Warum ich so gerne viel erzähle …

… hat zwei Gründe. Ich scherze oft und gerne, dass ich mich sehr gerne reden höre. Das ist wahr. Allerdings gibt es nicht nur ein, sondern zwei Felder, in denen ich das gerne tue. Natürlich ist das im Bezug auf meine Gedanken und deren Vermittlung an andere Extrovertierte an mir durchaus in beiden Feldern involviert, aber es sind – immer noch – zwei getrennte Felder.

Das eine ist meine Phantasie. Ich zitiere hier mal eine Freundin: „Aus jedem Gedanken entwickeln sich ganze Gedankenströme, die sich in unberechenbare (und oft auch phantastische) Richtungen ergießen.“ Das ist bei mir definitiv so und ich erzähle gerne darüber. Dass ich dabei aufblühe, weiß ich und habe ich schon oft gesagt bekommen.

Aber ich bin auch eine leidenschaftliche Erklärerin und Dozentin. Freilich vertrete ich dabei aus dem Wissen und Verständnis heraus, wie ich es habe, wie ich die Realität sehe, auch einen gewissen Standpunkt, was aus diesem Wissen folgen soll. Aber ich will es niemandem aufzwingen, ich will niemanden überreden. Ich würde lieber den Menschen Mechanismen, Gedanken, Denkarten erklären, nahe bringen und ihnen ermöglichen, diese anzunehmen oder – auf der Basis von Verständnis – abzulehnen. Wenn sie sie annehmen, dann hoffe ich, dass sie dieselben Folgerungen ziehen wie ich, wenn aber nicht, dann zumindest auf der Basis von Wissen und Verstehen.

Bei einer Veranstaltung in unserem Labor, bei der Externe über die Gegebenheiten vor Ort informiert werden sollten, wurde mir von einer der externen Personen gesagt, man würde mir die Leidenschaft, mein Wissen anderen nahe zu bringen, deutlich anmerken. Daraufhin habe ich mal in mich hineingehört, habe ein bisschen Rückschau betrieben und stelle fest: Ja. Es ist so. Ich genieße Vorlesungen, Vorträge, ich genieße es, Dinge zu erklären. Ich genieße es, selbst wenn die Informationen, die ich gebe, selbst wenn das Wissen, das ich vermitteln möchte, nicht angenommen wird. Kritisch hinterfragen ist sowieso okay, nicht annehmen ist auch okay. Nur Totdiskutieren, wo man eigentlich einer Meinung ist, oder mit extrem vielen Worten wenig sagen und dabei aneinander vorbeireden, das mag ich nicht. Ich habe auch kein Problem damit, Unrecht zu haben – mir geht es um den Austausch, das Vermitteln, das Anregen zum Nachdenken. Das liebe ich zutiefst, und dabei hilft mir auch sehr, dass ich mich dem radikalen Konstruktivismus als erkenntnistheoretische Schule zugewandt fühle. Im Gegensatz zu dem, was man denken könnte, ist durch die Bildung unterschiedlicher Realitäten basierend auf uns selbst und unserer Wahrnehmung und Wahrnehmungsfilterung das Weltbild nicht beliebig – letztlich leben die meisten von uns in einem recht breiten Konsens über die Struktur der Realität, und in den Feinheiten und Abweichungen ist der Konsens verhandelbar. Da tritt Kommunikation hinein – und wird wichtig. Deswegen erkläre ich gerne. Deswegen denke ich, Wissen oder auch nur eine Version von Wissen erklärt zu bekommen, dafür offen zu sein, hilft uns, andere besser zu verstehen und zugleich auch, unsere eigene Realität besser zu verstehen. Deswegen erkläre ich gerne. Spreche darüber. Freue mich über Fragen.

… und das mit LEIDENSCHAFT!

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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6 Antworten zu Warum ich so gerne viel erzähle …

  1. Ruhrköpfe schreibt:

    huih, das war eine Menge Input. Spaß beiseite, interessante Infos sauge ich auf wie ein Schwamm, solange mir ohne Kampf genug Raum für Zwischenfragen bleibt, damit ich nicht am Ende da sitze und vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr erkennen kann 😉

    • Talianna schreibt:

      Das ist etwas, auf das leidenschaftliche Erklärer immer achten müssen. Ich weiß, dass ich bezüglich dieses Problems manchmal wirklich aufpassen muss.

      Der Hinweis ist wichtig!

  2. gloriamonique schreibt:

    Ich finde es großartig, dass du so begeistert bist von dem, was du tust!
    Und Kommunikation, Austausch und gemeinsam Nachdenken sind wohl die wichtigsten Tätigkeiten, um unsere Gesellschaft nach vorn zu bringen.

  3. speedhiking schreibt:

    Ha!* Die erste explizite (und noch dazu begeisterungsfähige) Konstruktivistin, die ich in der Blogwelt kennenlerne 🙂
    *) Begeisterungsausruf

    • Talianna schreibt:

      Ich hab‘ irgendwann meine Sicht auf die Realität jemandem zu erklären versucht – und der nannte mir den radikalen Konstruktivismus als Antwort. Also habe ich mich schlau gemacht. Ob ich in Reinkultur und immer konsequent darin bin, weiß ich nicht – aber es bewegte was in mir, über Konstruktivismus zu lesen und kam mir … naja, bekannt, vertraut vor, was ich da an Gedanken gelesen habe.

      Ich nenne mich gerne eine Konstruktivistin – da ich bescheiden bin (was die perfideste Art der Eitelkeit ist), kann man gerne über die Berechtigung dazu diskutieren.

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