Gegenlicht

Der November hat den Ruf, trüb zu sein – und diesen November war er das auch. Woran ich das merke?

Nichts leichter als das: Meine Pendelstrecke führt ostwärts bergauf. Wenn im Winter die Sonne tief steht, scheint sie parallel zur Fahrbahnebene den Berg runter – zwischen dem Karlsruher Dreieck und Karlsbad, genauso zwischen der Nöttinger Senke und Pforzheim West, dann nochmal zwischen Pforzheim Ost und dem Rasthof Pforzheim. Zwischen Leonberger Dreieck und Stuttgarter Kreuz kann man das auch nochmal erleben. Wenn es novembertrüb ist, fährt man völlig unbeeindruckt da hoch.

Aber wehe es wird dezemberklar und sonnig, mit schön klar-kalter Atmosphäre. Man fährt direkt in die Sonne hinein, sie scheint parallel zur Straße, völlig unbeeindruckt von Sonnenblenden im Auto, direkt in die Augen. Würde man eine Sonnenblende installieren, die dagegen hilft, sähe man auch die Straße nicht mehr. Sonnenbrille hat kaum jemand so schnell zur Hand – oder zumindest mal der Vorderste in der Schlange nicht. Prompt geht die Geschwindigkeit bei sowieso schon ansteigender Strecke auf im Rahmen der Unsicherheit mit Null kompatible Werte runter, und in Fahrt kommt man auch nicht mehr – denn es geht ja den Berg hoch.

Memo an selbst: Sonnenbrille nicht in der Laptoptasche lassen, weil ich nach dem Aussteigen nicht gleich wieder an’s Wechseln auf normale Brille gedacht habe.

Advertisements

Der Transitus Interruptus

Disclaimer: Ich habe kein Latein gelernt. Allerdings habe ich versucht, witzig zu sein.

Vorkommen: Auf zwei- oder mehrstreifigen Autobahnen, quasi überall. Besonders häufig bei sich verändernder Steigung oder an strenger werdenden Geschwindigkeitslimits. Besonders ärgerlich auf zweistreifigen Autobahnen!

Symptome: Ein LKW, seltener ein PKW, versucht einen weiteren LKW, PKW oder ein Gespann zu überholen. Allerdings wird das für geraume Weile nichts … und so blockiert der Überholer bei fast gleicher Geschwindigkeit die Spur links neben der ganz rechten Spur – im schlimmsten Falle die einzige Spur, auf der man das Elefantenrennen passieren könnte. Langsam, ganz langsam schiebt der eigentlich zu Überholende sich wieder nach vorne. Quälend langsam sieht’s der Überholende ein und wechselt nach begonnenem, versuchtem und nicht geschafftem Überholen wieder rechts rein – und zwar HINTER dem, den er eigentlich überholen wollte.

Unterstellte Ursachen: Selbstüberschätzung der eigenen Motorenleistung – oder die Angst, in dem strikteren Geschwindigkeitslimit der Überschreitung überführt zu werden. Oft auch schlicht: Der wollende Überholer ist tatsächlich ein winziges Bisschen schneller, doch dann verändert sich die Steigung und damit dreht sich das Verhältnis um.

Nervfaktor: Zum Haare Raufen! Elefantenrennen mit Erfüllung des angestrebten Höhepunkts (erfolgreiches Überholen) kann den Hinterherfahrenden schon ziemlich nerven – aber dann schafft der’s nichtmal, vorbeizukommen!

Die Verengungs-Aufwerfung

Vorkommen: Auf Autobahnen oder mehrstreifigen anderen Straßen, kurz vor der Verengung auf einen Fahrstreifen weniger. Gerne auch ohne Verengung, nur mit einsetzendem LKW-Überholverbot.

