Probieren geht über studieren?

Man sagt ja, dass probieren über studieren gehe. In vielerlei Hinsicht sind Erfahrungen nicht zu ersetzen – Buchwissen muss mittels Anwendung gefestigt werden. Ein solches Erlebnis hatte ich kürzlich.

Ich WEISS, dass ein Läufer genug trinken muss, und ich weiß auch, dass für über zehn Kilometer Strecke empfohlen wird, Wasser mitzunehmen. Natürlich war ich bislang zu faul dafür und habe gedacht, es geht so. Bis zwölf oder vierzehn Kilometer ging das auch verhältnismäßig gut, ich habe danach dann viel getrunken und alles war gut. Nun bin ich aber in der Vorbereitung für einen Halbmarathon und brauche auch meine Erfahrungen auf längeren Strecken. So entstand am Mittwoch, also vor zwei Tagen, eine Runde über knapp neunzehn Kilometer, die mich von meiner „üblichen“ Zehn-Kilometer-Runde wegführte, ungefähr bei der Marke „Vier Kilometer“, dann in den nächsten Ort, durch den Wald zurück und dann nochmal in den Nachbarort – also Bietigheim, Neumalsch, fast Muggensturm, Ötigheim und dann wieder nach Hause. Die Zeit war grandios: 6:02/km, das ist bei einer Angabe von 2:10:00 im Zielzeitfeld bei der Halbmarathon-Anmeldung schon Wettkampftempo, auch wenn ich eigentlich ganz locker gelaufen bin – gefühlt. Die ersten sechzehn Kilometer. Denn danach brach ich massiv ein. Also so richtig massiv – aber darüber habe ich schon geschrieben, glaube ich.

Nachdem es mir allerdings den Abend danach und auch den Donnerstag ziemlich schlecht ging, weil ich mich einfach übernommen hatte, bewerte ich die Sache etwas anders. Die letzten drei Kilometer des Laufes vom Mittwoch waren einfach ein Laufen auf leeren Speichern – was Wasser und Nährstoffe angeht. Aber ich habe daraus gelernt. Heute war ich mit meinem neuen Gürtel unterwegs, in dem zwei Wasserflaschen mit je etwa 330ml Wasser drinstecken, einen Müsliriegel hatte ich auch dabei. Das Wasser habe ich bei etwa sechs Kilometern und etwa vierzehn Kilometern getrunken, den Riegel irgendwann dazwischen gegessen. Pulsmessung hatte ich wieder nicht dabei, ich will meiner Haut Zeit geben, bevor ich sie wieder mit dem Pulsgurt nerve. Das Ergebnis spricht eine deutliche Sprache zugunsten des „Füll Wasser und Kohlenhydrate nach, wenn Du so weit läufst!“. Ich bin sogar weiter gelaufen, und schneller. Und ich fühlte mich danach nicht ausgelaugt, sondern richtig gut. Bisher sind auch keine Kopfschmerzen wie nach dem Lauf am Mittwoch zu sehen. Außerdem wurde ich am Schluss nicht langsamer.

Klar. Ich habe Wasser nachgefüllt, ich habe Kohlenhydrate – also Energie – nachgefüllt, wie man das machen soll. Eigentlich ist das alles kein Wunder. Aber hey, ich WUSSTE das vorher. Ich hab’s beim Laufen dennoch nicht berücksichtigt. Probieren geht über studieren, ist aber lernen auf die harte Tour. Lektion gelernt – und das ist dann doch ein Wert an sich.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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