Insomnia

„I can’t get no sleep!“, singt Faithless in einem Track, der auch für meine Musik-Wahrnehmung prägend war. Ich liebe dieses Lied. Weniger liebe ich den darin thematisierten Zustand – das Nicht-Schlafen-Können.

Da ich in letzter Zeit wieder einmal darunter gelitten habe, schreibe ich nun ein wenig darüber. Grundsätzlich kenne ich zwei Arten des „Nicht-Schlafen-Könnens“: Das eine sind die furchtbaren Gedankenmühlen. Wenn mich etwas aufgewühlt hat, mehr aber noch, wenn ein unerledigtes Thema auf mir lastet, mich umtreibt und nicht weggeschoben werden kann, dann schlafe ich nicht. Oftmals befasse ich mich dann vor dem Einschlafen damit, mir andere Gedanken zu machen, etwas zu lesen, vielleicht noch ein bisschen autogenes Training zu machen. Das hilft oft, aber in den harten Fällen passiert dann letztlich nur eines: „Licht aus – Gedankenmühle wieder da.“ Das ist wirklich schwierig, und ich habe bisher dann auch wenige Mittel gefunden, mich dann wirklich zu beruhigen. Der andere Mechanismus ist fast noch unbefriedigender: Man liegt einfach wach. ICH liege einfach wach. Die Atemzüge dehnen sich zu gefühlten Stunden, und nach einigen realen Minuten setzt dann die Gedankenmühle ein, denn irgendwas ist ja buchstäblich immer. Damit fängt es an.

Danach kommt dann oft noch dazu, dass das Weckerklingeln erschreckend näher rückt, und dann weiß ich, dass ich nicht genug Schlaf bekommen werde. Dieser Druck macht es nicht besser, eher schlimmer. Dann werde ich unruhig, sensibel auf jedes kleine Geräusch, das Atmen meines Manns neben mir, das Wälzen im Bett – seines und meines. Eigentlich hilft an dieser Stelle nur „Aufstehen, sich Beruhigen, in dem man den Wecker ein bisschen später stellt, Ruhe Herstellen und wieder Schlafen Legen.“ Oftmals hilft das. Manchmal leider aber auch nicht.

Die Ursachen sind kompliziert: Unerledigte Dinge, Stress und Ärger spielen eine Rolle, aber auch der Schlafrhythmus – wenn ich Kopfschmerzen habe, hilft oft nur „Schlafen“, hat man aber den ganzen Tag wegen Kopfschmerzen geschlafen, ist das Müdewerden und Einschlafen abends im Bett immer schwieriger – Typ eins „Ich kann einfach nicht einschlafen“ setzt ein, die Gedankenmühlen ziehen nach und schon ist man in der Spirale. Manchmal kann ich auch den Finger drauf legen: Positive oder negative Aufregungen zu kurz vor dem Schlafen, vielleicht ein aus Versehen zu spät getrunkener Kaffee – prompt geht GAR nichts mehr. Dagegen kann man was machen, und das passiert mir auch seltener. Was auch oft hilft, ist auch körperlich erschöpft zu sein, nicht nur geistig – Lauifen zum Beispiel. Am vergangenen Sonntag gab’s leider den Beweis, dass auch das nicht immer hilft: Ich war 10 Kilometer Laufen und abends war doch zuerst kein Einschlafen möglich, dann setzten die Gedanken ein …

Ja, die übliche Leier, die sich durch die Absätze zieht, wie eben die Gedankenmühlen durch den Schlafmangel. Technisch gesehen hat dieser Beitrag teils die Struktur der Gedankenmuster, die bei mir bei Schlafproblemen auftreten. Zwei Dinge helfen mir recht gut – das eine wären pflanzliche Methoden: Hopfen und Baldrian, ob nun als alkoholfreies Bier oder Baldrian-Tee oder sowas, da geht dann schon mehr mit dem Einschlafen als ohne. Kann natürlich auch ein Placebo sein – hilft auch nicht bei jedem. Leider braucht das bei mir immer ein Stück, bis es wirkt, so dass ich eine gewisse Vorahnung haben muss, um trotzdem auf den Punkt schlafen zu können damit. Oft ist das nicht praktikabel. Helfen mir dann autogenes Training, das ablenkende Erzählen einer Geschichte an mich selbst, in meinen Gedanken, und auch all die anderen Dinge nicht, dann muss der „Killer“ ran. Der ist etwas peinlich, aber bisher war’s die zuverlässigste Methode, Gedankenmühlen zum Stillstand zu bringen, unerklärtes Nicht-Einschlafen zu beheben und dann doch noch zu einer erklecklichen Menge an Schlaf zu kommen – ich setze den gedanklichen und körperlichen Zug mit der Hand zwischen den Beinen auf eine ganz andere Schiene, stelle mir ein bisschen was dafür Hilfreiches vor – und danach geht es eigentlich ganz gut. Fühlt sich ein bisschen komisch an, offen drüber zu schreiben, aber da der Mechanismus für’s doch Einschlafen Können nicht unwichtig ist, wär’s unlauter, im Kontext der Schlaflosigkeit nicht darüber zu schreiben.

Denn was auch Fakt ist, ist die Aussage aus Fight Club: „Wenn Du nicht schlafen kannst, schläfst Du nie richtig, bist aber auch nie richtig wach.“ Und Wachsein, für die Umwelt und Umgebung, nicht zuletzt für die Arbeit, aber mehr noch für die lieben Menschen um einen herum ist nicht nur wichtig zum Erledigen der Dinge, sondern ganz wichtig auch für die Lebensqualität.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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