Meine Geißel: Kopfschmerzen

In meiner Familie sind sie so selbstverständlich, dass ich eine Zeit lang gar nicht begriff, wie einschränkend sie eigentlich sind: Kopfschmerzen.

Mein Vater leidet unter Wetterfühligkeit und wohl auch unter einer Art von Spannungs- bzw. Entspannungsschmerzen, meiner Mutter hatte Migräne. Meine Schwester hat die Migräne abbekommen, ich nicht so sehr – zwei, drei Anfälle in den letzten zehn Jahren sind wohl kaum eine Geißel. Aber die Spannungskopfschmerzen sind bei mir sehr bedeutend, leider. Jeden Tag zwei Stunden pendelnd im Auto zu sitzen, am Rechner zu arbeiten und dergleichen hat sicherlich seinen Anteil daran – es wird auch weniger, wenn ich regelmäßig Sport treibe. Ganz weg geht es aber nicht. Bevorzugt trat es über lange, lange Jahre hinweg samstags auf, manchmal auch sonntags, selten (zum Glück!) an beiden Tagen. Mittlerweile ist es ein bisschen „fairer“ verteilt, trifft auch mal einen Wochentag, an dem ich mich entweder durch die Arbeit quäle und dabei leider wirklich nicht viel auf die Reihe kriege – oder daheim bleibe(n muss), weil eh nichts dabei rumkommt und ich so unkonzentriert und durch die Kopfschmerzen wie bleiern müde bin, dass ich eine Gefährdung für den Verkehr wäre.

Natürlich glaubte ich immer, andere Leute wissen, wovon ich rede, wenn ich sage: „Ich habe Kopfschmerzen.“ Erste Zweifel kamen mir daran in dem ein oder anderen Gespräch, in dem ich erzählte: „Naja, Kopfschmerzen eben – zwei-, dreimal erbrochen, zehn Stunden geschlafen, dann wurde es langsam besser.“ Als Antwort darauf kam die Frage: „Ach, mit dem Magen hattest Du es auch?“ Nein. Hatte ich nicht. Schmerzen bis zum Erbrechen, als direkter Sekundäreffekt der Schmerzen. Ungläubiges Starren antwortete mir. Dann die Frage nach Schmerzmitteln – die sind ja eh ein bisschen eingeschränkt, weil die Colitis Ulcerosa, unter der ich leide, sich nicht so gut mit Ibuprofen und Acetylsalicylsäure verträgt – oder eher: sich zu gut mit denen verträgt. Abgesehen davon scheine ich oft mit Schmerzmitteln kaum eine Verbesserung zu erreichen – und für „Ich liege im Bett, habe Schmerzen bis kurz vor oder gar bis zum Erbrechen – oder ich habe mit Schmerztablette 10% weniger Schmerzen, bin aber dennoch ausgeknockt, schlafend merke ich weder mit oder ohne was davon“ nehme ich doch sicher keine nebenwirkungsintensiven Schmerzmittel! Irgendwo an der Stelle kam ich langsam auf die Idee, dass der ein oder andere Gegenüber WIRKLICH nicht versteht, was das für Kopfschmerzen sind. Meine Familie versteht es immer. Die leiden selbst darunter – ich weiß nicht, wie viele Familienfeste an Samstagen mein Vater abgesagt hat, weil er pünktlich zum Wochenende unter Kopfschmerzen litt – und zwar WIRKLICH litt. Das passiert ihm auch heute noch gelegentlich – viel zu oft, wie bei mir auch. Meistens versuche ich, mich durchzubeißen, manchmal zu heftig. Gerade während des Umzugs von der Wohnung, in der mein Mann und ich zusammengezogen sind, in unsere jetzige, viel größere, habe ich mir mal eine Predigt meines Mannes eingefangen: Ich bin mit zum Baumarkt gefahren, und kurz nach unserem Einkauf wurde es zu arg und ich bat ihn, sofort anzuhalten – und kotzte Magenflüssigkeit – der Magen war ansonsten leer – aus dem Beifahrerfenster. Seitdem versuche ich, dann auch wirklich Ruhe zu halten, denn er hatte völlig recht: Wenn ich Kopfschmerzen habe, bin ich krank. So blöd das auch ist, ich KANN dann einfach nichts tun.

Was hilft, ist Sport, Entspannung, Entschleunigen des Lebens. Das senkt die Häufigkeit erheblich. Dennoch, wenn ich in anstrengenden Phasen oder in solchen, in denen ich für mich selbst deutlich merklich hinter meinen Erwartungen oder denen anderen zurückbleibe – oder hinter beidem auf einmal – dann kommen die Schmerzen. Zumindest, wenn ich zu wenig Sport treibe, sind sie nahezu unvermeidlich. Wenn sie mal richtig da sind, fühlt es sich an, als wäre die Schläfe eingedrückt, ich kann die Augen kaum aufhalten und kriege nichts auf die Reihe, die Spannung, die zum Schmerz führt, wird vom Schmerz eher noch schlimmer. Nichts außer einem halben Tag Ruhe hilft. Danach ist die Freude, die körperliche Entspannung, das Wohlgefühl, wenn der Schmerz nachlässt, so dominant und groß, dass ich fast unerträglich albern und gut gelaunt werde.

Wenn ich allerdings regelmäßiges Laufen auf die Reihe bekomme, genug trinke und auch ansonsten meinen Ausgleich bewahren kann, dann kriege ich – zu meinem eigenen Erstaunen und auch zur Verblüffung meines Mannes – aufkommende Kopfschmerzen beim Aufwachen bemerkenswert oft mit einer „Batterie Tee“ (4 Tassen, eine davon Grün, die restlichen verschiedene Früchte- und Kräutertees – häufig Fenchel, Ingwer, Kamille, Pfefferminze, aber auch schwarze Johannisbeere) und einem Espresso in den Griff. Gerade nun, da ich das Laufen wieder angefangen habe, ist mir das stark aufgefallen. Plötzlich sind die Schmerzen nicht mehr unvermeidlich, wenn sie mal angefangen haben – selbst wenn keine Zeit ist, mal drei Kilometer zu Rennen. Das hilft nämlich auch … weit besser als Tabletten sogar. Und eines ist ganz klar: Als Antwort auf Kopfschmerzen knapp 1,2 Liter Tee und eine kleine Tasse Kaffee zu trinken und drei Kilometer zu laufen ist WEIT gesünder, als eine Tablette zu nehmen, die dann auch noch nicht oder zumindest weit schlechter hilft!

Advertisements

Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
Dieser Beitrag wurde unter Verkehr und mehr veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Meine Geißel: Kopfschmerzen

  1. Ruhrköpfe schreibt:

    Neben regelmäßigem Sport und Entschleunigung, finde ich lauwarmes Zitronenwasser auf nüchternen Magen morgens und Ingwer/Kukurma als Tee ebenfalls sehr hilfreich bei der Vorbeugung. Die Attacken tauchen immer seltener auf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s