Von vulgären Worten und deren Umgehung

Seit einigen Jahren habe ich immer wieder Phasen, in denen ich ein Projekt bezüglich meiner gesprochenen Sprache verfolge: Ich versuche, vulgäre Worte zu vermeiden. Das klingt so weit recht damenhaft, allerdings …

Nun ja. Wer mich kennt, weiß, dass ich solche Dinge nicht ganz ohne Augenzwinkern hinbekomme. Was ich also tue, ist das Folgende:

Ich ersetze umgangssprachliche, vulgäre Worte durch bevorzugt altsprachliche Fachbegriffe oder entsprechende Abwandlungen.

In meinem letzten Blogeintrag konnte man das schon ein bisschen sehen: Dort sprach ich von einem „Rektum“ sowie dem „Glutaeus Maximus eines Primaten“. Weitere Beispiele sind der (fachlich auf die Beschimpfung besser passende) „Anus“. Die Aufforderung zu autoerotischen Handlungen ist dann doch eher etwas, was ich in diesem Duktus geißele, als es selbst anzuwenden. Der „Urinierer“ hingegen ist eine (augenzwinkernde) Beschimpfung, deren Anwendung ich mich dann doch manchmal bediene.

Die Idee stammt natürlich nicht von mir selbst. Ich bin auf die Idee gekommen, als der große, leider verstorbene Robin Williams im „Club der toten Dichter“ gewisse Einlassungen aus einem Englisch-Buch als „Exkremente“ bezeichnete. Ich fand das ziemlich großartig und habe es daher in einer schwierigen Phase meines Lebens adaptiert, in der ich merkte, dass ich WIRKLICH zu viel fluche. Als eine Kollegin, die mittlerweile nicht mehr nach Stuttgart pendelt, öfter mit mir zurück Richtung Karlsruhe fuhr, amüsierte sie sich gelegentlich köstlich über meine entsprechenden Kommentare bezügliche anderer Autofahrer, deren Verhalten ich teils berechtigt, teils aber sicher auch unberechtigt, in gestelzt ersetzten, farbigen Metaphern beschimpfte.

Eventuell geht mein Spaß an diesem kleinen Tick sogar noch weiter zurück, da ich mich eben an einen Lehrer in meiner Gymnasiumszeit erinnere, der dazu aufforderte, statt eines recht allgegenwärtigen, als vulgär eingestuften Synonyms für Exkremente doch lieber das Wort „Kot“ zu verwenden. Da man das „o“ beliebig dehnen kann, sei das doch wesentlich befriedigender … worüber man sich zweifelsfrei streiten kann! Als Gegenstück möchte ich einen englischen Austauschschüler anführen, der in einer entsprechenden Diskussion anführte, dass das deutsche Wort „kaputt“ wesentlich befriedigender sei als das englische „broken“. Hier sprechen wir zwar nicht über Vulgärsprache, aber eben doch über Begriffe, die gelegentlich doch emotional aufgeladen hervorgestoßen werden. Harte Laute mit dem Ausstoß von Speichel verbunden hervorzubringen, kann die Situation vielleicht nicht besser machen, aber enorm befriedigen.

In diesem Sinne – ein Hoch auf die bescheuerten sprachlichen Ticks, die man entwickelt – oder die man sich vielleicht verkneift.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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Eine Antwort zu Von vulgären Worten und deren Umgehung

  1. Wortman schreibt:

    Ticks sollte man feiern *lol*

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