Blinde Flecken

Passiert Euch das auch manchmal? Ihr erzählt, schreibt, malt über ein bestimmtes Thema, habt die großen Zusammenhänge, einen wundervollen Argumentationsbogen oder die schiere Eleganz einer Gedankenkette im Fokus Eures Denkens … und plötzlich funktionieren Automatismen der Erzähl- oder Darstellungsform nicht mehr. Oft merke ich das nicht einmal!

So geschehen vor kurzem auf diesem Blog: Ich schrieb an einem Beitrag, war völlig vom Thema eingenommen und entwickelte die Geschichte. Ich war auch ziemlich „drin“, emotional wie auch von der rationalen Gedankenkette. Plötzlich waren da Worte, Handlungen, die ich mit Verben beschrieb und von denen ich dachte, sie müssten substantiviert sein. Ich habe in Gedanken einen Artikel davor gesetzt, und siehe da, es klang gut. Ich erinnere mich daran.

Dann sprach mich eine Freundin darauf an. Sie meinte, es gäbe den ein oder anderen Fehler in meinen Beiträgen, Groß- und Kleinschreibung sei betroffen. Ich wies das erstmal von mir, bat um Beispiele. Meine Erinnerung sagte anhand dieser Beispiele: „Maaan, das is‘ Substantivierung, hast Du damals doch durchgekaut und sogar einige klein geschriebene substantivierte Verben extra noch auf groß korrigiert.“ Dann bekam ich erklärt, wo das Substantiv des Satzes lag. Und siehe da: Meine Freundin hatte recht. Himmel! Wie peinlich!

Was mich daran ein bisschen bestürzt: Damals klang’s richtig, beim nochmal Drübergucken war offensichtlich, dass es falsch war. Dabei hatte ich sogar nochmal drüber nachgedacht, ich erinnere mich!

Im größeren Maßstab kenne ich diesen Mechanismus allerdings auch vom Schreiben meines Buchs. Auch da habe ich viele Dinge einfach nicht bemerkt, die mir dann, von meinem Mann als Probeleser oder meiner Lektorin darauf hingewiesen, mit einem Schlag vor die eigene Stirn beantworten musste. Solche blinden Flecken hauen mich manchmal um. Man ist auf etwas Anderes konzentriert und plötzlich sind da Automatismen, die eben nicht automatisch richtig, sondern automatisch falsch funktionieren. Ein Glück gibt’s Leute, die einem sowas sagen …

Besonders lustig finde ich, dass zum Zeitpunkt, da ich diesen Beitrag schreibe, der Beitrag „Kritik überleben“ bereits geschrieben und zur Veröffentlichung vorgeplant war.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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