Strategische Faulheit

Ich habe in den letzten Wochen ja keinen Hehl daraus gemacht, dass ich mal wieder am Laufen bin. Auch, dass ich vielleicht ein bisschen an der Ernährung rumspiele, das habe ich hier aufgezeigt.

Grundsätzlich bin ich derzeit allerdings – naja, eigentlich nicht mehr zwiegespalten. Als ich im März auf der Waage stand, bin ich ein bisschen erschrocken. Dass ich schwerer bin als noch vor einem Jahr, wusste ich. Aber dass aus den ehemaligen 66-68kg nun über 75kg geworden waren, das fand ich durchaus bestürzend. Also musste was gemacht werden. Ich weiß sehr genau, dass 75kg bei meinen 174cm Körpergröße für mich noch nicht alarmierend genug sind, um die Faulheit zu überwinden, Kalorien zu zählen. Also habe ich beschlossen, dass ich wieder laufen gehen muss und mein morgendliches Frühstück umstelle – über beides habe ich gebloggt.

Technisch gesehen ist essentiell, dass einfach mehr Kalorien rausgehen als rein. Am abendlichen Essen was zu ändern, dafür fehlt mir im Moment der Elan, aber das Frühstück ein bisschen anders zu gestalten und 2000kCal bis 2500kCal pro Woche zusätzlich über das Laufen rauszuhauen, das geht. Damit wird es zwar nicht schnell gehen, aber immerhin passiert etwas – und das genügt mir vorerst. Großer Alarm war eh nicht angesagt, da ich noch am oberen Ende von BMI 20-25 liege. Mittlerweile sind’s schon zwei Kilo weniger, optisch hat sich noch mehr getan. Gefühlt ist das schnell genug – zumindest für mich.

Im Moment ist mein Ziel, in derselben Zeit mehr laufen zu können – also schneller zu werden – und damit bei gleichem Zeitaufwand für’s Laufen mehr zu verbrauchen, dabei auch insgesamt fitter zu werden und ansonsten dabei zu bleiben. Die letzten Jahre kam immer recht schnell die Ambition für einen Wettkampf, das ist dieses Jahr nicht so. Ich will es langsam und vorsichtig aufbauen, dafür um so nachhaltiger. Dabei unterstütze ich auch, dass ich in Absprache mit meinem Arzt eines meiner Medikamente gegen die Colitis ulcerosa – nämlich den Immunsuppressor – abgesetzt habe. Ich will im Sommer nicht über jedes bisschen Sonne dreimal nachdenken, wegen des durch den Immunsuppressor erhöhten Hautkrebsrisikos. Da der Darm auf behutsame Belastung des Lauf-Systems (Beine, Rumpf, Herz) eher gut, auf starke und zu lange Belastung eher nicht so gut reagiert, ist Behutsamkeit eh der Schlüssel. Und bisher funktioniert’s. Dazu kommt, dass mein Mann das Laufen angefangen hat – auch darüber habe ich geschrieben. Es motiviert, die Trainingseinheiten mit ihm einzustreuen – meine eigenen im eigenen Tempo brauche ich freilich auch noch, da ich doch schon ein bisschen mehr Lauftraining intus habe als er.

Insgesamt kann ich also sagen: Ich bin zu faul, zu hedonistisch, auf jedes Körnchen meiner Ernährung zu achten, ein Kalorienkonto jeden Tag aufzumachen – und wo die Zufuhr fix ist, muss halt der Verbrauch hoch. Das kostet mich weniger Faulheitsüberwindung. Strategische Faulheit eben. Fühlt sich gut an!

Nebenbei: Heute waren es bei Nieselregen 5,5km in 35 Minuten. Wird!

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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2 Antworten zu Strategische Faulheit

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