Wiederentdeckt: Cybill

Vor einiger Zeit kam mir über „The Big Bang Theory“ und Christine Baranskis dortige Darstellung von Beverly Hofstadter, dass ich diese Darstellerin schon woanders gesehen hatte – in einer Rolle, die für mich die Konnotationen bei Christine Baranskis Schauspiel sehr geprägt hatte.

Es geht dabei um „Cybill“, wo sie neben Cybill Shepherd, Alicia Witt, Alan Rosenberg und Tim Maculan zu den über die volle Länge der Serie wichtige Charaktere spielenden Schauspielern gehört. Spaßigerweise kam mir beim etwas Nachlesen die Erkenntnis, dass Chuck Lorre (der Produzent unter anderem von The Big Bang Theory), der auch die Idee zu „Cybill“ hatte (oder zumindest in den Credits dafür erwähnt wurde) und Christine Baranski schon sehr oft zusammengearbeitet haben.

Nun, aber zum eigentlichen Thema: Die Serie Cybill. In den Neunziger, als die Serie das erste Mal im Fernsehen war, hatte ich immer das Gefühl, ich sei in meinem Kreis die Einzige mit Interesse an der Serie. „Alle unter einem Dach“ oder dergleichen, das war immer gern gesehen, aber „Cybill“ schien, wenn meine Erinnerung mich nicht trügt, meinem Umfeld immer etwas zum Wegzappen zu sein. Insbesondere an der oft sehr bleich geschminkten Zoey (gespielt von Alicia Witt) störten sich auch die Jungs meines Umfelds, dabei empfand ich damals die scharfzüngige, sarkastische, rebellische Zoey mit ihren oft abweichenden Ansichten und der Tendenz, ihre geschiedenen Eltern furchtbar peinlich zu finden, als eine tolle Identifikationsfigur. Den Satz: „Wie, mein Freund zieht zu uns? Das könnt Ihr nicht machen! Ich brauche jeden Morgen drei Stunden, um auszusehen, als wäre es mir egal, wie ich aussehe!“ habe ich oft zitiert, er hat mich zutiefst beeindruckt und ich kann darin sehr gut eine Ambivalenz zum Thema „Aussehen“ und „Styling“ erkennen, die mir auch nicht fremd ist. Auch die Aussage in einer Rezension, Zoey Woodbine sei der erste weibliche Nerd der TV-Seriengeschichte gewesen, mag vielleicht nicht zwingend wahr sein – aber sie hat mich zum Kopfnicken und eine Saite in mir zum Schwingen gebracht. Gepaart mit der zu Eso-Sachen neigenden, immer wieder über die Altersdiskriminierung gegenüber Schauspielerinnen lamentierende Cybill, der rachsüchtigen, scheinbar oberflächlichen Maryann Thorpe und der göttlichen Gestalt des Kellners in Cybills liebstem Restaurant (gespielt von Tim Maculan) entstanden Geschichten, Unterhaltungen und Plots, die mich einfach berührt haben – zum Lachen, aber auch zum Nachdenken gebracht haben sie mich auch.

Laut Cybill Shepherd wurde die Serie damals abgesetzt, weil das Network die (verbale) Darstellung weibliche Sexualität und auch die feministischen Motive nicht mochte, sie endet daher mit einem richtig fiesen Cliffhanger nach der vierten Staffel. Heute kann ich mir fast nicht mehr vorstellen, dass sich damals Leute daran störten, aber … naja, eigentlich kann ich es doch. Die einzige wirklich prominent vorkommende männliche Gestalt ist Ira Woodbine, Cybills Ex-Mann und Zoeys Vater. Der Kellner spielt zwar eine wichtige, aber nichtsdestotrotz eine Nebenrolle, hauptsächlich geht es eben um Cybill, Maryann, Zoey und anfangs auch Rachel, Zoeys ältere Halbschwester aus Cybills erster Ehe. Wie Mutter und Tochter, wie die besten Freundinnen über Sexualität und ihre Rollen in der Gesellschaft sprechen, ist durchaus nicht so oft im Fernsehen zu sehen gewesen, damals.

Was mich allerdings sehr gefreut hat: Mein Mann hat die Serie mit geschaut. Wir haben gemeinsam alle 87 Folgen angeschaut, und nach ein bisschen Fremdeln am Anfang gefiel ihm die Serie dann selbst sehr gut. Mehr denn je ist mir auch klar geworden, dass eine „gesunde“ Mischung aus Maryann Thorpe und Zoey Woodbine für mich ein Ideal meiner selbst geworden ist – mein Mann meinte daraufhin: „Wieso? So bist Du doch!“

Insofern empfehle ich Cybill auch heute noch zum Mal wieder anschauen – vielleicht mehr denn je heute wieder.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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