Angelaufen, eingelaufen: Altra Escalante

Vor einigen Wochen habe ich beim rennwerk in Karlsruhe drei neue Paar Schuhe gekauft. Über die Fivefingers muss ich nicht viel sagen, das habe ich in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal getan. Meine Mizuno Waverunner hatte ich auch schon nach Kräften benutzt, und auch wenn ich die Wave-Platte liebe, sich neue Waverider zu kaufen, war nicht sehr innovativ.

Wie im früheren Beitrag geschrieben, die Escalante fühlen sich ein bisschen wie ein komplementärer Schuh zu der „Linie“ an, die die Waverider und die Fivefingers aufspannen. Abwechslung für die Füße – aber haben sie sich auch in meinem Laufalltag bewährt? Die kurze Antwort ist: Ja! Auf jeden Fall!

Mein Schuh und ich
Der Altra Escalante hat keinerlei Sprengung, die Sohle unter der Ferse ist also exakt so hoch wie die Sohle unter dem Vorfuß. Mir als Vorfuß-Läuferin kommt das sehr entgegen. Zudem ist der Schuh angenehm leicht, was einem dynamischen Laufstil, der von Leichtigkeit, statt von Kraft geprägt ist, auch entgegenkommt. Ein genaues Gewicht gebe ich nicht an – das müsste ich nachschauen und das könnt Ihr selbst. In erster Linie will ich von meinen Erfahrungen berichten – vielleicht mag ja danach jemand den Schuh auch ausprobieren, oder weiß danach ganz genau: „Mit dem Escalante braucht mir keiner kommen!“

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Altra Escalante und Laufstil
Ich konnte bei meinen Tests mit dem Altra Escalante nicht umhin, ihn als Vorfuß-Läufer-Material zu betrachten. Ich kann mir nicht vorstellen, auf diesem Schuh mit der Ferse zuerst aufzukommen, wenn ich nicht gerade im Gehmodus bin. Das stelle ich mir unangenehm vor. Natürlich kommt er einem da ohne Sprengung entgegen. Der Schuh erlaubt nach meinem Dafürhalten größere Schritte als ein Fivefinger und frisst nicht so viel Energie wie eine Dämpfung – wie zum Beispiel das Gel an meinen alten Asics, die ich nicht mehr belaufe, oder die Dämpfung beim Waverider. Insgesamt ein schneller Schuh für mich – der schnellste, den ich bisher gelaufen bin.

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Trainings- und Wettkampftest
Vier Läufe knapp unter oder über zwanzig Kilometer habe ich auf meinen Escalantes bisher intus, dazu ein paar kürzere Strecken. Außerdem hat mein Mann eine Trainingsrunde auf den Escalantes zurückgelegt. Allgemein kann ich sagen: Der Schuh fühlt sich schnell an und ist auch schnell, wie oben beschrieben. Meinen Mann hat er auch mehr zum Vorfußlauf gebracht – auf seinen Mizuno Waves läuft er eher Mittelfuß, bis jetzt. Mein Mann war auch deutlich schneller als normal, als er die Schuhe probierte – und merkte es nicht einmal. Nach dem Training hat er (das erste Mal überhaupt) vom Laufen Muskelkater bekommen – in den Waden. Was ich oben geschrieben habe – schnell und vorfußig – basiert also auf Trainingserfahrungen. Eine andere, ziemlich deutliche Trainingserfahrung war, dass ich ein Ziehen im rechten Mittelfuß hatte, nach den ersten 20 Kilometern auf den Escalantes. Nach einiger Zeit merkte ich, dass dieses Ziehen die charakteristische Zeitstruktur und das Gefühl eines Muskelkaters hatte. „Sehr aktivierend“ nannte Petar vom rennwerk die Escalantes – und das kann ich auch bestätigen. Meine Fivefinger-gestählten Füße machten mir sehr deutlich klar, dass die Gewölbe des Fußes von den Escalantes sehr profitieren – vielleicht nicht mehr, aber mindestens anders, komplementär zu den Fivefingers. Gerade, wenn man sonst eher stilllegende Schuhe trägt – ich habe im Alltag oft Stiefel mit etwas Absatz an – ist der Escalante aus meiner Sicht für den Fuß eine interessante Abwechslung zu einem Fivefinger, um den Fuß zu aktivieren. Mir liegt der Schuh für einen Wettkampf eher als ein Fivefinger, weil ich eben doch nicht jedes Steinchen spüre.

Einziges Manko
Die mitgelieferten Schnürsenkel sind nicht gerade lang – man neigt dazu, den Escalante aufgrund der Kürze der Senkel zu straff zu schnüren, um noch genug Schnürsenkel in der Hand zu haben, um eine Schleife zu binden. Ist aber auch Gewöhnungssache, eben die Schleife mit etwas kürzeren Enden zu binden. Vielleicht habe ich auch nur einen recht hohen Fußrücken.

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Fazit
Nicht zuletzt, da ich auf dem Escalante einen Halbmarathon in für mich selbst überraschend guter Zeit gelaufen bin, liebe ich diesen Schuh. Empfehlen oder abraten kann ich sicher nicht – aber ich kann zumindest sagen: Für jemanden, er mit Fivefingers umgehen kann und Abwechslung sucht, ist das ein toller Schuh! Als Vorfußläuferin würde ich ihn nur anderen Vorfußläufern nahelegen, aber ich kann da nicht aus meiner Haut – wer anders läuft, muss sich Erfahrungen anderer Läufer anschauen. Jedenfalls ist’s mein neuer Lieblingsschuh!

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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