Neue Ohren

Kann man sowas haben? Neue Ohren?

Wie es scheint: Ja!

Wie Ihr wohl wisst, liebe ich „Die Schöne und das Biest“, vor allem aber den englischen Original-Soundtrack zur neuen Realverfilmung. Der lief bei mir hoch und runter, zwei Wochen lang, jeden Tag zwei lange Arbeitsfahrten lang und auch sonst – und im Kopf ohnehin. Dabei hatte ich immer einen gewissen Ausschnitt am Start:

  • Belle (Emma Watson, Luke Evans, Josh Gad, Ensemble)
  • How Does A Moment Last Forever (Kevin Kline)
  • Belle, Reprise (Emma Watson)
  • Gaston (Josh Gad, Luke Evans, Ensemble)
  • Be Our Guest (Ewan McGregor, Emma Thompson, Ensemble)
  • Days In The Sun (Adam Mitchell, Stanley Tucci, Ewan McGregor, Gugu Mbatha-Raw, Emma Thompson, Audra McDonald, Emma Watson)
  • Something There (Emma Watson, Dan Stevens, Ewan McGregor, Emma Thompson, Ian McKellen)
  • How Does A Moment Last Forever, Montmartre (Emma Watson)
  • Beauty And The Beast (Emma Thompson)
  • Evermore (Dan Stevens)

Meine erklärten Favoriten waren Belle mitsamt der Reprise, Be Our Guest, Something There und Evermore. Dann habe ich eine sehr gute Freundin auf diesen Soundtrack gestoßen – sie hatte leider nicht die Gelegenheit, die Neuverfilmung anzusehen, ihre Töchter (10 und 14) wollten irgendwie nicht. Wir waren uns eh beide einig, dass es besser wäre, den Film auf Englisch zu sehen. Bei mir ist bei „Beauty and the Beast“ der Kontrast inzwischen nicht mehr so im Kopf, weil ich fast nur die englische Musik höre – aber bei „Frozen“ war es sehr deutlich: Wenn man bei „Do You Want To Build A Snowman“ die Stimmen im Englischen Soundtrack hört, sieht man Anna nicht nur als Figur im Film älter werden, vom Kind zur jungen Frau, sondern auch ganz deutlich in der Stimme und in – naja, der Art zu sprechen. Im Deutschen war das nicht so ausgeprägt.

Aber ich schweife ab. Als meine gute Freundin dann den Soundtrack selbst hörte, bekam ich eine begeisterte Message von ihr: „Ich glaube, ich habe mein BatB-Lieblingslied gefunden!“ Ich durfte raten und ich kam nicht drauf, da ich von mir und meiner vom Film beeinflussten Wahl ausging und „Belle“, „Evermore“ und „Something There“ vorschlug. Für sie war es „Days In The Sun“, unter anderem wegen der wundervollen Textzeile bei Belle: „How in the midst of all that sorrow / can so much hope and love endure / I was innocent and certain / now I’m wiser but unsure.“ Dazu kam die herrliche Harmonie der Stimmen, denn bis auf Ian McKellen als Cogsworth sind in „Days In The Sun“ endlich mal alle Teile des „Hausrats“ des Biests vertreten: Stanley Tucci als Cadenza und Gugu Mbatha-Raw als Plumette hört man sonst selten, Audra McDonald als Mme. de Garderobe hört man selten mit den anderen singen. Auch Adam Mitchell als der junge Prinz kommt selten singerisch zu Wort.

Und so hört man schon dem obigen Text an, dass ich mit den Kommentaren meiner Freundin zu ihrem Lieblingsstück aus dem Soundtrack plötzlich über neue Ohren verfügte, die mich nun sagen lassen, dass es wohl eher die Kombination aus „Days In The Sun“ UND „Something There“ ist, die mein Lieblingslied im Film ist – dicht gefolgt von Belles Lied und „Evermore“. Bei Belles Lied ist die Reprise auch ganz wichtig, schon allein wegen Emma Watsons Schnauben über Gastons Vorstellung, Belle zu ehelichen!

