Geschwindigkeit …

Wie verhält es sich eigentlich mit der Geschwindigkeit? Wie ist das genau?

Tja, ich habe mir mehrfach Gedanken darüber gemacht. Natürlich gilt: Je höher die Geschwindigkeit, um so mehr Strecke lege ich in einer bestimmten Zeit zurück. Natürlich brauche ich bei höherer Geschwindigkeit auch weniger Zeit für eine feste Strecke. Aber genau an der Stelle wird’s schwierig.

Wie, was, warum? Will „Highway Tales Talianna“ nun eine Grundlagen-der-Physik-Vorlesung auf ihr Blog stellen? Ja und nein. Mir geht es um etwas sehr Konkretes, das schon ein paarmal in meinen Blogbeiträgen mitgeschwungen hat. Es geht hier um die Relation, um den Effekt von Geschwindigkeit. Immer wieder erlebe ich, dass Leute einen anderen Verkehrsteilnehmer in quälend langsam überholen, oft sogar recht „spitz“ und rücksichtslos dabei ausscheren, als gäbe es kein Morgen, als hinge ihr Leben davon ab, diese enorme Zeitmenge zu gewinnen, weil sie 2-10km/h schneller sind.

Nun ist das Problem, dass Strecke zwar Geschwindigkeit mal Zeit ist, aber wenn man diese Formel umstellt, bekommt man Zeit ist Strecke geteilt durch Geschwindigkeit. Nun ist es gar kein Problem, auf der Autobahn 80km/h zu fahren, das geht selbst hinter den LKW her. Nun ziehe ich mal meine Strecke als Beispiel heran:

Es sind 86km Pendelstrecke über die Autobahn, davon rund 20km Landstraße, der Rest Autobahn. Nehmen wir nun weiter an, dass ich auf den 20km nicht viel rausholen kann an Geschwindigkeit, bleiben also die 66km Autobahn. Für die 20km Landstraße bei einer angenommenen Durchschnittsgeschwindigkeit (mit 70er-Bereichen, LKW, die schwer überholt werden können, Ampeln … ) von so ungefähr 65km/h aus. 20km geteilt durch 65km/h ergibt 0,3 Stunden, das sind so ungefähr 18 Minuten.

Betrachten wir also 66km Autobahn. Mit Strecke geteilt durch Durchschnittsgeschwindigkeit komme ich auf die Dauer für den Streckenabschnitt, wobei mit der Durchschnittsgeschwindigkeit zu rechnen schon irgendwie eine Vereinfachung ist:

  • Bei Tempo 80km/h lege ich die 66km in knapp 50 Minuten zurück,
  • Bei Tempo 90km/h sind es 44 Minuten für die 66 Kilometer Autobahn,
  • Bei Tempo 100km/h würde ich etwa 40 Minuten bauchen.

So weit, so lohnenswert. Wenn ich nun auf einen Schnitt von 130km/h gehen würde, was auf der A8 durchaus als unrealistisch gelten darf (zumal es einige auf 120km/h, 100km/h oder gar 80km/h begrenzte Stellen gibt), würde ich 31 Minuten für den Autobahnabschnitt brauchen. Der Zeitgewinn durch „10km/h schneller“ hängt also davon ab, wie schnell ich ohnehin unterwegs bin. Je schneller ich ohnehin bin, um so geringer fällt der Gewinn durch 10km/h schneller aus. Wie viel schneller in Form von „wie schnell überhole ich einen, der zehn Kilometer pro Stunde langsamer fährt als ich“ ist ein solcher Geschwindigkeitsunterschied denn nun? Tja – hier übersetze ich gerne in Meter pro Sekunde. Der Umrechnungsfaktor ist 3,6 … 10km/h schneller entspricht also 2,8m/s. Was bedeutet das nun?

