Spezielle Männer

Inspiriert von „Nichts Neues?“ bei Seifenblasenleben habe ich ein paar Gedanken an früher aufgewärmt, und irgendwie verspüre ich das Bedürfnis, darüber zu schreiben. Anfang 2007 war eine krasse Phase in meinem Leben, das steht außer Frage: Meine Hormone waren in Aufruhr, ich war mit meiner Promotion beschäftigt und hatte mein anderes wichtiges Projekt gerade wieder aufgenommen.

Sicher kennt die Eine oder Andere das: Bei starker – in meinem Falle damals sehr starker – Veränderung des Hormonspiegels zugunsten der Östrogene verändert sich auch die Attraktivität des anderen Geschlechts. In meinem Falle veränderte sich diese sogar sehr. Mit Bezug auf damals behaupte ich gerne, Hormone seien bewusstseinsverändernde Drogen – und obschon überspitzt ausgedrückt, ist das glaube ich gar nicht so unwahr.

Nun ja, jedenfalls gierten meine hormongepushten Emotionen nach Jungs – und ich begann, Jungs zu daten als gäbe es kein Morgen. Nun ja, so extrem war es vielleicht doch nicht, aber nach der vorherigen, eher langen und eher wenig nach einer Beziehung oder auch nur Intimität strebenden Phase war’s schon viel. Mit hinreichend aggressivem Vorgehen findet sich auch immer jemand, mit dem man ein Date haben kann. Erst recht, wenn man selbst bereit ist, erstmal zu schauen, bevor man all die kritischen Ausschlusskriterien anwendet. So traf ich mich mit dem Ersten in dem Café, in welchem ich damals oft unterwegs war. Er hatte eine gewisse Anreise, ich wohnte damals in Karlsruhe und war nur mit der Straßenbahn von einem äußeren Viertel in die Innenstadt gefahren. Alles soweit unspektakulär, er war eher … nun ja … langweilig. Ich erzählte und man trank gemeinsam was. Es war nett – aber auch kaum mehr. Dennoch vereinbarten wir, miteinander zu texten und das nächste Date zu vereinbaren – ich hatte die Bombe platzen lassen, auf was er sich einlassen würde: Eine Frau, ganz sicher, aber eben noch mit ein paar Altlasten, deren Beseitigung eben erst im Werden war. Das nahm er so hin. Dass er doch ein Problem damit hatte, kam später – es verletzte mich natürlich, aber vermutlich hatte er es sich nicht so leicht gemacht, wie das bei mir ankam. Ich war damals empfindlich. Der Kontakt brach sofort ab.

Dann ergab sich ein weiteres Date – und da kamen von vorneherein trotz der damals noch anstehenden medizinischen Aspekte meines Transseins euphorische Signale. Wir trafen uns und es war wundervoll, der Bauch kribbelte. Dann wollten wir uns montags verabreden, oder eher: Ich bot ihm den Montag für das dritte Date an. Er meinte, es sei sein Geburtstag und den feiere er von und für sich. Ich war etwas enttäuscht, da ich ja echt Kribbeln im Bauch hatte – um so heftiger traf es mich dann, dass er kurz vor knapp dann doch an seinem montäglichen Geburtstag mit mir ausgehen wollte, ins Kino. Wir sahen „Pans Labyrinth“, trafen uns anschließend in der Kneipe mit seinen Leuten, es war – wundervoll. Dann fuhr ich ihn heim – ich war mit meinem Auto unterwegs, er hatte keins. Auf der Fahrt, nach einem wundervollen Date, mit Händchenhalten, Doppelsitz im Kino und Kuscheln während des Films, seine Freunde kennen lernen, ließ er dann die Bombe platzen. Er sei eigentlich auch noch an einer anderen interessiert, die bisher nur eine, nicht seine Freundin sei. Er habe nun doch ein Problem mit dem, was an mir damals noch nicht fertig war.