Ein bisschen korrespondiert meine doch etwas radikale Bezeichnung „Neue Ohren“ auch mit dem, was ich in meinem Post zum radikalen Konstruktivismus geschrieben habe. Denn auch meine Realität kann sich verändern. Sie muss nicht besser sein dadurch, aber sie ist anders, befindet sich im Fluss. Das Gegenbeispiel zu dieser durchaus schönen Veränderung mit den neuen Ohren wäre, dass die Welt feindseliger, düsterer und trauriger aussieht, wenn man übermüdet ist. Aber ich freu‘ mich an dieser Stelle lieber weiter über meine neuen Ohren und die Tage im Licht.

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Licht-Automatik … oder nicht?

Mein kleiner Aygo – mein nunmehr zweiter, nicht mehr ganz so neuer kleiner Aygo besitzt im Gegensatz zum ersten etwas, das ich sehr zu schätzen gelernt habe – bis ich in den letzten Tagen die Schwäche des Systems bemerkte.

Es handelt sich um eine Licht-Automatik, die das Abblendlicht nach den Informationen eines Lichtsensors an- und ausschaltet. So kann man zum Beispiel beim Anhalten nicht mehr vergessen, das Licht auszumachen – es schaltet sich von sich aus ab (hier spielt der Sensor natürlich keine Rolle). Man kann aber auch nachts bei halbwegs beleuchteter Straße das Anschalten des Lichts nicht vergessen, was bei starker Straßenbeleuchtung in der Vergangenheit durchaus mal bei mir vorkam, zu meiner Schande. Man braucht so auch nicht in Tunnels an das Licht denken – es geht an und wieder aus, abhängig vom Umgebungslicht.

Leider erfüllt das Abblendlicht bei diesiger Atmosphäre und den Lichtbedingungen dieses wolkig-nass-kalten Spätaprils auch eine Signal-Wirkung, die vielleicht vom Tagfahrlicht mit seinen paar (wenigen) LEDs nicht erfüllt wird. Am Leonberger Dreieck gab mir ein Fahrer hinter mir am Mittwochfrüh die Lichthupe. Warum? Nicht nachvollziehbar, bis mir bewusst wurde, dass so ziemlich jeder um mich herum, zu meiner Zufriedenheit, das Licht anhatte, aber meine Kontrolllampe für Abblendlicht nicht leuchtete. Warum? Vermutlich zu hell für den Sensor. Also schaltete ich auf das Abblendlicht zurück und achtete mal drauf – um festzustellen, dass die Lichtverhältnisse im Moment wirklich Abblendlicht verlangen, für die Sicherheit, auf der anderen Seite aber auch konsequent zu hell sind, um den Lichtsensor das Abblendlicht automatisch anschalten zu lassen.

Ich werde mich wohl mal erkundigen müssen, bei meiner Werkstatt, ob man die Schwelle hier versetzen kann …

Die Maschine …

… ist eine Bezeichnung, die ich gelegentlich für meinen Körper verwende. Das ist nun nicht so respektlos gegenüber dem Heim für meine Seele und meinen Geist, wie es den Anschein haben könnte. Ich benutze diese Bezeichnung vor allem beim Sport.

Beim Laufen merke ich sehr gut, wie viele verschiedene Teile meines Körpers zusammenspielen. Das Herz schlägt schneller, das Blut wird anders verteilt, beim Erzeugen mechanischer Leistung produzierte Abwärme muss abgeführt werden, die Versorgung mit Sauerstoff und Entsorgung von Kohlendioxid über die Atmung wird umgeregelt … manchmal, wenn ich genau in mich reinhöre, merke ich auch andere Veränderungen. Gerade als Person mit Colitis ulcerosa „höre“ ich natürlich auch auf meinen Verdauungstrakt und bemerke manchmal, wie er abhängig von Intensität des Laufens und abhängig von Tagesform und Krankheitszustand unterschiedlich reagiert.