Die längsten LKW sind knapp unter 20 Meter lang. Wenn ich also von „meine Haube gleichauf mit dem hinteren Ende des LKW“ bis „meine Haube gleichauf mit dem Führerhaus des LKW“ sieben Sekunden brauche, dann bin ich 10km/h schneller. Bei Tempo 80 des LKW gewinne ich, vorausgesetzt ich halte dieses Tempo, sechs Minuten auf 66 Kilometer. Wenn ich mir nun viele Überholvorgänge anschaue, dann muss ich ganz aufrichtig sagen: dass auf der Autobahn jemand in sieben Sekunden am LKW vorbei ist, nachdem er gerade ausgeschert hat, ist eher selten. Bei LKW eh nicht, aber auch bei vielen PKW dauert das länger. Teils fährt man halbe Minuten lang hinter Leuten her, die mit dem PKW einen LKW überholen, bei manchen LKW dauert der Überholvorgang, und damit meine ich nur das reine Vorbeikommen am LKW auf der Spur eins weiter rechts, mehrere Minuten. Die Geschwindigkeitsdifferenz liegt also bei 3km/h oder weniger. Der Zeitgewinn liegt auf meine Referenz von 66km gerechnet im Bereich von unter zwei Minuten – wenn ich es schaffe, in einer halben Minute vom Ende bis zum Anfang des LKW zu kommen. Brauche ich eine Minute oder mehr rein für diese 20 Meter LKW-Länge, ist der Gewinn auf meine Referenzstrecke unter einer Minute.

Warum mache ich diese Rechnung auf?

Aus einem ganz simplen Grund: Rein vom Zeitgewinn lohnt es sich oft nicht, den Verkehr eine Spur weiter links zu unterbrechen, am Ende noch gefährlich auszuscheren. Selbst wenn ich nicht davon ausgehe, dass ich einen nicht all zu schnellen Überholer, der spitz vor mir ausgeschert ist, einige Kilometer weiter bei freierer Strecke meist wieder meinerseits überhole, ist der Zeitgewinn marginal. Und auch wenn das vielleicht nicht von jedem so verstanden wird, ist dies hier ein Plädoyer, einfach mal die Spur zu halten, auf die größere Lücke zu warten. Am anderen vorbeizuschleichen ist vom Zeitgewinn her schlicht nicht lohnend. Es ist nur dafür da, sich gut, schnell und stark zu fühlen – und dafür ist der Straßenverkehr nicht da. Denn dort sollte gelten: Safety first. Natürlich will jeder schnell ankommen – aber Hand auf’s Herz: spitz ausscheren und alle anderen gefährden und potentiell den Verkehrsfluss empfindlich stören, um 4 Minuten früher anzukommen bei einer Gesamtfahrtdauer von einer Stunde, das ist nicht nur egoistisch, sondern schlichtweg unsinnig.

Und daran denke ich, wenn vor mir jemand – ob LKW oder PKW – an einem LKW vorbeischleicht in einem Tempo, das geringer ist als meine Geschwindigkeit beim Laufen relativ zu einem stehenden LKW, nachdem er ausgeschert ist, ohne auf mich zu achten, geblinkt hat, als das Lenkrad schon eingeschlagen war, und einfach nicht vorbeikommt, nachdem ich für ihn heftig gebremst habe. Naja, daran und an die Tatsache, dass ich gerade eine erkleckliche Menge Mineralöl verwendet habe, um meine Bremsbeläge abzuschaben und für sonst gar nichts.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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14 Antworten zu Geschwindigkeit …

  1. Sabryna88 Rsi From Switzerland schreibt:

    Ciao amici miei! Io ho, secondo le mie conoscenze, bene compreso che il tempo di fatto non esiste ma è solo una invenzione dell’essere umano che lo ha voluto per scopi quasi sconosciuti o forse per rendersi conto che la vita ha un inizio e un termine. Questo esempio della velocità nelle autostrade sono ben precise e giuste ma so anche come in alcune nazioni europee, di cui non desidero farne il nome, esistono camion che pretendono di poter fare sorpasso in autostrade dove la velocità consentita per loro è di 80 km orari e allo stesso tempo non si rendono conto che per loro sorpassare un altro camion anche nelle gallerie, oltre alla pericolosità mortale e al rallentamento delle due o tre corsie, non ha esattamente alcun senso per poi raggiungere un altro rallentamento dovuto ad altre cause (vedete caselli autostradali di nazioni come Francia e Italia) e arrivare quindi con 30 secondi di anticipo oppure essere nuovamente sorpassato da un altro camionista o il medesimo dell’inizio senza capire pertanto che lo stesso tempo di cui intendevo descrivere davvero non sia mai esistito e questa rimane la mia conclusione. MI piace molto, comunque, il tuo intervento post simpatico e molto preciso anche a livello algebrico. Einstein ci scriverebbe sopra un bel libro se ancora fosse tra noi, peccato 😉 Ma 2 + 2 secondo voi è davvero = 4 ? Ci hanno insegnato sin da piccole che la matematica non è un’opinione eppure io sono convinta che la matematica è davvero un’opinione potendo dimostrare senza matematici e scienziati che 2 + 2 potrebbe essere anche = a 0 Vi ringrazio e condivido, se mi è consentito, il post cara Tatiana amica 🙂

