Eingefahrene Wege

Beim Autofahren ist es eine Notwendigkeit, dass bestimmte Dinge automatisch getan werden. Wer über das Schalten nachdenken muss, hat nicht genug Aufmerksamkeit für schwierige Situationen auf der Straße, wer sich vor Augen führen muss, ob nun Bremse, Kupplung oder Gas in der Mitte sind, schaut in den Fußraum und nicht auf die Straße.

Diese Notwendigkeiten sind essentiell und man beginnt zwar schon in der Fahrschule, das zu begreifen und diese Automatismen zu entwickeln, so dass für die prinzipielle Kontrolle des Fahrzeugs keine bewusste Kontrolle mehr nötig ist. Nicht ganz auf Reflex-Level, aber eben doch unter der Ebene, auf der man intellektuell tätig ist, passiert eine Menge beim Autofahren. Ab einer gewissen Praxis beim Fahren laufen auch Abstandskontrolle, Abstandsanpassung, Spurhalten und viele weitere sicherheitsrelevante Aspekte über diese Mechanismus. Im verlinkten Beitrag bestreite ich, dass auch die Navigation darüber läuft … das ist aber so nicht ganz richtig.

Gerade auf Strecken, die man sehr oft fährt, ist auch die Navigation ganz automatisch am Laufen, ohne höhere Kontrolle. Woran ich das merke? Oh, jeder ist schonmal auf seinem üblichen Arbeitsweg gewesen, wenn es eigentlich woanders hinging – und fand sich plötzlich dabei wieder, falsch abgebogen zu sein. Dreht es sich um eine Querstraße, ist das nicht so wild. Geht’s um Richtungsfindung am Autobahndreieck Karlsruhe, als Beispiel aus meinem Leben, ist das nicht so witzig. Wobei: Wenn ich automatisch Richtung Karlsbad/Stuttgart abfahre, statt Richtung Norden weiterzufahren (beispielsweise, um Freunde in Durlach zu besuchen oder wirklich nach Norden zu fahren), kann ich immerhin in Karlsbad wenden.

Seit etwa einer Woche hat sich nun auf meiner guten Freundin, der A8, die Baustelle zwischen Autobahndreieck Leonberg und Autobahnkreuz Stuttgart verändert: Zuvor wurde die Fahrbahndecke auf der Richtungsfahrbahn nach Karlsruhe erneuert, nun ist es die Fahrbahndecke auf der Richtungsfahrbahn nach Stuttgart und München. Die Baustelle – und damit das Führen des Verkehrs über die entgegengesetzte Fahrbahn, mit baustellenmäßiger baulicher Trennung vom eigentlichen Verkehr dieser Richtungsfahrbahn – geht fast von Dreieck zu Kreuz beziehungsweise von Kreuz zu Dreieck. Da beide Richtungen hier drei- bis vierstreifig bedient werden, sind die Richtungsfahrbahnen natürlich SEHR eng für den Verkehr, daher wurde bei den Bauarbeiten auf der Richtungsfahrbahn nach Karlsruhe der Verkehr Richtung Karlsruhe auf zwei Streifen ganz rechts auf der Richtungsfahrbahn nach Karlsruhe geführt, die anderen beiden Streifen drängten sich ganz links auf die Richtungsfahrbahn nach Stuttgart. Nun ist es umgekehrt. Eine solche Auftrennung bis kurz vor einer Ausfahrt oder gar einem Richtungswechsel an einem Autobahnkreuz oder -dreieck führt natürlich oft dazu, dass Leute wild quer über zwei Spuren auf die Ausleitung auf eine andere Autobahn ziehen – das ist unfallträchtig. Daher haben die Planer in weiser Voraussicht die bauliche Trennung zwischen den linken beiden und den rechten beiden Baustellenstreifen bis NACH Auftrennung des Abschnitts Kreuz-Dreieck in A8 und A81 durchgezogen, so dass man sich entweder vor dem Stuttgarter Kreuz nach Heilbronn einordnen musste, oder mittels der Anschlussstelle Leonberg West wenden. Das war mir egal, denn rechts wie links ging’s auch weiter nach Karlsruhe.

Nun, beim Bau auf der Richtungsfahrbahn nach München, ist es genauso. Wenn man am Stuttgarter Kreuz auf die A81 nach Singen oder die A831 nach Stuttgart möchte, muss man sich direkt nach dem Leonberger Dreieck auf die rechten beiden Baustellenstreifen einordnen. Von Karlsruhe her kommt man auf den linken beiden Streifen, und unter normalen Umständen macht es den Verkehrsfluss kaputt, wenn man von den linken beiden Streifen allzuschnell nach der Zusammenführung am Leonberger Dreieck auf die rechten beiden, aus Heilbronn kommenden Streifen nach rechts wechselt. Daher tue ich das nicht. Das ist total eingefahren.

Heute habe ich daher, nachdem mir das vergangenen Mittwoch schon passierte, das zweite Mal an der Anschlussstelle Stuttgart-Möhringen umdrehen dürfen, weil ich die zweite Spur von links nach dem Dreieck Leonberg hielt und daher am Stuttgarter Kreuz nicht die Autobahn wechseln durfte. Manchmal sind so eingefahrene Dinge auch lästig – nämlich dann, wenn sich entweder der Weg ändert, den man fahren will, oder die Straße, auf der man es tut.

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