Mein Halbmarathon in Mannheim

Gestern Abend bin ich beim 15. SRH Dämmer Marathon in Mannheim den Halbmarathon gelaufen, der von engelhorn sports gesponsert wird. In Mannheim läuft man in die Dämmerung hinein, am Samstagabend, deswegen auch Dämmer-Marathon – Start war um 19:00.

Mein Mann und ich fuhren also um 16:00 Richtung Mannheim los, waren kurz nach fünf dort und begaben uns auf die Parkplatz-Suche. Nachdem ich mich ein bisschen vom üblichen Strom derer gelöst hatte, die möglichst nah an der für den Marathon gesperrten Augusta-Anlage und dem Wasserturm parken wollten, ging es dann auch recht gut. Wir spazierten eine Runde durch Mannheim, Richtung Wasserturm. Auf dem Weg zur Startnummern-Ausgabe traf ich noch eine Bekannte aus meinem Laufladen, die bereits mit Nummer ausgestattet war – eher: Sie sah mich, während ich nach dem genauen Platz für die Startnummern-Ausgabe suchte. Durch die Anleitung hatte ich dann auch recht schnell den Weg gefunden und holte meine Startnummer 6010 ab. Wie ich erst später, als ich schon anhand der dort stehenden Pacemaker meinen Startblock identifiziert hatte, gesehen habe, war der Startblock A2 schon auf die Startnummer gedruckt. Mein Mann und ich machten dann noch einen Treffpunkt aus, trieben uns noch ein wenig im Bereich von Start und Ziel herum, wo gerade noch ein Zehn-Kilometer-Lauf endete. Mein Mann meinte so, als er die Leute bei 1:10 reinkommen sah: „Irgendwann kann ich das vielleicht dann auch mal, so mit 7:00/km so einen Wettkampf über 10 Kilometer laufen.“ Das freute mich, weil das Gefühl eines Wettkampfes kann man nur sehr schlecht jemandem vermitteln, der nur zuschaut. Die Erfahrung ebenfalls zu machen, lässt einen einfacher darüber reden.

Dann allerdings ging’s schon recht schnell in Richtung Startblock, zuerst starteten die Blöcke A0 und A1 mit den richtig schnellen Leuten. Wir A2er sahen diese dann auf der Gegenfahrbahn der Augusta-Anlage, denn der Start ging von Osten am Wasserturm vorbei, um den Wasserturm herum und dann auf die Augusta-Anlage. In Mannheim war viel mehr los als letztes Jahr beim Marathon in Karlsruhe – Samstagabend gibt’s einfach mehr Zuschauer als Sonntagfrüh, und dazu war’s schön warm. Darunter stöhnten viele Läufer, ich nicht so. Ich mag es warm, nur ganz so schwül hätte es nicht sein müssen. An vielen Stellen waren jubelnde Menschen, die alle Läufer anfeuerten, an der Strecke – nach den ersten fünf Kilometern wurde es etwas dünner. Ich hatte mich auf die 1:40:00 eingestellt und versuchte, entsprechend ein Tempo von 4:40 pro Kilometer durchzuziehen. In Analogie zu einem Zitat aus „Jagd auf Roter Oktober“ sagte ich mir angesichts des 4:30er-Schnitts der ersten Kilometer: „Das ist zu schnell, Talianna, zu schnell!“ Doch der 4:30er-Schnitt lief sich einfach besser, ich heftete mich einem asketisch-athletisch wirkenden Läufer mit einem grün-blauen Trikot an die Fersen, der etwa dieses Tempo lief. Auf den Radwegen südöstlich um Mannheim-Seckenheim herum musste ich ihn dann ziehen lassen – aber ich holte ihn wieder ein, denn als wir nach Seckenheim hineinliefen, war sofort Stadion-Atmosphäre. So wie auf den zweiten fünf Kilometern das Publikum dünner geworden war, war es nun plötzlich wieder da. Ich habe den Eindruck, ganz Mannheim-Seckenheim war auf der Straße, feuerte an, hatte Gartenduschen auf dem Gehweg aufgebaut, trommelte, jubelte, las die Namen von den Startnummern und feuerte einen mit Namen an, Kinder ließen sich abklatschen – ein unglaubliches Gefühl, so angefeuert zu werden! Das trug mich, ließ mich teils sogar eher einen 4:20er-Schnitt laufen und so hatte ich meinen „Pacer“ von vorher wieder vor mir, als es über die Seckenheimer Landstraße zurück ins Zentrum von Mannheim ging. Kurz vor dem Einbiegen wieder Richtung Wasserturm begegnete mir ein Marathon-Läufer, der Startnummer nach, der wegen des Wetters und der Auswirkungen auf seine Kraft auch „nur“ Halbmarathon laufen würde. Die letzten zwei Kilometer wurden dann schwer und ich hatte zeitweise eher 4:50 auf der Uhr …

Bis ich um die Kurve im Osten des Friedrichsplatzes kam und die Uhr in Sicht kam: 1:40 und irgendwas stand darauf, und mit allein 4:00 Verzögerung für Startblock A2 war das sehr weit unter der Zeit, die ich unterbieten wollte – angetrieben von diesem unglaublichen Euphorieschub wurden meine Schritte größer, mein Grinsen breiter und ich stürmte in Richtung Ziel und hatte nur noch Worte wie: „Hammer!“ und „Geil!“ und „Boah!“, bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und freute mich wie die Prinzessin der Landstraße!

Ich wusste von meinem Mann, dass die Uhr schon 1:41 gezeigt hatte, als ich unter dem Zielbogen durchlief. Die +4:00 von Startblock A2 wusste ich auch, außerdem hatte es einen Moment gedauert, vom vorderen Drittel des Startblocks bis zur Startlinie zu kommen – Marathons setzen sich behäbig in Bewegung. Ich rechnete also mit 1:37 und ein paar Sekunden …

Und dann schauten wir nach. Im Endergebnis kam heraus: 1:35:53 für den Halbmarathon, Platz 6 bei den Damen insgesamt, Platz 1 in der Altersgruppe 35-39. Zwei ältere Damen in höheren Altersgruppen waren noch vor mir, aber nicht viel.

2018-05-13 11.31.08
Urkunde, Medaille und Startnummer.

9 Kommentare zu „Mein Halbmarathon in Mannheim

  1. Spitze! Herzlichen Glückwunsch! Ein supertoller Erfolg für Dich!
    Wobei: Mir ist es ja unverständlich , daß es Menschen gibt, die für einen Kilometer weniger als 6 Minuten brauchen 🙂 .
    Alles Liebe, Wolfgang

    1. Danke! Ist noch gar nicht so lange her, da ging mir das ganz genauso. Inzwischen … 4:33 beim Halbmarathon, bei der Badischen Meile sogar nur 4:10. Vor einem Jahr hätte ich Leute ausgelacht, die mir gesagt hätten, dass ich mal so schnell sein würde.

    1. Danke! Es hat riesigen Spaß gemacht, und vollständig textlich transportieren kann ich die Euphorie gar nicht, die mein Gefühl des Über-Sich-Hinauswachsens und das Publikum erzeugt haben. 🙂

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