Der Gegendrücker

So geschehen am Dienstagmorgen, als auf der A8 zwischen Karlsbad und Pforzheim West was an der Matrix geändert wurde – siehe auch Beitrag Sie ändern was an der Matrix!:

Es waren zwei kurz aufeinanderfolgende Spurverengungen – einmal die „Vorwarnung“ ohne Baustelle mit Fahrzeug mit blinkendem Pfeil nach rechts auf der linken Spur, dann ein weiteres Fahrzeug mit blinkendem Pfeil nach rechts, aber direkt dahinter auch die Baustelle am Mittelstreifen. Zweitere war aber noch gar nicht in Sicht. Ich fuhr, auf der Steigung, entsprechend den Regeln bis kurz vor die Verengung, orientierte mich aber schonmal langsam in Richtung mittlere Spur und suchte nach einer Lücke – die erste Lücke, die ich mir ausgesucht hatte, war eigentlich schon groß genug für mein Fahrzeug, aber ich wollte noch ein bisschen Verkehrsbeobachtung machen, da man manchmal ja nur die Größe der Lücke, nicht aber die Geschwindigkeit des Vorder- bzw. Hintermann auf den ersten Blick sieht. Dann erwies sich die Lücke als dauerhaft groß genug, der Hintermann fuhr ca. 60km/h, der Vordermann genauso – und ich ebenfalls. Also setzt ich den Blinker, und genau in diesem Moment gab der Hintermann Gas. „Na besten Dank auch, Du Anus!“, dachte ich mir da. Also andere Lücke gesucht, diese wurde auch vom neuen Hintermann und dem neuen Vordermann für mich aufgezogen, da die Verengung auf zwei Fahrstreifen nunmehr wirklich unmittelbar bevorstand und somit mein linker Fahrstreifen erstmal nicht weiterging.

Und was passiert? Tja … was ist da passiert? Es gab einen „Gegendrücker“ – sprich: Einen Fahrer auf der rechten Spur, der die entstehende Lücke sah und sie sich nahm. Ich bin sehr froh, dass der Hintermann der Lücke ein Einsehen hatte und sowohl den Gegendrücker als auch mich reinließ.

Das genau selbe Verhalten eines Lieferwagens konnte ich im Rückspiegel dann direkt noch einmal beobachten, selbiger Lieferwagen scherte aber nicht nur von der rechten Spur in die eigentlich für den auf der endenden linken Spur „verhungernden“ Fahrer aufgezogenen Lücke ein, sondern gab Vollgas, fuhr fast dem Vordermann seiner geraubten Lücke noch in den Kofferraum und jagte dann seinen Wagen nach links auf das nicht abgesperrte Stück linken Fahrstreifens zwischen den beiden Streckendienstfahrzeugen. Direkt vor dem zweiten Streckendienstfahrzeug drängte er sich dann mit roher Gewalt und unter Erzeugung eines Fast-Unfalls wieder in die Schlange auf der mittleren Spur – mehrere heftige Bremsungen seiner Hinterleute inbegriffen.

Ich habe keinen dieser Fahrer bzw. keine dieser Fahrerinnen in ihren Cockpits mustern können, dafür war ich mit dem Verkehr selbst zu beschäftigt. Deswegen kann ich nicht sagen, was das für Gestalten waren. Aber bei aller Akzeptanz für Eile und Termindruck, sowas GEHT einfach nicht. Der berühmt-berüchtigte Gummiparagraph scheint niemanden zu interessieren …

§1 StVO:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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