Symptome: Es stockt, ein Drittel der LKW scheren aus – das Ende des dritten Fahrstreifens ist da meist schon angesagt, das LKW-Überholverbotsschild in Sicht. Die PKW auf dem linken bzw. den zwei linken Fahrstreifen stocken ebenfalls. Ein oder mehrere LKW auf der mittleren bzw. linken Spur blinken rechts, direkt vor einem LKW-Überholverbotsschild, aber es ergibt sich keine Lücke – entweder lässt niemand den Blinkenden rein oder er stockt rechts so stark, dass keine Lücke aufziehbar ist. Direkt hinter dem „verzweifelt“ nach rechts wollenden LKW läuft’s für die PKW wieder.

Unterstellte Ursachen: Opportunismus der unter massivem Druck stehenden LKW-Fahrer. Es stockt, sie sind ohnehin spät dran oder haben unrealistische Fahrzeitvorgaben. Also schert man nach links aus und denkt sich: „Wird mich schon einer reinlassen, wenn dann die Spur sich verengt.“ Das ist natürlich unrealistisch, aber die PKW-Fahrer haben ja schließlich nicht diesen Druck – zumindest unterstellt der Brummi-Fahrer das, weil er einfach nur den eigenen (sicher krasseren) Druck spürt. Aber wenn’s schon 600m vor der Verengung stockt, wie realistisch ist es dann, dass weiter vorne mal so auf die Schnelle ’ne Lücke da ist?

Nervfaktor: Rein von der individuellen Situation her: Geht so. Schließlich hat man direkt nach dem verursachenden Rechtsblinker, der nicht reingelassen wird oder werden kann, ja wieder freie Fahrt, kann ein bisschen schimpfen und kommt voran. Generell: Unglaublich nervig, weil es ein Symptom für die Krankheit des Fracht-Fahr-Gewerbes ist, das mit zunehmend unrealistischen Vorgaben und enormem Druck auf die Fahrer für viele problematische Situationen auf der Autobahn verantwortlich ist, die mit realistischen, dem starken Verkehr Rechnung tragenden Vorgaben an die Fahrer wohl weit seltener auftreten würden.

Siehe auch Die Düne

Paradigmen-Wechsel

In den letzten Monaten ging mir die Häufung von Baustellen, Unfällen und dergleichen auf meiner Pendelstrecke immer mehr auf die Nerven. Die Fahrbahnerneuerung am Leonberger Dreieck war nur die Spitze des Eisbergs, auch wenn sie schon ziemlich mächtig die Fahrzeiten verlängerte. Vielleicht sollte ich lieber von Steh- oder Dahinzuckel-Zeiten sprechen …

Jedenfalls sorgte der Frust über die ganze Herumsteherei auf der Autobahn dafür, dass ich es auf den freien Abschnitten immer mal „laufen ließ“. Mein kleines Auto ist sicher kein Rennwagen und es liegt mir fern, zu drängeln oder zu rasen. Aber auf unbegrenzten Abschnitten bei freier Strecke – da ist es schon verlockend, auch mal zu testen, ob der kleine Aygo 160km/h oder gar 170km/h schafft …

Nun habe ich vor einiger Zeit ein Feature meines Bordcomputers (wieder-)entdeckt: Man kann die Anzeige des abgeschätzten Spritverbrauchs minutenweise als Balkendiagramm auf dem großen Bildschirm in der Mitte anzeigen lassen. Klar, für mich als Freundin von Daten und Statistiken ist das verlockend. Dazu habe ich mir vor Augen geführt, wie viel solche 160-170km/h-Passagen an Zeitgewinn bringen, wenn ich sie mit 100-120km/h lässig auf der mittleren oder gar rechten Spur im Verkehr Mitschwimmen vergleiche. Und so ergab sich in der letzten Woche der die Überschrift stiftende Paradigmen-Wechsel: Statt zwei oder drei Minuten früher daheim anzukommen, machte ich es mir zum Sport, gemütlich und sparsam zu fahren, weder die Höchstgeschwindigkeit noch die Beschleunigung voll auszunutzen – und siehe da: Für im Schnitt fünf Minuten mehr Zeit auf meiner Strecke – das entspricht 10% länger Fahren – waren auch 10% weniger Spritverbrauch drin. Über die absolute Normierung der Anzeige brauchen wir nicht zu sprechen – die kann durchaus geschönt sein. Ich argumentiere allerdings in relativen Einheiten. Und somit komme ich entspannter zuhause an, freue mich über rund 30 Euro weniger Ausgaben für Sprit jeden Monat, wenn ich es so beibehalte und laufe noch seltener als ohnehin schon Gefahr, irgendwo eine Regel zu brechen.

