Nur die Harten kommen in den Garten – Talianna beim Baden-Marathon (1)

Der Baden-Marathon stand bei mir unter einem schlechten Stern. Die Kombination aus einem Wetterwechsel (meine Familie ist erblich wetterfühlig), einer schönen, aber ungewohnten Aktion beim Betriebsausflug nach Mannheim und einer weiteren schönen, aber auch anstrengend-ungewohnten Aktion bei der Promotionsfeier eines Ex-Kollegen ließen mich am Samstag mit Kopfschmerzen flachliegen. Ein paar Kartoffeln konnte ich abends essen, aber mehr auch nicht. Am Sonntagmorgen begann ich erstmal mit dem Auskotzen von Tee, der Kopfschmerz war noch da.

Aber danach war es mir besser und ich wollte zumindest versuchen, dass das ganze Training nicht umsonst war. Also verkündete ich unter den skeptischen Blicken meines Mannes, ich wolle es versuchen, ich könne ja zur Not an der Marathon-Weiche zum Halbmarathon abbiegen. Vor Ort begegnete ich dann erstmal einem Lauftreff-Bekannten vom Regierungspräsidium, holte meine Startnummer, lieh mir eine original Berlin-Marathon-Sicherheitsnadel vom Kollegen und gab mein Gepäck ab. Dem Kopf ging es besser, aber lange nicht gut. Beim Zusammenbinden der Haare zum Pferdeschwanz merkte ich recht deutlich, dass da noch eine fiese Blockade im Rücken war. Nebenbei: Durch die Brandschutzbestimmungen und dadurch bedingte Einlasskontingente lief das Abholen der Startnummer und das Abgeben des Gepäcks etwas schleppend, zumal trotz der Begrenzung eine Menge Leute in der Gepäckabgabe herumsaßen und sich warm-saßen. Das kam dann eingeschränkt gut und bedingte lange Warteschlangen – zum Glück größtenteils, nachdem mein Rucksack schon wohlbehalten dort angekommen und ich auf dem Weg zum Gruppenbild der Regierungspräsidium-Karlsruhe-Teilnehmergruppe war. Leider war ich – da noch neu – als einzige ohne eines der weißen Shirts mit den drei Löwen auf dem Rücken drauf, aber das machte so ja nichts aus. Nächstes Jahr gibt’s vielleicht eines für mich.

Langsam wurde ich hibbelig und nervös, es lag nur zu wenigen Prozentpunkten an der Temperatur, dass ich im Startblock fror – es war die Nervosität, weit mehr als der leichte Sprühregen. Zwei Lauftreff-Bekannte vom Dorflauftreff traf ich noch am Start, dann ging es los. Die Strecke führte von der Europa-Halle über die Brauer- und Kriegsstraße zur Ludwig-Erhard-Allee und dann nach Durlach. In Durlach war die Atmosphäre schon da, aber was ich im Mai in Seckenheim beim Dämmer-Marathon erlebt habe, stellt die Stimmung in Karlsruhe bei weitem in den Schatten – das gilt auch für den späteren Weg durch die Innenstadt am Schloss vorbei und durch die Südstadt, ebenso für Beiertheim, Bulach und Rüppurr. Im Oberwald war’s sogar richtig einsam. Aber an der Team-Wechsel-Stelle hinter dem Park-Office abseits der Ludwig-Erhard-Allee, da ging einiges – mehr noch beim zweiten Durchgang auf der Marathon-Runde.

Aber meine persönliche Verfassung in Körper und Seele hatte auf der Strecke ganz unabhängig des teils durch sehr motivierte und motivierende Einzelpersonen und Tanzgruppen getragenen Extraschubs ihre Höhen und Tiefen. Bis Kilometer 20 ging’s mit dem Kopf auf und ab, aber so stark aufwärts Richtung der 21 Kilometer, dass ich bei der Marathon-Weiche Richtung Kilometer 22 abbog statt Richtung Ziel. Ich habe es nicht bereut, bei Kilometer 25 oder 26 war ich kopfschmerzfrei. Dafür ließ die Kraft und auch der seelische, willentliche Schub jenseits der 30 Kilometer zunehmend nach, was sich auch in langsam in Richtung 6:00 strebender Pace äußerte, die zuvor konstant bei 5:20-5:30 lag. Am Schloss fragte ein mich überholender Marathoni, ob ich die vier Stunden noch schaffen würde – ich sagte: Wird knapp, aber sieht gut aus. Besagter Mitläufer traf mich im Ziel wieder und fragte, ob’s gereicht habe – und das hatte es. Obwohl ich zwischendrin dann nochmal ein Dixie-Klo nahe der Kriegsstraße nutzte, um den stärker werdenden Blasendruck zu reduzieren und wieder offen für Flüssigkeitszufuhr zu sein. Als ich ins Carl-Kaufmann-Stadion hineinlief, standen gerade noch 3:59 auf der Uhr, aber das war die Bruttozeit. Am Ende des Tages kamen 3:54:10 heraus, Platz 2 in der Altersklasse W35 und Platz 35 bei den Damen insgesamt. Gemessen an den Umständen war das schon eine Leistung, mit der ich sehr zufrieden sein kann und auch bin.

2018-09-23 18.06.55
Startnummer – wieder die Star Trek 1701 – und Finisher-Medaille.

8 Kommentare zu „Nur die Harten kommen in den Garten – Talianna beim Baden-Marathon (1)

  1. Am Anfang des Beitrages — ich bekam allein vom Lesen ein pelziges Gefühl im Kopf; hoppla — hätte ich kaum daran glauben mögen, dass es sich schließlich so ausging! Super, und vor allem: Herzlichen Glückwunsch!

    1. Laufen hilft mir oft gegen die Kopfschmerzen. Dass ich es gestern nicht probiert habe, liegt auch daran, dass ich nicht für den Marathon Energie verbrauchen würde. Ich weiß nicht, ob es dann besser gelaufen wäre.

      Mein Mann hat auch SEHR skeptisch geschaut, weil er meine Kopfschmerzen kennt. Ich bin auch sehr glücklich, dass es so ausging. Danke für Deine Glückwünsche!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.