer zu, es sei nur Staffel. Als es dann langsam bergab ging, drehte ich auf, wurde schneller – und lief auf eine neue Sache zu, die mir nicht passen sollte. Das wusste ich da aber noch nicht.

Erst einmal kam das Fest in Freiburger Innenstadt! Boah, steppte hier der Bär! Die Stimmung trug mich zu neuer Schnelligkeit, zu höherem Tempo, und nunmehr standen nicht mehr die 5:05 pro Kilometer des Anstiegs, auch nicht die 4:45 pro Kilometer des langsamen Gefälles auf der Uhr, sondern weitgehend eher 4:05 bis 4:25 pro Kilometer. Schon eher mein Tempo! Dummerweise brachte mich das auf den Engstellen zwischen Freiburger Innenstadt und der den breiteren Straßen der Messe mitten in den langsamen Part des teilnehmerstarken Halbmarathons. Ich habe jedes Verständnis, sogar große Freude daran, dass auch Läufer, die an zwei Stunden Halbmarathon überhaupt nicht denken können oder wollen, ebenfalls Halbmarathon laufen. Aber wieso sie in Teams sich unterhalten und trotz der Bitte, einen vorbeizulassen, die ganze Straße dichtmachen, sechs Läufer nebeneinander, drei hintereinander, und zwei Reihen à neun, wenn die Straße wieder breiter wird, ist eigentlich nicht einzusehen. Vielleicht überziehe ich es ein bisschen, aber an einigen Stellen hatte man doch den Eindruck, dass die Straße blockieren nicht nur aus Achtlosigkeit und Erschöpfung, sondern aus sehenden Auges erfolgender Missachtung der Staffelläufer erfolgte. Fand ich nicht so prall!

Ich will aber das Highlight der Engpässe nicht verschweigen – ich traf Katja auf der Strecke, die 50 Minuten vor uns gestartet war, und zog sie noch ein bisschen die Brücke am Hauptbahnhof hoch. Klar, ich war ja noch fit, hatte ja sieben Kilometer weniger in den Beinen als sie. Wir liefen noch einen Moment zusammen und ich wünschte ihr viel Erfolg – zumal sie ja mit einer Zielprognose von 30 Minuten weniger auf der Strecke war, als es ihr erklärtes Ziel war. Auf Kurs für 4:30, wenn man 5:00 angesagt hat, ist schon eine tolle Sache!

Dann wurden aber die Straßen wieder breiter und ich wusste, es war nicht mehr weit – Schrittfrequenz und Schrittlänge gingen hoch! Ich übergab acht Minuten vor der anvisierten Zeit die Teamnummer an Silke und feuerte Katja noch an, als sie vorbeilief – und nahm ihr das Tuch für die Haare, das sie gegen den Regen getragen hatte, aus der Hand, damit sie davon unbeschwert weiterlaufen konnte.

Schließlich traf ich beim Abholen meines Gepäcks im Ziel Luca, wir fanden uns nach dem Umziehen wieder und dann stießen auch Silke und Heike zu uns, die grandiose Zeiten gelaufen waren! Heike brachte auch unsere Medaillen mit, die sie im Viererpack im Ziel umgehängt bekommen hatte. Wir finishten mit famosen 3:29:52, bei denen alle ihre angekündigten Zeiten unterboten hatten – teils um krasse 25 Minuten! Zusammen über den Zielstrich liefen wir aber nicht, weil wir uns aus der Einzelläuferperspektive überlegt hatten, dass Viererpulks schneller Staffelläufer im Ziel, wenn man völlig erschöpft nach der echten Heldentat Marathon als Einzelläufer ankommt, durchaus stören. Etwas später gesellte sich noch eine glücklich-erschöpfte echte Heldin Katja hinzu, die ihren halbstündigen Vorsprung vor ihrer angesagten Zeit ebenfalls gehalten hatte.

Trikot, Urkunde, Medaille, Startnummer.

Auf dem Heimweg nach noch einer Weile nettem Zusammensitzen fuhren Luca, Heike und ich wieder munter plaudernd zurück in die Frühlingssonne bei Karlsruhe – wo es nicht nur trocken und sonnig, sondern ganze acht Grad wärmer war als am Ort unserer Heldentat!

4 Kommentare zu „Vier- oder gar fünfsam an der Dreisam

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