Auf der Oberfläche kommen solche etwas skurril-witzigen Anmerkungen wie „Ich stehe in einer Pfütze aus Kühlmittel-Kondensat“, wenn ich nach einem intensiven Lauf oder nach einem Lauf bei angenehm sommerlicher Temperatur gefühlt oder auch buchstäblich im eigenen Schweiß stehe. Auch der Vergleich mit dem Nachfüllen von Kühlmittel bei „offenem Volumenregelsystem“, in einem Analogon zu Kraftwerks-Kühlsystemen, fällt unter diese Kategorie. Eigentlich geht der Vergleich aber tiefer. Der menschliche Organismus und seine Leistungsfähigkeit sind ein faszinierendes Feld. Bei sehr vielen Stoffen finde ich spannend, dass sie gebraucht werden und wofür eigentlich – unsere Nerven zum Beispiel sind ja keine Leitungen im Sinne von Kupferdraht, sie leiten über elektrisch spannungsempfindliche Poren und ein im leit-bereiten Zustand bestehendes Ungleichgewicht von Kalium- und Natrium-Ionen inner- beziehungsweise außerhalb der Nervenzelle. Plötzlich wird auch klar, warum Kalium so wichtig ist – und die Kartoffeln als Kalium-Quelle sind dann nicht mehr nur Energiequelle durch ihre Stärke, sondern versorgen auch den Körper mit Kalium … in einer intensiv salz-benutzenden Gesellschaft wie der unseren ist die Sorge um den Natrium-Mangel glaube ich dann eher unbegründet. Dann ist da das Eisen für die Sauerstoffspeicherung in Blut (Hämoglobin) und Muskeln (Myoglobin) …

Für mich ist immer wieder spannend, was wie und wo funktioniert, mit welchen Mitteln der Körper Aufgaben erledigt, die auch in künstlichen Maschinen – weitgehend weniger „kreativ“ – gelöst werden müssen. Energieerzeugung, Energietransport, Abfuhr von Abwärme und Reststoffen, Speicherung, Freisetzung und Regelung von Vorgängen, all das kriegt der Körper in bemerkenswerter Harmonie mit erstaunlich vielfältigen und effizienten Methoden hin – wenn man ihn lässt, es gelegentlich auch abruft und ihn hinreichend mit den dafür benötigten Stoffen versorgt.

Wenn ich nun aber laufe, die direkte Reaktion meines Herzschlags auf Veränderungen der Intensität spüre und auf der Pulsuhr sehe, die Wärmeproduktion und -abfuhr über das Schwitzen und das Wärmegefühl erfühle, den Atemrhythmus beobachte, auch die unterschiedliche Dynamik beim Abspringen bei unterschiedlichem Tempo registriere – dann ist die Bezeichnung „die Maschine“ für den Körper eine Verneigung, zumindest gemäß des Gefühls, das ich dabei habe. „Die Maschine läuft“ schließlich sage ich gerne mal, wenn ich mich mit einer zufriedenstellenden Leistung beim Laufen so richtig rundum pudelwohl fühle – ein sehr angenehmes Gefühl. Maschine mit emotional behafteter Sensorik und Steuerung … meine Maschine. Tolles Ding, diese Maschine!

Argh!

Drei Ereignisse aus der jüngsten Vergangenheit lassen mich ernsthaft zweifeln, ob ich nicht vielleicht doch ein bisschen besser fahre als so mancher:

