Härtetest

Ich laufe erst seit diesem Jahr wieder „so richtig“. Das muss ich immer bedenken – zwar hatte ich 2014 ein richtig gutes Jahr oder zumindest ein richtig gutes erstes Halbjahr, aber 2015 und 2016 waren aus verschiedenen Gründen nicht so gut. Vorher habe ich nicht getrackt, glaube aber, dass ich in den früheren Jahren weniger gelaufen bin als 2014.

Nun war 2017 schon bisher ein grandioses Jahr: Drei Wettkämpfe, nach zuvor bestenfalls einem. Über tausend gelaufene Kilometer bis Oktober, kein „üblicher Juli-Dip“, in dem meine Laufleistung krankheits- oder motivationsbedingt einbrach. Dann war da die sehr motivierende Erfahrung, beim Halbmarathon meine angestrebte Zeit um mehr als eine Viertelstunde zu unterbieten. Alles ganz großartig – und für einen leicht beeindruckbaren Geist wie mich ein Punkt, an dem man übermütig werden könnte.

Der Härtetest und gewissermaßen auch das Wieder-Erden kommt zur Zeit. Erwähnt hatte ich ja schon, dass ich derzeit die Kilometerfresser-Challenge des rennwerks mitmache – eigentlich heißt der Wettbewerb KM-Fress-Wettbewerb, wieso bei mir im Kopf der Begriff „Challenge“ dafür verankert ist, kann ich so genau gar nicht sagen. Die Regeln sind denkbar einfach: Laufe in zwei Wochen so viele Kilometer wie möglich und weise sie per Screenshot der Laufapp oder Foto von Laufuhr/Laufband-Display nach. Gib dem rennwerk zwei Bilder, eins für die erste Woche, eins für die zweite. Die mit den jeweils zehn meisten Likes für die Bilder bekommen 50, 45, … 5km gut geschrieben. So weit, so einfach. Nun habe ich natürlich begeistert mitgemacht – oder eher: Mache noch mit. Bis Sonntag, den 22.10. läuft das Ganze noch. Ich bin in dieser Zeit – glaube ich – meine bisher kilometerreichste Woche mit fast 100km gelaufen, außerdem bin ich – in dem Falle sicher – meinen bisher längsten Lauf überhaupt gelaufen. In der ersten Woche des Wettbewerbs bin ich also durchaus über mich hinausgewachsen. Was stand am Ende der Woche in der Liste? Platz 17 von 46 mit den Bonuskilometern aus Likes (ohne von den Preisen ausgeschlossene Mitarbeiter des rennwerks), Platz 18 in der reinen Kilometerwertung, in der die Rennwerker mit drin sind. Nicht schlecht, das WEISS ich – obere Hälfte, zweites Fünftel. Denn wie gesagt: 2015 und 2016 lief nicht viel, erst 2017 ging es wieder so richtig ab. Gegenüber denen, die schon Marathon gelaufen sind, die schon viele, viele Jahre in Folge immer wieder viele Kilometer runterreißen, kann ich im direkten Vergleich ohne Berücksichtigung der Vorgeschichte nicht bestehen. Ich glaube, ich darf dennoch etwas enttäuscht sein, da die Gedanken und Emotionen ja frei sind.

In diesem Falle ist die Enttäuschung aber ein Ansporn. Mit verkürzter Pendelstrecke im kommenden Jahr, mit der Absicht im kommenden Jahr Halbmarathon und Marathon zu laufen, werde ich kommendes Jahr – vorausgesetzt, das alles klappt – eine ganze Menge mehr Kilometer „fressen“ als dieses Jahr. Außerdem werde ich meine Kondition besser über den Winter bekommen, als das die vergangenen Jahre der Fall war – nicht nur, weil ich noch NIE vor dem Jahr 2017 von März bis Oktober durchgängig konsequent gelaufen bin, sondern auch, weil wir ein Laufband anschaffen. Somit kommen auch in der kalten Jahreszeit, die meinen mimosenhaften Atemwegen das Laufen vergällt, Trainingskilometer zusammen – dann halt Indoor. Wenn mein Mann das Wort „Laufband“ in die Runde wirft, stürze ich mich drauf wie eine Katze auf das Spielzeug und bekomme das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

Jedenfalls bekomme ich diesen Oktober Kilometer zusammen, wie ich das niemals erwartet hätte. Tatsächlich ist der Oktober 2017 schon jetzt, wo er gerade erst etwas mehr als halb vorbei ist, mein fünftstärkster aufgezeichneter Laufmonat. Juli, August und September diesen Jahres sowie der Mai 2016 liegen noch davor, aber wenn die Tages-Kilometer-Leistung im Oktober in etwa so bleibt wie im Mittel der ersten Hälfte, dann sind auch die 206km aus dem August am Wackeln. Selbst wenn ich noch einige Plätze im KM-Fress-Wettbewerb verlieren sollte, hat diese Challenge mindestens eine Sache getan: Mich nochmal dazu gebracht, das vermeintliche Limit herauszufordern und damit die Grundlage zu legen, noch ein bisschen besser zu werden. Immer getreu dem Albumtitel des unfreiwilligen „Best Of“, da einzigen Albums der „4 Non Blondes“:

Bigger, Better, Faster, More!

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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