Manchmal erschreckt es mich allerdings auch ein bisschen, wie über den Baustellenfrust und einiges mehr meine Fahr-Prämisse schleichend von „Ich fahre vorsichtig, langsam und entspannt“ zu „hui – so schnell kann man hier selbst mit meinem schwach motorisierten Kleinwagen fahren“ wurde.

Nummernschildspaß

Heute auf der Autobahn fuhr vor mir her:

Ein Fahrzeug mit dem Kennzeichen BOR-CK … selbst wenn ich mir die Zahl gemerkt hätte, ich würde sie wegen des Datenschutzes nicht posten. Der lustige Part daran war, dass das nächste Auto das Kennzeichen BIR-CK hatte. Natürlich kann man nun anhand der Häufigkeit der Kennzeichen von Borken und Birkenfeld berechnen, wie wahrscheinlich das ist, einige hundert Kilometer vom jeweiligen Ort entfernt. Ich fand vor allem lustig, im ersten Fall einen (falsch geschriebenen) Bestandteil der Baumrinde herauslesen zu können und im zweiten Fall einen (ebenfalls falsch geschriebenen) Baum. Besonders auffällig war’s natürlich, fünf Buchstaben (so viele dreibuchstabige Kennzeichen gibt es ja gar nicht) auf einem Kennzeichen zu sehen, und direkt danach ein anderes, nur um einen Buchstaben davon verschiedenes Kennzeichen – das weckt natürlich den für Assoziationen zuständigen Teil meines Kopfs!

 

Tethys in Groß!

Die Welt meines Buches – den Planeten Tethys mit seinen beiden großen Kontinenten im Norden und im Süden – habe ich vor geraumer Weile mit Buntstiften und einem A3-Zeichenblock zu Papier gebracht. Nun war einiges an „Massage“ nötig, die Bilder fit zu machen für die Darstellung in einem eBook, bei dem man ja auch Schwarz-Weiß-Darstellung berücksichtigen muss.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die wundervollen blauen Meeresstreifen vor den Küsten fielen einer langwierigen, anstrengenden, aber nötigen Bearbeitungs-Aktion zum Opfer. Mein Mann hat das für mich gemacht und ich weiß gar nicht, wie ich ihm für die viele, stupide Klick-Arbeit danken soll!

Hier möchte ich nun aber die ursprünglichen Bilder zeigen:

Zunächst der Nordkontinent mit der auf ein gewaltiges Impakt-Ereignis zurückgehenden Struktur um den Nordpol, dem ambossförmigen dontischen Subkontinent, den weiten Fluss-Ebenen Nord-Sinros und den gewaltigen Gebirgen der Bao. In der oberen, linken Ecke ist die lange, schmale Halbinsel Arselias zu sehen. Das ist die einzige Stelle, an der Nord- und Südkontinent aneinander grenzen. Ansonsten – also fast überall – wird der Äquator von dem riesigen, breiten und tiefen Tethys-Meer eingenommen, welches durch seine schiere Größe Namensgeber des Planeten ist.

