Wie Autofahren doch wieder Spaß macht

Als Pendlerin muss man ja schon eine gewisse Freude am Autofahren entwickeln – oder eine gute Portion Leidensfähigkeit bis hin zum Masochismus haben. Mein Zugang zum Pendeln und es Überleben besteht ja in erster Linie in Musik und meiner Phantasie. Das funktioniert aber nur dann richtig gut, wenn die Straße nicht ZU verstaut ist und man nicht zu sehr unter Termindruck steht beim Fahren. In dem Moment, in dem rechtzeitiges Losfahren zunehmend weniger zum rechtzeitigen Ankommen führt, werden die Methoden ineffizient, weil die Gedanken sich unproduktiv mit dem Zuspätkommen und dem Fahren oder eher dem Nichtfahren befassen.

Am ablaufenden Wochenende habe ich allerdings wieder ein bisschen Energie getankt: Auf dem Fahrersitz sitzend, aber eben bei freiem Verkehr und nicht allzulangen Strecken. Beim Fahren zu schönen Ereignissen, die nichts mit Pflicht zu tun haben und an deren Ziel auch eine Abweichung vom Plan mich nicht aus der Ruhe bringen kann. Vor allem aber auch Fahrten mit angenehmer Gesellschaft zwischendrin: zweimal war es mein Mann, der neben mir saß und für Unterhaltungen zur Verfügung stand. Ein Mitfahrer sieht auch immer live, wenn man eben doch mal das Gespräch unterbrechen muss – denn die Windschutzscheibe vor dem Beifahrer ist ja immer noch dieselbe wie die vor dem Fahrer. Freilich, hin und wieder sieht man die Welt und den Verkehr verschieden, aber der Beifahrer, der ja über das Steuer und das Gaspedal keine Kontrolle hat, ist meist noch deutlich mehr auf Sicherheit und dahingehendes Zurücktransferieren der Aufmerksamkeit auf den Verkehr fixiert als man selbst mit seiner Pendler-Arroganz. Ach, genau, auf der Heimfahrt von der Party am Samstagabend war es auch eine sehr nette, weitere Party-Besucherin, die zumindest die erste Hälfte meiner Heimfahrt in tiefster Nacht neben mir saß und eine sehr, sehr angenehme Gesprächspartnerin war.

Für meine Pendelstrecke sehe ich da zwar keine Konsequenzen, aber ich muss eben auch sagen, dass ich das gelegentliche Mitfahren einer ehemaligen Kollegin und sehr geschätzten Freundin durchaus vermisse.

Kurz und gut: bei freier Fahrt und netter Gesellschaft – und bei tollen Zielen, ja, da macht Autofahren Spaß. Als Pendlerin muss man sich das manchmal wieder vor Augen führen. Man vergisst es so leicht auf der verstauten A8.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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