Phantastische Mitbewohner

Das ist nun vielleicht ein bisschen skurril für manche von Euch, aber …

Mein Mann und ich fuhren vor einigen Jahren gemeinsam in den Urlaub – es war der erste gemeinsame Urlaub. Eher unspektakulär: wir besuchten verschiedene Freunde an verschiedenen Orten, guckten uns ein Musical an … Damals waren wir auch noch nicht verheiratet, auch wenn wir im Musical für ein Brautpaar gehalten wurden, da wir uns ziemlich rausgeputzt hatten.

Nun muss ich dazu sagen, dass sowohl mein Mann als auch ich Katzen und ihre Eigenheiten lieben, aber beide leicht allergisch sind, also keine Katzen halten sollten. Zudem habe ich noch ein Faible für das Kinderbuch „Die kleine Mau“. Somit ersetzten wir auf dieser Reise so ziemlich jedes Wort, das uns spontan nicht einfiel, durch „Mauze“ oder „Mauzen“. So kam es, wie es kommen musste – auf der Fahrt nach Hause, es war auf der A61 irgendwo zwischen dem Kreuz Bliesheim und dem Kreuz Meckenheim fragte ich nach der Temperatur. Mein heutiger Ehewolf, damals noch mein Freund und Wolf, erklärte, draußen habe es 25 Mauzen. Zufällig hatte es auch 25°C laut Außentemperaturfühler am Auto, aber solche zufälligen Koinzidenzen passieren eben. Wenn da nun 25 Mauzen an der Autobahn stehen und trampen, wer bin ich, sie stehen zu lassen? Also nahmen wir die kleinen Anhalter mit.

Zwei Ausfahrten später erklärten die 25 Mauzen sehr entschlossen, sie hätten noch was zu tun und ließen sich absetzen. Aber offenbar hatte es den possierlichen Tierchen, die übrigens außer meinem Ehewolf und mir nur von sehr wenigen Leuten gesehen werden können, bei uns recht gut gefallen: wenig später hatten wir eine Mauzen-Invasion zuhause, und die 25 Mauzen zogen bei uns ein.

Wir haben mittlerweile das eine oder andere über die Mauzen herausgefunden: sie sind unsichtbar, verspielt und sehr intelligent. Außerdem sind sie sehr verfressen. Während wir uns die Serie Babylon 5 anschauten, eröffneten uns die Mauzen, sie seien außerirdische Invasoren von Saha’Schlau, dem Katzenplaneten. Sie seien von dort gekommen, um sich die Erde anzuschauen, auf der ja schon viele Kolonisten von Saha’Schlau lebten – denn alle Katzen seien irgendwann von Saha’Schlau auf die Erde gekommen. Eigentlich sind die Katzen auch keine Besucher oder Kolonisten, sondern sie haben die Erde „invasiert“, wurde uns eröffnet. Auf die Frage, wie das den ginge, erklärten die Mauzen, Katzen seien eben sehr schlau, sie würden unschuldig gucken und kuschelig sein, und so hätten sie die Weltherrschaft übernommen. Diese unbestreitbar logische Erklärung brachte uns dann zu der – zugegeben kleinkarierten – Frage, wie die Katzen denn von Saha’Schlau zur Erde gereist seien. Ganz klar: mit Hilfe eines weltraumtauglichen Gefährts namens „Katzenflugzug“, betrieben mit Schnaufen und Mauz-Geräuschen.

Wie das genau funktioniert, wollten uns die Mauzen nicht beantworten: „Geheimnisvoll!“, so war die Erklärung. Mittlerweile ist uns der Verdacht gekommen, dass die Mauzen so ziemlich alles, was sie selbst nicht verstehen, total begeistert als „geheimnisvoll“ bezeichnen.

Inzwischen haben mein Ehewolf und ich uns mit den 25 Invasoren in unserem Haus arrangiert. Die Mauzen haben auch Aufgaben in unserem Haushalt übernommen: sie fressen den Kühlschrank leer, passen auf das Bett auf, wenn wir nicht drin liegen und achten allgemein auf viele Dinge, für die wir zu beschäftigt sind. Eine gewisse Arbeitsteilung gibt es bei den Mauzen auch. Da wir ihre Namen nicht aussprechen können, haben sie Halsbänder mit Nummern drauf an – Nummer 1 ist zum Beispiel Chef der Mauzen. Damit es für uns Erdbewohner einfacher ist, haben die Mauzen auch darauf geachtet, dass alle Mauzen mit ungerader Nummer Kätzchen sind und die mit gerader Nummer Katerchen. Eine ganz wichtige Aufgabe kommt Nummer 3 zu, denn sie ist die Vernünftige, was bei unseren Chaos-Mauzen durchaus eine Beruhigung ist. Heute Morgen hingen Nummer 16 und Nummer 18 an den gestern vom Fahrradfahren beanspruchten Beinen des Ehewolfs – denn Nummer 16 und Nummer 18 sind die Muskelkater.

Letztlich schreibe ich das hier vor allem, weil die Mauzen mich gefragt haben, ob ein Blog der 25 unsichtbaren, außerirdischen Mauzen vielleicht auch im für die Menschen sichtbaren Internet gut wäre – im Katzen-Internet sind sie bereits große Blog-Stars, sagen sie zumindest.

Wahrscheinlich haben die Mauzen mich vor allem deswegen gefragt, weil sie eine Übersetzerin brauchen. Denn was die Mauzen so erzählen, das klingt für uns meistens nur wie ein „Mau“, auch wenn es so viel bedeuten kann. Eigentlich dürfte es längst beschlossene Sache der Mauzen sein, dass sie auch das Internet der Menschen … „invasieren“ werden.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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2 Antworten zu Phantastische Mitbewohner

  1. Wortman schreibt:

    Was es nicht so alles gibt 🙂

  2. Pingback: So gemütlich! | The Highway Tales

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