  1. So geschehen zwischen Pforzheim West und Pforzheim Ost auf der A8: Ein Polizeifahrzeug arbeitet sich zuerst auf der Standspur, dann in einer Rettungsgasse durch den Stau nach vorne. Plötzlich stockt sein vorankommen. Warum? Tja – keine Rettungsgasse wäre ja langweilig, das ist es ja immer. Nein: Die nebeneinander fahrenden Fahrzeuge KONNTEN gar keine Rettungsgasse bilden, denn weiter vorne stockte es – und auf dem Standstreifen stand ein LKW (der wohl Pause machte, weil seine Scheibe im Tacho das anzeigte), auf der rechten Spur stand ein LKW, der nicht weiter konnte, weil vor ihm alles dicht war – so auch auf der mittleren. Also müsste der LKW auf der mittleren etwas mehr nach rechts und der PKW auf der linken Spur … halt. Genau hier setzte das Problem ein. Auf der linken Spur befand sich kein LKW, sondern ein Bus. Ein Bus, der erstmal wegen des Staus auf der linken Spur nicht weiterkam. Ein Bus, der natürlich mit wem wenigen Rangierraum im Verhältnis zu seiner Länge keine Rettungsgasse aufziehen konnte. ARGH!
  2. So geschehen zwischen Leonberg Ost und Rutesheim auf der A8: Ein LKW fuhr hinter einem anderen her. Schräg hinter selbigem anderen LKW, denn er befand sich auf der mittleren Spur, und zwar etwa zwei PKW-Längen Abstand in Fahrtrichtung zwischen dem Bug des hinteren und dem Heck des vorderen LKW. Ich fuhr hinter selbigem LKW auf der mittleren Spur, kam wegen schnell fahrender PKW auf der linken Spur nicht hinter dem LKW raus. Der LKW vor mir gewann über die ganze Strecke vom Leonberger Dreieck bis Rutesheim nicht einen einzigen Meter Straße gegenüber dem anderen auf der rechten Spur. So weit, so klar. Bestimmt hängt einer vor dem, der nicht vorbeikam. Kurz nach Rutesheim ließ die Dichte links nach, ich zog raus, überholte, guckte … kein LKW auf der mittleren Spur vor meinem ehemaligen Vordermann. Der nächste LKW fand sich mehr als zwei LKW-Längen vor jenem auf der rechten Spur – und zwar ebenfalls auf der rechten Spur. Von langsamen PKW ebenfalls keine Spur. In Rutesheim war auch niemand offenkundig langsames abgefahren, das hatte ich gesehen. Ein wenig ärgerlich darüber versuchte ich durch dreimal Hupen anzudeuten, dass besagter Fahrer vielleicht ein bisschen was anderes machen könnte. Ob das nun nur ich war, oder ob der lange Huper des Fahrers vorwurfsvoll klang, kann ich nicht sagen. Darauf kommt es aber nicht an, das Verhalten war jedenfalls ebenfalls … ARGH!
  3. So geschehen auf der A8 zwischen Rasthof Pforzheim und Pforzheim Nord: Ich rolle im üblichen Stau durch die Senke, halte ein bisschen Abstand zum Vordermann, dann wird es in der Steigung wieder dreispurig. Vor mir zieht ein LKW raus, ohne groß auf mich zu achten. Ich bin erstmal mit Bremsen beschäftigt, kriege alles gut hin, so dass nichts passiert, fädele dann nach links in den laufenden PKW-Verkehr auf der linken Spur. Da ich keine Lichthupe hinten habe, hupe ich den das Überholverbot in der Steigung missachtenden LKW an, schere mit mehr als drei PKW-Längen Abstand (bei ca. Tempo 65km/h) vor ihm ein, gewinne rasch weiter Abstand – und werde mit der Lichthupe beharkt. Ich denke: „Ah er bedankt sich für den Hinweis, dass er was Verbotenes tut!“ Nö. Tat er nicht. Er fuhr weiter links, auch wo keine LKW mehr waren bzw. nur weit vor ihm, und ebenso schnell wie er. ARGH!

Eigentlich fragt man sich bei sowas: Warum? Ärgern die einen bewusst? Wissen sie es nicht besser? Wissen sie es besser, sind aber, aus welchen Gründen auch immer, zu unaufmerksam, um es zu merken? Warum merken sie es nichtmal, wenn ich es ihnen signalisiere?

Oder habe vielleicht auch ich den Straßenverkehr völlig falsch verstanden?

Bevor nun ein falscher Eindruck entsteht: Solche Ereignisse sind die Ausnahme. Aber sie kommen vor. Solches Verhalten stört den Verkehr, selbst wenn es einer in Tausend ist. Wegen sowas entstehen Stauungen und Unfallsituationen, im Extremfall werden Retter blockiert. Ich bin auch kein Engel auf der Straße, aber es gibt Dinge, die gehen nun wirklich gar nicht, erst recht, wenn man dann noch verstockt drauf beharrt!

Lichtblicke am Brennpunkt

Da heute Mittag mein Post über den Verkehrsbrennpunkt Pforzheim Ost, den ich schon vorgestern verfasst hatte, online gegangen ist, passt das hier besonders gut.

Heute Morgen gingen mir die veranschlagten 80 Minuten für meine Arbeitsfahrt schon wieder bei Pforzheim aus – das dritte Mal in Folge. Nach dieser Zeit ist es einfach so, ich kann mir nicht helfen: Der Frühstückskaffee und der Frühstückstee fangen an zu drücken. Dann reicht es nicht mehr für die Durchfahrung des Staus an der Baustelle am Dreieck Leonberg, es würde noch nicht einmal bei freier Strecke bis nach Stuttgart reichen. Also muss ich auf die Toilette gehen – und die einzige akzeptabel saubere Toilette an der Autobahn zwischen Karlsbad und Leonberg ist nun einmal der Rasthof Pforzheim.