Klar, alles in Ordnung, aber was zum Henker sollte das romantische Date mit anschließender Kneipe, Vorstellung an seine Freunde, all das? Ich bin mir bis heute nicht sicher, wie ich es genau geschafft habe, einigermaßen sicher nach Hause zu kommen – blind vor Tränen habe ich zwei- oder dreimal anhalten müssen und habe mich auf dem Heimweg durch die mir bekannte, nicht SO große Großstadt verfahren. Zu allem Überfluss lief er mir noch ein paarmal über den Weg, unter anderem auf einem Festival. Dort flüchtete ich dann während meines Lieblingsliedes aus der Nach-Show-Disco. Ich fuhr vorzeitig 60 Kilometer nach Hause, nur um seiner Gegenwart zu entgehen.

Es ist nicht so, dass ich ihn für seine Ablehnung verurteile. Aber für die Inszenierung derselben!

Danach hatte ich erstmal mehr als genug von den Männern, nach vier recht weit gediehenen Versuchen (zwei „Highlights“ hier im Text beschrieben) wollte ich nie mehr ein Date haben.

Und dann begann der Trek Monday. Es ist also inzwischen zehn Jahre her, was ich hier beschrieben habe. Irgendwann, während der ersten oder zweiten Staffel „Star Trek: The Next Generation“ tauchte da in der damals noch sehr kleinen Gruppe, damals noch vranstaltet in der Kneipe, dieser schüchterne Typ auf. Das erste Mal setzte er sich dazu, bestellte was, guckte mit und sagte ansonsten nur „Hallo“ und „Tschüß“. Beim zweiten Abend redete er ein bisschen, aber nicht viel. Anschließend begleitete er mich zu meinem Auto, weil komische Leute vor der Tür standen und ich mir irgendwie Sorgen um meine Sicherheit machte. Beim dritten Mal – von einem inneren Impuls geritten – donnerte ich mich für ihn auf. Beim vierten Mal war er wieder da und setzte sich neben mich. Er legte den Arm hinter mir auf die Lehne der Bank, als ich mich zum Reden mit jemandem vorbeugte. Ich habe ihn eine halbe Folge lang zappeln lassen, bevor ich mich in seinen Arm hinein anlehnte. Dann vereinbarten wir ein Treffen zu zweit am Samstag … ich erzählte ihm, worauf er sich einließe. Sagte ihm: „Wenn Dir das zuviel ist, kannst Du jetzt gerne gehen. Aber tu’s jetzt. Tu’s, bevor noch viel mehr Hoffnungen geweckt sind und es dann richtig wehtut.“ Er sagte: „Ich will nicht gehen.“

… seltsam. Eigentlich wollte ich über die komischen Typen der Phase vorher schreiben. Aber jetzt habe ich doch noch das Happy End hinzugefügt. Denn mit dem Mann aus dem letzten Absatz bin ich nun bald seit zehn Jahren zusammen und seit sechs Jahren verheiratet. Aber ich musste erst die Schnauze voll haben von all den Verrückten, um für ihn bereit zu sein.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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5 Antworten zu Spezielle Männer

  1. Wortman schreibt:

    Wenn es dich beruhigt, es funktioniert auch anders herum.
    Nach Scheidung und einer weiteren EX hatte ich die Nase von den „Weibern“ (sorry 😉 ) bis oben hin voll.
    Tja, und dann kommt plötzlich die Eine… Wir sind inzwischen über 10 Jahre zusammen und auch nach Bayern umgesiedelt… 🙂

    • Talianna schreibt:

      Daran zweifle ich nicht – nicht eine Minute.

      Ich sehe die Dinge unvermeidlicherweise aus meiner Perspektive, daher schreibe ich natürlich über die Jungs … aber auch Jungs und Männer sind genauso nur Menschen wie Frauen, mit denselben verschiedenen Stufen der beabsichtigten und (häufiger) unbeabsichtigten Grausamkeit in emotionaler Hinsicht.

  2. somi1407 schreibt:

    Schlimm, immer diese Männer 😉

  3. Pingback: Keramik-Kobra | The Highway Tales

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