Laufen und Laune

Am gestrigen Abend habe ich es mal wieder sehr deutlich gemerkt: Laufen ist gut für meine Laune und gut für meine Gedanken.

Eigentlich war alles, was geschah, nicht schlimm: Ein verpasster Anruf, ein bisschen Stau, eine rumzickende Laufapp, noch ein paar andere Nadelstiche. Zusammen war’s zu viel für mich und nach dem gemeinsamen Lauf mit meinem Mann sank die Laune in den Keller, zumal ich – die den Schlüssel dabei hatte – vor der Haustür auch erstmal mit Laufapp und verpasstem Anruf beschäftigt war, statt aufzuschließen. Mein Mann war berechtigterweise etwas ungehalten und dazu ziemlich KO darüber, dass ich mit Handy und Schlüssel vor der Tür stand und nicht aufmachte.

Das Ganze fügte sich zu einem „Noch Mehr“ an „Zuviel“ zusammen, und ich hockte kurz an meinem Schreibtisch und die Laune sank in den Keller. Schließlich klopfte ich an der Badtür, streckte den Kopf zu meinem duschenden Ehemann ins Zimmer und erklärte: „Ich gehe noch eine Runde laufen!“ Und siehe da – es half.

Auf den ersten zwei Kilometern flaute erst einmal die schlechte Laune ab, dann wurden ganz langsam die Gedanken von Gummibändern, die in alle Richtungen zugleich zogen, zu parallel ausgerichteten, miteinander vereinbaren Strängen, in deren Zug-Gleichgewicht nach vorn und hinten meine Laufgeschwindigkeit lag. Plötzlich war ich offen für die Lösungen, die ohnehin rational schon da waren, die nur durch das „Zuviel“ keinen Zugang zu mir fanden. Natürlich wälzte ich dann Probleme und Reaktionen, wo der Kopf wieder frei dafür war – und dann, nach etwa acht Kilometern, fanden sich die Lösungen zu einem Programm zusammen. Nach zwölf Kilometern, wieder daheim, war dann alles in Ordnung, mein Plan für das Abarbeiten der eigentlich gar nicht so vielen Dinge war entstanden und beschlossen. Dann konnte ich mich auch für das Zögern beim Aufschließen bei meinem Mann entschuldigen, wieder bessere Laune vermelden und mich nach dem Duschen zum Kochen begeben.

Laufen hat bei mir oft diese Wirkung. Es kollimiert die Gedanken, richtet sie nebeneinander aus, so dass ich gemeinsame Lösungen finden kann. Die verschiedenen Tasks, die zuvor alle in verschiedene Richtungen ziehen, werden zu einem Balkendiagramm mit Aufgaben und Zeiträumen, die teils parallel, teils nacheinander abgehandelt werden können. Und die Laune steigt. Die Laune steigt dabei sogar enorm!

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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