Dort machte ich heute also meine Pause, warf siebzig Cent in den Automaten an der Toilette und … naja, Ihr wisst schon. Als ich die Toilette wieder verließ, kam mir gerade eine Mutter mit ihrem Kind entgegen – sie ging etwas schwerfällig und ich vermute, da ist ein weiteres Kind unterwegs. Sie meinte zu ihrem Sohn, der mit ihr die Treppe runterging und brav langsam machte für Mama, sie müsse nochmal umdrehen, um von Papa zwanzig Cent zu holen. Vermutlich war sie in den Zeiten, als man da noch fünfzig Cent für einen fünfzig Cent Voucher einwarf, das letzte Mal auf so einer Toilette gewesen. Ich dachte mir: „Die Dame lässt du jetzt aber nicht nochmal hochrennen!“, machte meinen Geldbeutel auf und schenkte ihr zwanzig Cent. Sie wollte es erst nicht annehmen, verwies darauf, dass ihr Mann oben sei und Geld habe … aber ich meinte, sie solle es ruhig nehmen, das sei kein Problem. Sie freute sich, ich freute mich, geholfen zu haben.

Dann löste ich den Voucher ein und holte mir einen doppelten Espresso, hörte beim Warten auf meine Tasse noch ein Gespräch der beiden Herren an der Kaffeebar mit: Sie sprachen über Matcha, und dass ein Kollege ihnen wohl tollen Matcha gemacht habe, sie ihn aber so nicht hinbekämen. Als der Herr dann meinte: „Ich weiß nicht, was er da rein tut!“, fühlte ich mich bemüßigt, einen Kommentar abzugeben – nämlich, dass bei Matcha die Temperatur eine Rolle spielte. Er meinte, er habe das 100°C heiße Wasser aus der Maschine am Rasthof benutzt, somit war der Fall klar. Ich riet ihm zur Nutzung von 70-80°C heißem Wasser, dann gehe es besser. Er freute sich – hoffentlich hat’s geklappt!

Als ich dann meinen Espresso trank, eilte die Dame, der ich zwanzig Cent geschenkt – nunmehr nur geliehen – hatte zu mir her und gab mir das Geld zurück. Ich nahm es an, versicherte ihr aber, dass ich es auch gerne geschenkt hätte. Sie freute sich, wir tauschten zwei „Danke!“ aus und dann ging es für mich wieder auf die verstaute A8. Der Stau muss nicht sein, die Pause nicht, aber SOLCHE Staubegegnungen lasse ich mich durchaus gern gefallen!

Verkehrs-Brennpunkt: Pforzheim Ost

Derzeit ist es auf der Autobahn 8 mal wieder alles andere als spaßig. Ich habe glaube ich schon mehrfach geäußert, dass bei schlechtem, nebligem, eisigem Wetter viele Leute entweder daheim bleiben, öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder wie von Zauberhand verändert plötzlich anständig fahren.

Derzeit wird das Wetter besser – nicht beständig, aber schließlich ist ja April – und entweder nimmt das Verkehrsaufkommen zu oder die Weisheitszähne des Reißverschlusses sind mal wieder bevorzugt unterwegs oder besonders aktiv. Der Brennpunkt dabei ist natürlich die Engstelle bei Pforzheim Ost.

Die Fakten:

  • Für einige wenige Kilometer verengt sich die Fahrbahn von drei modernen Spuren mit Standstreifen auf einen nur wenig modifizierten Dreißigerjahre-Standard.
  • Die Engstelle geht einher mit einer Senke, nämlich dem Enztal, mit eher steilen Flanken.
  • In der Senke, genau auf dem tiefsten Punkt, befindet sich die Autobahn-Anschlussstelle Pforzheim Ost, die zudem zumindest an der Abfahrt aus Richtung Karlsruhe auf die B10 im Enztal und der Auffahrt in Richtung Karlsruhe von der B10 die kurzen, fast nicht vorhandenen Verzögerungs- beziehungsweise Beschleunigungsstreifen des oben genannten Dreißigerjahre-Standards besitzt.
  • Verkompliziert wird die Situation durch den ebenfalls nicht vorhandenen Beschleunigungsstreifen der Auffahrt vom Rasthof Pforzheim in Richtung Stuttgart. Dazu kommt, dass die Anschlussstellen Pforzheim Ost und Rasthof Pforzheim zu nahe aneinanderliegen und die jeweiligen Störungen des Verkehrsflusses sich aufschaukeln.
  • Aktuell erschwerend wirken sich die Brückenschäden an der Enz-Brücke aus, weswegen direkt auf der Talsohle, zusätzlich zur Störung durch die Anschlussstelle, der Verkehr noch mit einer durch die Brückenschäden bedingten Reduktion des Gesschwindigkeitslimits in Richtung Karlsruhe von 100km/h auf 80km/h klarkommen muss.