    English:
    Hello my friends! I have, to the best of my knowledge, well understood that the time does not actually exist but is merely an invention of the human being who wanted to virtually unknown purposes or perhaps to realize that life has a beginning and an end. This example of speed on highways are very precise and fair but I also know how in some European Nations, of which I do not wish to be named, there are trucks that claim to be able to make overtaking in highways where the speed limit is 80 km/hour for them and at the same time they do not realize that for them to overtake another truck also in galleries In addition to the deadly hazards and delays of two or three lanes, didn’t exactly make any sense to then reach another slow down due to other causes (see exits of Nations like France and Italy) and get 30 seconds of advance or reappear then overtaken by another trucker or the start without understanding, therefore, the same time that I meant to describe really never existed and this is my conclusion. I love it, however, your posting post pleasant and very accurate even algebraic level. Einstein we would write over a good book if you still hadis, pity;-) But 2 + 2 = 4 is do you really? We have been taught since I was little that mathematics is not an opinion yet I am convinced that mathematics is really an opinion being able to demonstrate without mathematicians and scientists that 2 + 2 = 0 might also thank you and I share, if I may, the post Dear Tatiana friend:-)

    • Talianna schreibt:

      I do not have to completely agree with your arguments and conclusion in order to accept it. Of course you may share the post.

      On a level of how timed life (especially considering work and infrastructure) works, mathematics and physics (here: kinetics) describes our reality. But still, on this level, the advantage of being a tiny little bit faster is negligable even considering tight timetables of modern life. It is completely correct that this neglibable advantage in arrival time is not worth the danger induced by the way of achieving it.

      So I agree with your conclusion, but as a physicist not necessarily with your denial of the concept of time and the mathematical description of time and speed. I hope, the agreement in conclusion is sufficient for you as well as for me. 🙂

      • Sabryna88 Rsi From Switzerland schreibt:

        I apologize if I didn’t understand. I am sure of agreement with you absolutely you;-) Mine was just a thought on the problem of modern man who runs on a „temporal speed“ to arrive earlier and die without a minimum of meaning. In physics and mathematics, the speech becomes more complex, but certainly I agree with you so that your post was shared by me just because I really love it so much. Thank you;-)

        • Talianna schreibt:

          Ah, so maybe it was a misunderstanding because a native speaker in German and a native speaker in Italian interpret English a little differently sometimes.

          Basically I understood, that your conclusion „Driving a little bit faster by doing something that’s dangerous and egoistic is not worth the very short time you arrive earlier“ as well as „most of the time, overtaking someone who is slightly slower than me won’t help me at all because a few kilometers later, the other driver will overtake me again.“ I completely agree with that, that’s the essence of what I wanted to say.

          Maybe I overinterpreted your sentence about time as an invention of humanity as a denial of the concept of time in general. I wouldn’t agree with the idea „Time is just an invention of humanity“. But I completely agree that the concept of „Time as a monster that haunts us“ is an invention by humans – maybe the worst one we ever made.

          • Sabryna88 Rsi From Switzerland schreibt:

            Big bang l’inizio dell’universo?
            Favoletta moderna:
            l’universo non ha tempo,
            è sempre stato, è oltre il tempo;
            oggi non abbiamo gli occhi della mente aperti per andare oltre il tempo.
            Nel 1600 se qualcuno diceva che la terra gira intorno al sole era bruciato vivo, oggi chi si avvicina al senza tempo sconvolge le credenze tradizionali bigotte del potere.
            Oltre il tempo c’è la meritocrazia della forza maggiore.
            La forza è sempre stata superiore a se stessa.
            Qual’è lo scienziato che riesce a dare gli anni alla forza dell’universo?
            La forza non ha tempo: il tempo, gli anni, i miliardi di anni sono solo le tue superstizioni per dare una logica umana a una forza che non è logica ma è solo forza: l’universo.
            Povero individuo sei nato senza gli occhi dello spirito, sei solo superstizioso.
            Cosa c’era prima del big bang:
            la forza dell’universo oltre il tempo.
            Uomo quanto sei imbevuto di finito e lo dai da bere purtroppo, all’immaginario collettivo senza prospettive.
            Morirà ben presto il dio denaro
            e il valore del futuro sarà la capacità di sentire la tua forza universale.

