Laufen ist Gedankenkollimation

Aus aktuellem Anlass habe ich mir mal wieder Gedanken über die psychischen Effekte des Laufens gemacht. Für mich – und wie ich nun weiß, auch für meinen Mann – kann laufen destruktive, schlechte Stimmung lösen und zugleich auch den Stress abbauen, der da hin geführt hat. Wie das so ist: Situationen, die uns stressen, bringen uns in einen Modus, der dem früheren Menschen erlauben sollte, zu kämpfen oder zu flüchten. Nun ist es in unserer Gesellschaft weder akzeptabel, dem Mist zusammenfahrenden Vordermann noch sonst einem Stressor einfach einen Kampf aufzudrängen, noch kann man vor solchen Situationen einfach wegrennen. Sportliche Betätigung kann das kompensieren – sprich: genau die Leistung abrufen, für die uns die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol vorbereiten soll.

Ich vergleiche das gerne mit Gummi-Bändern: aus allen Richtungen ziehen Probleme, Ärger, Termine an mir. In alle Richtungen ziehen sie mich und ich bin blockiert, weil ich allen und keinem folgen will oder kann. Dann gehe ich auf die Laufstrecke, gelegentlich durchaus auch mal in einem Leistungsspektrum jenseits meiner aktuellen Trainingsplanung, und lasse es einfach raus. Plötzlich fallen die unwichtigeren der Gummibänder von mir ab, die anderen werden in die Länge gezogen und ziehen in die gleiche Richtung, sie werden zu einer gemeinsamen Richtung. All das, was an mir zieht, in unterschiedliche Richtung, bringe ich zusammen, lasse es in die selbe Richtung ziehen oder schieben und kann es so gemeinsam abarbeiten – oder auch nacheinander.

Das Bild hinkt ein wenig, aber in meinem Kopf funktioniert es tatsächlich so: Vorher in einem Netz aus Stolperfallen, Zugrichtungen, Gummibändern gefangen, danach flattern die weniger festen Bänder im Wind hinter mir, die anderen sind in die Länge gezogen und auf die gleiche Richtung gebracht – das ist es, was zum Beispiel bei einem Röntgen-Strahlungs-Erzeuger mittels Linearbeschleuniger der Kollimator macht. So komme ich zu dem Schluss: Laufen ist Gedankenkollimation. Es funktioniert!

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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4 Antworten zu Laufen ist Gedankenkollimation

  1. Ruhrköpfe schreibt:

    yep, erlebe ich genauso. Ich betitel es immer mit: Laufen tut der Seele gut 🙂 Liebe Grüße, Annette

    • Talianna schreibt:

      Auf jeden Fall tut es das – ich drücke die Dinge manchmal gerne wissenschaftlich aus. So auch in diesem Falle – oder eher: Ich schlage den Bogen von wissenschaftlich-technischen Konzepten zum Menschen. Das ist ja dann fast schon Fitmachen der Sprache für ein gleichberechtigtes Nebeneinanderherleben von Menschen und Androiden …

      Himmel, das gute Wetter macht mich gaga, denn der erste Absatz meiner Antwort ist ein ganz schön weiter Schuss …

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