Jeden Morgen steht man bis mindestens Pforzheim Nord, in Richtung Stuttgart fahrend. Zur nachmittäglichen Rush-Hour variiert die Staulänge in Richtung Karlsruhe stark – manchmal bis Pforzheim Süd (was nicht sehr lang ist), manchmal geht’s bis fast nach Heimsheim, sogar ohne Unfall.

Freilich weiß ich, dass hier etwas geschehen wird. Mittlerweile ist die Verbreiterung und Modernisierung der A8 im Enztal ja schon sehr stark am Weitergedeihen, nächstes Jahr soll Baubeginn sein, mit möglichst geringen Auswirkungen auf den laufenden Verkehr. Laufender Verkehr? Äh, guter Witz! Aber wenn man die ohnehin schon schreckliche Engstelle möglichst wenig verschärfen möchte, soll mir das recht sein. Auch wenn direkt um Stuttgart herum (Dreieck Leonberg bis Flughafen) auch die wundervoll ausgebaute A8 noch überfordert ist, ist die Enztalquerung tatsächlich das letzte echte Krisenstück auf dem Abschnitt Karlsruhe-Stuttgart – und zur Zeit, ohne neue Baustelle, wieder mehr denn je.

Zum Thema A8 bei Leonberg und Stuttgart möchte ich dann doch noch sagen: Wen wundert’s, dass die dortige Strecke problematisch ist? Dort werden – anders, als ursprünglich (LANG her!) geplant – Umfahrungsverkehr und Berufsverkehr aus Stuttgart und den südlich vorgelagerten Städten Sindelfingen und Böblingen, Ost-West-Fernverkehr UND Nord-Süd-Fernverkehr miteinander verknotet, und das bei teils großen Steigungen (von Leonberg hoch zum Kreuz Stuttgart). Da würde wohl wirklich nur noch die Wiederaufnahme eines Baus der durchgehenden A81 Leonberg-Herrenberg helfen. Aber das wird nicht geschehen.

Im Enztal ist es aber ein lösbares Problem. Schade, dass der Kampf um die richtige oder vermeintlich richtige Lösung diese Engstelle im – danach wirklich – laufenden Ost-West-Verkehr so lange verzögert hat!

Absperrung an Wander- und Tagesbaustellen / Auskunft durch das Regierungspräsidium Stuttgart, Ref. 45

Nachdem ich mich hier über das Absperrverhalten an Wander- und Tagesbaustellen und das Verhalten der Verkehrsteilnehmer an solchen echauffiert habe, bin ich auch wirklich den angekündigten Weg gegangen: Ich habe nachgefragt.

Zunächst habe ich mich – weil ich dort zu einem anderen Thema schonmal nachgefragt hatte – an das Landesministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg gewandt. Dort schrieb man mir recht flott zurück, man sei nicht zuständig, verwies mich aber auf das Regierungspräsidium Stuttgart, dessen Referat 45 die Autobahnmeistereien in Baden-Württemberg zentral steuert. Ebenfalls ziemlich flott antwortete mir der dort zuständige Baudirektor Herr Gruhler, und ich habe nun einiges besser verstanden.

Im Einzelnen bekam ich folgende Antwort von Herrn Gruhler, als ich danach fragte, ob zwei recht weit voneinander entfernte Absperrfahrzeuge auf der linken Spur (die im Fachjargon Sicherungsfahrzeuge genannt werden) sinnvoll sind, wenn doch Autofahrer tendenziell wieder dazwischen fahren:

Sehr geehrte Frau Schmidt,

auch wenn es Ihnen ungewöhnlich erscheint, ist dies die bundesweit übliche Form der Absicherung.

Der Abstand zwischen den beiden Sicherungsfahrzeugen wird von mehreren Faktoren geprägt. Grundsätzlich ist er so gering wie möglich.

