Gefühlte Unfallhäufigkeit

Ich habe vor einiger Zeit mal darüber nachgedacht, die mittlere freie Weglänge eines deutschen Autofahrers nachzuschlagen oder zu berechnen. Das meint: Die mittlere Strecke, die – unter Berücksichtigung aller gefahrenen Strecken und aller Autofahrer – zwischen zwei Unfällen derselben Person zurückgelegt wird. Bei diesem Unterfangen bin ich nicht weitergekommen … meine freie Weglänge seit dem letzten Unfall, damals noch mit meinem alten Fiat Punto während des Studiums, unverschuldet übrigens, nähert sich inzwischen mächtig der halben Million Kilometer an (ca. 140.000km auf dem alten Benz meiner Oma, als sie sich ein neues Auto kaufte und ihren Alten als Ersatz meines havarierten Punto mir gab, 250.000km auf meinem alten Toyota Aygo, mittlerweile knapp 60.000km auf dem neuen Aygo), aber ob das bereits viel ist oder noch immer wenig gegen den Schnitt, kann ich nicht beurteilen.

Allerdings gibt es zur Unfallhäufigkeit noch so eine Sache, die mir im Kopf herumgeht. Denn ganz oft hat man Phasen, in denen das Wetter trüb, regnerisch, nass, kalt, gar verschneit oder vereist ist. In den Zeiten, die ich nach Stuttgart pendele, habe ich den Eindruck gewonnen, dass diese Zeiten eher arm an spektakulären Unfällen sind, so unlogisch das auch erscheint. Oft drängte sich mir der Eindruck auf, dass kurz vor dem erwarteten Wintereinbruch alle nochmal versuchten, wie irre zu fahren und Unfälle zu bauen – und es auch schafften. Insbesondere vor drei Jahren und vergangenes Jahr war dieser Eindruck recht stark. Vom Jahresanfang bis jetzt fuhr ich auch recht angenehm durch die Gegend, kaum Unfälle, sogar an den Baustellen und Engstellen ging es mit den Staus. Seit das Wetter nun aber besser wird, die Temperaturen und Sonnenstundenzahlen steigen, es länger hell ist, hat sich das verändert: Diese Woche ist gefühlt die erste richtig frühlingshafte, und in dieser Woche gab es bis heute (Mittwoch) schon drei Unfälle, die mich jeweils wirklich heftig aufgehalten haben – einmal beim Hinfahren und zweimal auf der Heimfahrt. An einem dieser Unfälle fuhr ich dann sogar direkt vorbei, am Karlsruher Dreieck – natürlich wurde der Verkehr mal wieder ganz langsam, jeder musste gucken. Ich selbst habe gesehen: „Drei Krankenwagen, zwei Abschleppfahrzeuge … oh weh, Blick stur geradeaus, sonst siehst Du was, was Dir Albträume macht.“ Ich bin da sensibel. Aber zurück zum Thema: Ist es nicht eigentlich seltsam, dass (mindestens gefühlt) bei besseren, wärmeren Straßenverhältnissen, weniger Trübheit, Nebel, Dunkelheit, weniger Nässe auf der Straße plötzlich ein Haufen mehr schwere Unfälle passieren?

Freilich, man könnte mit dem Gegenlicht argumentieren, mit dem Leichtsinn, der einsetzt, aber irgendwie wirkt das platt. Es könnte durchaus auch sein, dass ich einfach nur den Eindruck habe – und eigentlich keine Überhäufigkeit schwerer Unfälle vor bzw. nach den kalten, trüben, nassen, dunklen Tagen auftritt. Dennoch kommt’s mir so vor – und das macht mich nachdenklich. Es ist ja durchaus so, dass meistens mindestens einer beteiligt ist, dem was passiert, aber der eigentlich vorsichtig gefahren ist. Außerdem – auch wenn das gegenüber massiven körperlichen Schäden in den Hintergrund tritt – ist die zusätzlich verlorene Lebenszeit von einer Staulänge von 10 oder mehr Kilometern an Pendler- und LKW-Fahrern ja auch nicht zu vernachlässigen, was den Stress bei diesen Leuten erhöht (ja, auch bei mir), und oft bringt Stress das Schlechteste in Fahrern hervor …

Und ja, das ist durchaus als ein Plädoyer zu verstehen, vorsichtiger zu fahren, sich an die Regeln zu halten und die Pfoten mal etwas mehr vom Smartphone zu lassen …

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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