tethys-nord

Nun der Südkontinent. Dominiert wird er von der gewaltigen Landmasse in der rechten Bildhälfte, die teils auch durch die auf der Südhälfte des Planeten wieder zusammenlaufenden Schockwellen des Nordpol-Einschlags aufgeworfen wurde. Unten im Bild ist das zerfurchte Darr’Eten zu sehen, am linken Rand des Bildes liegt Quenliik, ein wichtiger Schauplatz meines Romans. Im Norden sind das matriarchisch geprägte Kimyaro und das raue, auf einer gewaltigen vulkanischen Insel liegende Sorheymhald zu sehen.

tethys-sued

Das Buch selbst – mit dem Glossar und darin ein paar Erklärungen zur Welt Tethys – ist unter Veröffentlichungen zu finden. Alternativ kann es auch über die Webseite des Bayer Verlags bezogen werden.

Von vulgären Worten und deren Umgehung

Seit einigen Jahren habe ich immer wieder Phasen, in denen ich ein Projekt bezüglich meiner gesprochenen Sprache verfolge: Ich versuche, vulgäre Worte zu vermeiden. Das klingt so weit recht damenhaft, allerdings …

Nun ja. Wer mich kennt, weiß, dass ich solche Dinge nicht ganz ohne Augenzwinkern hinbekomme. Was ich also tue, ist das Folgende:

Ich ersetze umgangssprachliche, vulgäre Worte durch bevorzugt altsprachliche Fachbegriffe oder entsprechende Abwandlungen.

In meinem letzten Blogeintrag konnte man das schon ein bisschen sehen: Dort sprach ich von einem „Rektum“ sowie dem „Glutaeus Maximus eines Primaten“. Weitere Beispiele sind der (fachlich auf die Beschimpfung besser passende) „Anus“. Die Aufforderung zu autoerotischen Handlungen ist dann doch eher etwas, was ich in diesem Duktus geißele, als es selbst anzuwenden. Der „Urinierer“ hingegen ist eine (augenzwinkernde) Beschimpfung, deren Anwendung ich mich dann doch manchmal bediene.

Die Idee stammt natürlich nicht von mir selbst. Ich bin auf die Idee gekommen, als der große, leider verstorbene Robin Williams im „Club der toten Dichter“ gewisse Einlassungen aus einem Englisch-Buch als „Exkremente“ bezeichnete. Ich fand das ziemlich großartig und habe es daher in einer schwierigen Phase meines Lebens adaptiert, in der ich merkte, dass ich WIRKLICH zu viel fluche. Als eine Kollegin, die mittlerweile nicht mehr nach Stuttgart pendelt, öfter mit mir zurück Richtung Karlsruhe fuhr, amüsierte sie sich gelegentlich köstlich über meine entsprechenden Kommentare bezügliche anderer Autofahrer, deren Verhalten ich teils berechtigt, teils aber sicher auch unberechtigt, in gestelzt ersetzten, farbigen Metaphern beschimpfte.

Eventuell geht mein Spaß an diesem kleinen Tick sogar noch weiter zurück, da ich mich eben an einen Lehrer in meiner Gymnasiumszeit erinnere, der dazu aufforderte, statt eines recht allgegenwärtigen, als vulgär eingestuften Synonyms für Exkremente doch lieber das Wort „Kot“ zu verwenden. Da man das „o“ beliebig dehnen kann, sei das doch wesentlich befriedigender … worüber man sich zweifelsfrei streiten kann! Als Gegenstück möchte ich einen englischen Austauschschüler anführen, der in einer entsprechenden Diskussion anführte, dass das deutsche Wort „kaputt“ wesentlich befriedigender sei als das englische „broken“. Hier sprechen wir zwar nicht über Vulgärsprache, aber eben doch über Begriffe, die gelegentlich doch emotional aufgeladen hervorgestoßen werden. Harte Laute mit dem Ausstoß von Speichel verbunden hervorzubringen, kann die Situation vielleicht nicht besser machen, aber enorm befriedigen.

In diesem Sinne – ein Hoch auf die bescheuerten sprachlichen Ticks, die man entwickelt – oder die man sich vielleicht verkneift.