Er muss so groß sein, dass bei einem Auffahrunfall das erste (hintere) Sicherungsfahrzeug nicht auf die anderen Fahrzeuge vor ihm prallt. Leider haben wir sehr viele Auffahrunfälle auf unsere Sicherungsfahrzeuge.

Dass der Abstand groß genug sein muss, dass ein aufprallendes Fahrzeug das Sicherungsfahrzeug nicht auf das andere draufschiebt, war mir schon klar, dass das aber häufig passiert, hat mich bestürzt, was ich Herrn Gruhler in einer Antwort auch schrieb. Ich meine, die Pfeile sind RIESIG, sie blinken hell, die Blinklichter an den oberen Ecken der Fahrzeuge sind in ihrem Blitzen EKLIG hell. Und trotzdem fahren Leute auf die Fahrzeuge auf – da ist ein gewisser Abstand natürlich notwendig – wenn auch kein so großer, dass ein Fahrer wieder ausschert.

Ein weiteres Kriterium ist die Sicht. Zum Beispiel steht das erste Sicherungsfahrzeug bereits vor einer Kuppe oder Kurve, weil das 2. Sicherungsfahrzeug und die Arbeitsstelle erst aus der Nähe zu sehen ist, was bei hohen Geschwindigkeiten nicht ausreicht.

Hier beginnt es, interessant zu werden. Denn: Das Sicherungsfahrzeug muss schon ein ganzes Stück weg sein, immerhin ist der Halteweg für einen Fahrer bei erlaubten 120km/h nicht zu vernachlässigen. Passiert nun kurzfristig ein Unfall mit dem Baufahrzeug oder gar einem Arbeiter, muss der Verkehr schon angebremst haben, sonst entsteht eine Massenkarambolage. Sehe ich ein – der Abstand zwischen den beiden Sicherungsfahrzeugen, der mich zu meiner Anfrage brachte, war aber noch größer –

Da wir es in diesen Fällen mit wandernden Arbeitsstellen zu tun haben, kann es auch sein, dass das erste Sicherungsfahrzeug noch warten muss, bis es an einen geeigneten Punkt nachrücken kann. Dann werden die Abstände manchmal kurzzeitig sehr groß.

Hier liegt der Hase im Pfeffer! Natürlich ist meine Sicht auf die Absperrung/Sicherung der Baustelle nur eine Momentaufnahme. So ein Sicherungsfahrzeug kann sicher quasi überall stehen, steht es aber durch hohe Mittelleitplanke hinter einer Kurve teilverdeckt oder hinter einer Kuppe, ist es nutzlos. Während dann – für das hintere Sicherungsfahrzeug nicht sichtbar – das vordere mit der Baustelle vorrückt, muss das andere hinter der Kuppe bleiben, da es sonst nicht gesehen wird. Das kann ich mir – wenn ich mir die Situation aus oben verlinktem Beitrag vor Augen führe – an dieser Stelle sehr gut vorstellen.

Dass etliche Autofahrer den Blinkpfeil missachten und wieder in die Spur einfahren, ist bekannt und macht auch uns Sorge. Nur die Polizei kann dieses jedoch ahnden.

An der Stelle tun mir Herr Gruhler und seine Leute leid. Die sehen das sicher täglich hundertmal, dass die Leute wieder rüberziehen, den Verkehr beim nochmaligen Einscheren vor Fahrzeug zwei abermals stören und dabei vor allem die Arbeiter gefährden!

Wir danken Ihnen für Ihre Hinweise und hoffen Ihre Fragen beantwortet zu haben.

Nach Rückfrage hatte Herr Gruhler als Vertreter des Regierungspräsidiums Stuttgart auch nichts dagegen, dass ich seine Antwort hier benutze – was ich hiermit getan habe und mich ganz explizit dafür bedanke. Im Fazit versteht und teilt man dort also meine Bedenken, kann aber teilweise aus der Situation heraus den großen Abstand der Sicherungsfahrzeuge nicht vermeiden. Außerdem werfen das Reinspringen in die Lücke zwischen den Sicherungsfahrzeugen wie auch die häufigen Auffahrunfälle auf die Sicherungsfahrzeuge kein gutes Licht auf die Verkehrsteilnehmer auf Autobahnen …

Und wieder was gelernt!