Dschungel, oder was? (mal wieder)

So geschehen am Montagmorgen am Dreieck Karlsruhe:

Ich fuhr ganz harmlos mit ziemlich genau den erlaubten 100km/h aus der Überleitung von der A5 aus Richtung Basel auf die A8 Richtung Stuttgart. Da ich einen LKW überholt hatte, befand ich mich auf der linken Spur – und mit der Kombination aus Berg und Geschwindigkeitslimit war mir nun auch nicht nach „Toleranz auskosten“, sprich: auf 115km/h beschleunigen, da eh nichts passieren könnte. Das mache ich generell sehr ungern und selten, meistens ohnehin nur, wenn jemand von hinten „drückt wie’s Hochwasser“, wie meine Mutter zu sagen pflegte.

Rechts von mir fuhr einer mit so ca. 90km/h – zumindest sollte ich ca. 10km/h schneller gewesen sein als dieses andere Fahrzeug, da ich etwas schneller an ihm vorbei kam, als ich joggend an stehenden PKW vorbeikomme. Und hinter diesem Menschen, den zu überholen ich gerade ansetzte, fuhr ein weiteres Fahrzeug – ein etwas größeres, sicherlich gut motorisiertes Erzeugnis eines bekannten südwestdeutschen Herstellers. Da diese Fahrzeuge bekanntlich eingebaute Vorfahrt haben, zog dieser Fahrer ohne Rücksicht auf mich rüber – es waren ca. anderthalb Meter Überschneidung, als er rüberzuziehen begann. Zwar war das Ganze mit leichtem Anbremsen zu lösen, so dass kein Unfall passierte, aber es war ohne zu übertreiben eine brandgefährliche und vor allem völlig unnötige Situation – und zumindest bis oben am Berg bei Karlsbad hatte der Fahrer vielleicht drei LKW-Längen gewonnen. Bei Tempo 120km/h, was dort erlaubt wäre, sind die großzügig interpretierten 100m Vorsprung ziemlich genau drei Sekunden Zeitgewinn.

Drei Sekunden? Genau. Nur drei Sekunden. Es lohnt sich also nicht. Es geht dabei nur darum, sich schneller zu fühlen. Wirklich schneller ist man nicht, denn weiter vorne sind ja weitere lästig regelgerecht fahrende Fahrer. Mir ist es unverständlich, warum Leute immer noch denken, ein oder zwei Kilometer pro Stunde schneller zu sein bedeute eine echte Zeitersparnis! Je höher die Grundgeschwindigkeit, um so gefährlicher sind solche Manöver – und gleichzeitig bringen die geringen dabei gewonnenen Geschwindigkeitsvorteile immer weniger, je schneller alle zusammen unterwegs sind.

Warum also diese Dschungel-Manieren? Vermutlich nur, um sich stark zu fühlen.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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