Vom Fehlermachen

„Das war falsch, das war falsch, verdammt – das war falsch!“

Metaphorisch, seltener buchstäblich rennen wir im Kreis, die Arme gen Himmel geworfen, da wir etwas „verbockt“ haben. Am besten noch gleich so, dass es ein größerer Personenkreis gesehen hat – und oftmals läuft’s dann auch noch so, dass wir nicht einmal mehr die Initiative haben, weil jemand anderes es merkt und mitteilt!

Ihr kennt das auch? Mies fühlt sich das an, und es nützt überhaupt nichts. Ich habe lang gebraucht, dieses aufwallende Gefühl der Demütigung zu begrenzen. Ich meine, es ist nur ein Fehler. Meist macht nur der, der gar nichts macht, keine Fehler. Es soll zwar nicht so sein, aber nicht selten schleichen sich auch Fehler ein, selbst wenn man sich kontrollieren lässt. Klar, man kann noch gewissenhafter rangehen, oft ist das sogar gar keine schlechte Idee.

Und da fängt es an. Ich lerne aus dem Fehler, beim nächsten Mal gewissenhafter drauf zu schauen. Ich sehe ihn, korrigiere ihn, kommuniziere das korrigierte Ergebnis. Ich renne nicht panisch im Kreis, die Arme hochgeworfen – vielleicht werde ich sogar nur noch rot im Gesicht, weil ich mich schäme, etwas übersehen zu haben. Vielleicht nicht einmal mehr das. Vielleicht lerne ich aus dem Fehler nicht nur etwas über meinen Umgang mit Qualitätssicherung, sondern auch über die Sache, in der ich einen Fehler gemacht habe.

Es heißt nicht, dass ich nicht kritikfähig bin, wenn ich mich von berechtigter oder unberechtigter Kritik nicht mehr persönlich angegriffen fühle. Aus dem interpretierten Angriff, den der Fehler – ob von anderen wahrgenommen oder nur von mir selbst gesehen – auf meine Gewissenhaftigkeit, meine Person darstellt, kann ich Wut auf den Überbringer der Fehler-Botschaft oder auf den Fehlermacher generieren. Ich kann – und sollte – es aber lieber lassen. Denn dass jeder mal Fehler macht, auch manche Fehler wieder macht, ist Fakt. Wut oder Scham machen weder den Fehler noch die Erkenntnis einer Gruppe, dass ich fehlbar bin, wieder rückgängig. Sie behindern mich sogar dabei, weiter zu machen und den Fehler zu beheben, erst recht, weil dann eine übersteigerte Angst vor einem erneuten Fehler hinzukommt.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass eine gute Fehlerkultur eine solche ist, in der man ausruft: „Faszinierend, ich habe einen Fehler gemacht.“ Ich halte das für Utopie. Aber je näher ich an dieses Ideal herankomme, um so weniger beherrschen meine Fehler mein Tun und meine Reflektion über mein Tun, sondern verbessern es.

Ich bin stolz darauf, mich dieser guten Fehlerkultur anzunähern. Langsam, in kleinen Schritten, manchmal auch mit Rückschritten. Aber zumindest bringen mich Fehler im Umgang mit meinen Fehlern weiter – im Umgang mit meinen Fehlern. Das ist doch mal ein Modell für den Umgang mit Fehlern in anderen Dingen als dem Umgang mit Fehlern, nicht wahr?

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