Übermut

Gestern war es mal wieder so weit. Der Verkehr in der vergangenen Woche war alles andere als Spaß, dazu kamen einige Dinge, die auf der Arbeit schnell gehen sollten – aber wie das so oft ist, eben genau nicht schnell gingen. Am Ende klappte es doch und es bleibt das stolze Gefühl, es selbst hingekriegt zu haben und dabei noch besser, weil ich genau wusste, was unser Labor braucht, an Software. Der Freitag brachte mit einer wundervollen Aktion für Besucher im Labor ein weiteres Belohnungserlebnis.

Mit dieser Woche in den Knochen, den Erfolgen in der Erinnerung, einer wundervollen zurückliegenden Begegnung in der Erinnerung und der Vorschau auf einer wundervolle Begegnung heute ging es endlich mal wieder Laufen. Ich war fast zehn Tage nicht mehr auf der Strecke gewesen (yay, ein korrekt verwendetes Plusquamperfekt!) und hungerte danach. Schwierige Bedingungen – denn man neigt dazu, mit zu viel Motivation zu schnell zu starten. Naja, vielleicht nicht „man“, aber ICH tue das. Und genau das tat ich dann auch. Nach den ersten 500 Metern zeigte die Lauf-App 5:23/km als Tempo an. Ich nahm mir vor, etwas langsamer zu laufen, aber nach zwei Kilometern standen da immer noch 5:27/km, der Puls war ziemlich weit oben, aber es fühlte sich gut an. Ich ignorierte, dass im Dorf die Feuerwehr zu einem Brand unterwegs war – man sah die Rauchwolke – und lief weiter. Stolz darauf, Gaffer-Versuchungen zu widerstehen, bog ich auf meine Acht-oder-zehn-Kilometer-Runde ein. Bei vier Kilometern standen IMMER NOCH 5:25/km auf dem Display, der Puls war immer noch hoch, es fühlte sich immer noch gut an, aber mir war klar: Das Tempo über zehn Kilometer durchhalten wird schwer. Nach etwas über 5 Kilometern zurückgelegter Strecke legte ich eine halbminütige Gehpause ein, bog auf die acht-Kilometer-Variante meiner Runde ein und machte wieder Tempo, das dann bis zu Hause funktionierte.

Im Endeffekt landete ich bei 5:37/km, was für mich bei meinem derzeitigen Trainingsstand beeindruckend ist. Klar, ich bin es wie einen Wettkampf gelaufen und mache heute auch einen ruhigen Tag, morgen wird wahrscheinlich nur ein entspannter Lauf mit meinem Mann anstehen. Der Laufapparat zeigte sich wenig beeindruckt am selben Abend, heute habe ich leichten Muskelkater an den Außenseiten der Waden, allerdings merkte ich, dass der Energie-, Sauerstoff- und Wärmetransport im Körper gestern seinen Trainingsreiz bekommen hat.

Wenn ich mit dem Campus-Run der Uni Stuttgart vergleiche, auf dem ich 2014 eine 12-km-Runde in 1:02:00 gelaufen bin, schnellster Kilometer bei 4:21, dann bin ich noch immer eher langsam. Andererseits hatte ich im Jahr 2014 nicht so konsequent aufgebaut wie dieses Jahr – obwohl es auf einen Wettkampf hinging. Dieses Mal ist einfach das Ziel, mehr Strecke in derselben Zeit zu laufen, um einfach fitter zu sein und in derselben Zeit mehr Kalorien raushauen zu können. Und dafür war das gestern nicht nur ein Fortschritt, sondern ein motivierendes Erfolgserlebnis.

Jetzt muss ich erstmal wieder in die geplanten, weniger impulsiven Schritte, mit weniger „Juhu-ich-bin-schnell“-Läufen und mehr geplantem Ausdauer- und Tempo-Aufbau. Aber die zehn Kilometer in fünfzig Minuten sind nicht mehr so weit entfernt, wie sie es die letzten Jahre schienen – vielleicht wird’s ja doch irgendwann wieder zu einem Wettkampf kommen, vielleicht über 10 oder 12 Kilometer. Und dann bin ich vielleicht schneller als 2014 beim Campus-Run, ohne dass ich anschließend wegen Überforderung in einen Colitis-Ulcerosa-Schub falle.

Maschine: läuft.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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