Pendeln und Hobby

Ich bin Pendlerin. Ja, das bin ich und deswegen habe ich dieses Blog. Aber ich habe auch Hobbies …

Sicher erzähle ich den Pendlern unter meinen Lesern nichts Neues, aber mir fiel es heute wieder mal besonders auf. Pendeln und Hobby, das ist schwierig. Ziemlich schwierig sogar. Augenfällig wurde es an der folgenden kleinen Anekdote:

Wir hatten heute auf der Arbeit einen Aufräum-Tag, ich war natürlich mehr auf den Beinen als sonst an Arbeitstagen – Zeug herumtragen, entscheiden, ob es weg kann oder nicht, umsortieren, Gleiches bündeln, damit man es mit logischem Nachdenken findet, selbst wenn man es mal vergessen hat, wo das einzelne Teil steht. Am Ende der Aktion meinte ich dann so: „Ich drucke noch rasch die neuen Anweisungen aus, dann verschwinde ich, damit ich noch im Hellen laufen gehen kann.“ Darauf mein Chef: „Och, es ist doch schon sehr lang hell!“ Tja. Der Verweis, dass es noch eine Stunde bis heim dauerte und es schon fünf war – und um sechs die Sonne schon kurz vor’m Untergehen ist, paarte sich mit seiner einsichtigen Anmerkung, es sei eine Stunde, wenn ich gut durchkäme. Da setzte sich wohl die Erkenntnis durch, dass mein Heimweg deutlich länger und in seiner Dauer deutlich unsicherer ist als seiner. Pendler haben solche Dinge im Blick. Zu oft ging irgendwas schief – bei Zugpendlern war Verspätung oder ein verpasster Anschluss das Problem, bei Autopendlern ein Stau – und schon ging eine Verabredung, ein Kurstermin oder auch nur – durch Dunkelheit bedingt – ein Lauftermin flöten.

So war es dann tatsächlich auch. Die Autobahn war ziemlich dicht, zwischen Rutesheim und Pforzheim gab’s anderthalb Stunden Verzögerung durch einen wohl schweren Unfall. Ich habe mich mit einer halben Stunde Zeitverlust von Heimsheim über die Dörfer bis Pforzheim Ost durchgeschlagen und sah gerade noch, wie mehrere Abschleppwagen dort in Richtung Anschlussstelle den Berg herunterkamen, als ich auffuhr. Das war übrigens der zweite schwerer Unfall zu meinen Fahrzeiten heute auf der A8, und ich werde das Gefühl nicht los, dass da ein weiterer Beitrag in mir gärt.

Aber zum eigentlichen Thema: Das Pendeln, egal ob mit dem Zug oder mit dem Auto, bedingt nicht nur Zeitverlust, sondern auch eine Zeitunsicherheit beim Heimkommen. Macht man mal früher Schluss, hat ein Zug Verspätung, fällt aus, oder die Stuttgarter S-Bahn hat mal wieder Störung – oder beim Auto kommt ein Stau dazwischen. Gezielt für eine Verabredung früher Schluss machen wird also recht oft von den Umständen sabotiert – und eine Pendelstrecke gibt viel Raum für „Umstände aller Art“. Es ist nicht so sehr die einplanbare Zeit, die man beim Pendeln verliert (natürlich auch), sondern gefühlt viel mehr die Unsicherheit, ob man den Termin halten kann oder nicht, auch die Zeit, die man nach der langen Fahrt zuhause noch braucht, um aus der Fahrt raus und in die Aktivität reinzukommen. Das erfordert alles viel Planung, viel Einbeziehen von Umständen, viel Hirnschmalz und viele „Sicherheitszeiträume“, die in die Fahrt eingeplant werden. Regelmäßige, feste Abendtermine sind da – sofern sie nicht ziemlich spät sind – eine Herausforderung, die man irgendwann leid ist. Damit nimmt die Aktivität im Hobby ab und genau das ist gefährlich. Zur Zeit funktioniert es bei mir wieder etwas besser – nicht mit dem Verkehr, der ist durch Unfälle und Baustellen derzeit die Hölle – aber mit dem Aufraffen. Ich hoffe, dieses Mal hält es lange, dass ich die Planungen und die unvermeidlichen Ausfälle von Aktivitäten auf die Reihe bekomme, ohne die Motivation zu verlieren.

Ich bin heute Abend übrigens dann doch noch gelaufen. Freilich war es recht spät – beim Loslaufen war’s noch hell, aber bereits nach dem zweiten Kilometer war die unbeleuchtete Pulsuhr nicht mehr zu erkennen. Egal, ich hatte ja die Strecken- und Zeitanzeige auf dem Handy, nur auf die Anzeige der Herzfrequenz musste ich verzichten, weil der neue Pulsgurt von meiner gewohnten Laufapp verschmäht wird. Über die Felder hinweg war es dann schon sehr dunkel, und auch wenn ich normalerweise recht unerschrocken bin, habe ich mir doch meine Gedanken gemacht – joggende Frau in farblich auffälligen Klamotten, um nicht überfahren zu werden, joggt im Dunkeln einsam über die Felder. Ungutes Gefühl. Da kommen Gedanken hoch … aber ich glaube, auch das wird noch ein eigenständiger Beitrag hier (den ich hiermit nicht verspreche, weil’s vielleicht doch nicht dazu kommt). Stolz bin ich dennoch, trotz Dunkelheit durch Stau noch 8,75km gelaufen zu sein – und zwar in unter einer Stunde. Sonst wär’s ja noch dunkler gewesen …

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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