            • Talianna schreibt:

              As far as google translate helps me with the Italian language, I am too much of a physicist to agree. To me, big bang, expansion of the universe and particle physics are part of reality

              Anyway I stick to radical constructivism or something quite similar: Reality emerges from the mind, so whatever the facts of some kind of „objects in reality“ might be, we’ll never see or imagine it without respect to who we are ourselves and what perspective we have towards the world.

              As we agree on safe respectful behaviour towards each other as a value in itself – on the highway as well as in life, I suppose – it doesn’t harm me, that you’ve got a different view than I have on the mechanics of how the universe actually works.

            • Sabryna88 Rsi From Switzerland schreibt:

              I think sometimes, reality from our minds believed, is nothing more than a distorted image of our imagination and that it therefore „skewed reality“ from our minds diferente subjectively relative to one another, dependent on a sub-unconscious that Sigmund Freud presented brilliantly although it was not a physical but a genius disputed of psychoanalysis. A weird strange concept my maybe for you and for you but often or always, mind change the reality that we see or believe that it is-)

            • Talianna schreibt:

              Oh, I do indeed follow the concept of radical constructivism, which postulates, that reality depends on the observer. Also, in radical constructivism, an objective reality is not absolutely necessary as no one can prove his reality to be closer to some objective reality whatever that might be. Anyway, there is some kind of common part of subjective, constructed realities – that provides us with the possibility to interact. If our realities were disjunct, we would not have any common concept to base any communication or language on.

              This is what I wanted to say with the original „I don’t have to agree with you to accept your view.“ Despite this, I am a scientist and I hold up scientific concepts as part of the common concepts we base our communication on – that may happen conciously or unconciously.

            • Sabryna88 Rsi From Switzerland schreibt:

              I apologize! I love reading your posts because you are very interesting and I also like that you can, we say this, „do not share an opinion but accept it anyway as the perspective to compare“. Certainly many of us are reading but I could not read the responses of others who followed the uo unquestionable thought maybe or not … I’m not a woman scientist;-) Today I am in bed with a bad fever that torments me, offi … I would like to go out:-(

            • Sabryna88 Rsi From Switzerland schreibt:

              Ops dimenticavo: si per me l’inglese va bene. Il mio tedesco non è germanico ma dell’interno della nostra Confederazione Elvetica e lo stesso tedesco diventa quasi dialettale da città a città sempre differente. Per me va bene l’inglese ma i tuoi fans forse non lo vorrebbero?

            • Talianna schreibt:

              Considering „Schwyzerdütsch“, nevermind. I think I’d somehow understand. Anyway, English is the language most generally understood 🙂

              I am very happy about your comments and that you provide your view on things despite the barrier induced by different languages. I am flattered by your appreciation of my blog-entries.

              Of course, my opinions are built upon how my view of the world has been formed – imagination and scietific education are important to me and shape my thoughts.

              And I’d like to add here too: Get well soon!

  2. Pingback: Geschwindigkeit … |

  3. Sabryna88 Rsi From Switzerland schreibt:

    Se preferite, vi scrivo in lingua italiana. Forse si capisce meglio 😦
    „Io credo a volte che, la realtà dalla nostra mente creduta, non sia altro che una immagine distorta della nostra fantasia e che la stessa quindi „realtà distorta“ dalla nostra mente diferente in modo soggettivo una rispetto all’altra, dipenda da un sub-inconscio che Sigmund Freud ha presentato in maniera geniale anche se non era un fisico ma un genio contestato della psicanalisi. Una strano strano concetto il mio forse per te e per voi ma spesso o sempre, la mente modifica la realtà che vediamo o crediamo che sia :-)“

  4. Pingback: Aus aktuellem Anlass … | The Highway Tales

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