Renneritis …

Nach der Phase mit dem Schwindel – siehe vorangegangener Beitrag – hatte ich eigentlich gewisse Bedenken, heute Laufen zu gehen. Aber ich hatte mir zumindest mal vorgenommen, jedes Wochenende laufen zu gehen … und das wollte ich dann doch nicht brechen.

Nun ging es mir heute den Tag über wieder richtig gut, der Schwindel war weg, und auch bei einem Spaziergang habe ich nur den üblichen leichten Drall gespürt, den ich nun einmal habe, wenn ich die Augen zu mache. Ob das an der Gehwegneigung liegt oder an meinen unegalen Beinen – keine Ahnung, Jedenfalls war alles normal, also dachte ich: Ja, gehst Du mal laufen! Gesagt, getan. Und ich habe nun das erste Mal dieses Jahr nicht meine butterweich-gelgepolsterten Asics benutzt, sondern die Mizuno Waves.

Zudem flatterte mir gestern, als ich schon langsam wieder sitzen konnte, eine Anregung auf den Bildschirm: Eine Freundin postete auf Facebook eine Arte-Reportage über die Evolution des Laufens und über Five-Fingers oder auch Barfußschuhe oder wie auch immer. Jedenfalls habe ich mich dann damit ein bisschen befasst und den Plan gefasst, auch ein solches Paar Schuhe anzuschaffen. Natürlich ist heute noch keines da …

… aber dennoch habe ich ein bisschen bewusster zu Laufen versucht. Ich habe versucht, auf dem Ballen aufzukommen, die Feder in meiner Wade zu spüren, die viel Energie für den Absprung speichert, ich habe Laufübungen mit den Fersen zum Hintern und den Knien vorne hoch gezogen gemacht. Freilich kam da trotz der „schnellen“ Schuhe kein schneller Lauf raus. Aber interessant war es allemal. Ich habe gemerkt, dass es sich viel besser anfühlte, wenn man auch mal sowas einbaut. Nun bin ich supergespannt, wie Five-Fingers, wenn ich denn mal welche habe, mein Laufgefühl verändern werden. Schneller will ich eigentlich nicht wieder laufen. Naja, ein bisschen schneller als jetzt geht schon, aber ich will mit niedrigen Pulsfrequenzen laufen, nicht an die Grenze gehen. Bewusster Laufen, auch die Technik mehr beachten.

Ich hoffe, die Vorsätze halten. Denn ich denke, das wird mir gut tun. Besser als einfach nur das Tempo zu maximieren, oder die Strecke oder beides.

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Schwindel

Nun habe ich zwei Tage ganz ausgesetzt. Keine Arbeit, kein in der Gegend Herumlaufen, kein Sport. Nicht einmal besonders viel Denken.

Denn ich hatte etwas, das mein Arzt als einen „Lagerungsschwindel“ bezeichnete. Sprich: Ich war für zwei Tage nicht in der Lage, mich richtig zu stabilisieren, konnte nicht gerade gehen, noch nicht einmal besonders lange Sitzen. Denn der Kopf drehte sich, alles schwankte. Mein Mann musste mich stützen auf dem Weg zum Auto, dann auf dem Weg vom Auto zum Arzt. Er hat extra seinen Gang zur Arbeit verzögert, um mich zum Arzt zu bringen und dann wieder nach Hause zu fahren.

Besonders krass war, dass das Ganze dann auch noch mit einem Spannungskopfschmerzanfall zusammenkam. Schwindel bis zum Umkippen, nicht mehr leicht bewegt Dasitzen ohne sich festzuhalten, Erbrechen – ein unwürdiger Zustand. Und nun, nach zwei Tagen, ist der Spuk schon fast wieder vorbei, manchmal „laufen“ Bewegungen im Kopf ein bisschen „nach“, gerade wie das Scrollen auf dem Smartphone. Aber ansonsten ist alles wieder in Ordnung – nach zwei Tagen Hölle.

Ich hoffe, heute Abend schon wieder laufen zu können, aber natürlich werde ich es mit Vorsicht tun. Allerdings muss ich sagen – dieser Anfall hat mir sehr deutlich gezeigt, wie zerbrechlich der Lebensstil ist, den ich eigentlich führe. Mehr noch als meine Colitis Ulcerosa.

Königsbach-Stein, Bad Herrenalb und Wilferdingen …

Man sollte meinen, wenn man regelmäßig eine bestimmte Strecke fährt, auf der man Autobahn fahren kann, kennt man vor allem die Autobahn. Und ganz falsch ist das auch nicht.

Aber im Laufe der heutigen Fahrt habe ich festgestellt, wie sehr ich inzwischen auch mit den Ausweichstrecken vertraut bin. Naja, eigentlich habe ich das auch schon gestern festgestellt, als wir von Karlsruhe über die B10 nach Pforzheim gefahren sind, und dann durch die Nordschwarzwald-„Wallachei“ nach Hohenwart.

„An der Ecke muss man ja gar nicht nach Pforzheim rein, sonst muss man ein Stück wieder zurück, um südlich raus zu fahren.“ Das sagte ich an der Ampel zwischen Wilferdingen und Pforzheim, wo wir rechts abbogen, um dann ein wenig weiter südlich nach Pforzheim zu fahren. Meinen Mann wies ich später auf der Heimfahrt darauf hin, dass demnächst der Wattkopftunnel käme – wir hatten einen Bekannten in Spielberg abgesetzt und waren dann wieder auf dem Weg durch das Alb- in das Rheintal. Und heute auf der Heimfahrt zeichnete ich die Umgehung des fiesen Staus auf der A8 via Pforzheim-Nord, Königsbach-Stein, Wilferdingen und Karlsruhe-Stupferich nach, bevor Google Maps dazu kam, sie mir zu empfehlen.

Nicht, dass es mich stören würde, aber es fiel mir sehr stark auf, wie sehr ich auch die Umgebung der A8 nun inzwischen kenne – früher dachte ich, es gäbe keinerlei Alternativen zur A8, wenn sie mal dicht sei. Aber inzwischen weiß ich für so gut wie jeden Abschnitt eine halbwegs adäquate Möglichkeit, schneller als im Stau zwischen den Ausfahrten voranzukommen.

Es mag banal klingen – und das ist es auch. Und dennoch ist’s ein Moment der Erkenntnis gewesen.

Kollateralschaden

Ich sehe schon jetzt eine Woche mit viel Stau, viel Frust auf der Autobahn voraus. Nicht, weil ich pendle. Auch wenn viele Leute in meinem Umfeld die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, dass ich pendle, und dann auf welcher Strecke – normalerweise kriege ich das ganz gut auf die Reihe. „Wie hältst du das aus?“, fragt man mich. Aber so schwer ist das gar nicht, es gibt Mechanismen, damit umzugehen. Und die funktionieren im Moment bei mir ganz gut.

So lange die Straße halbwegs frei ist und ich nicht mehr als das Anderthalbfache der Zeit benötige, die auf einer freien Straße nötig wäre. Aber genau das kündigt sich gerade an. Der Lokführerstreik hat in der Vergangenheit immer wieder dazu geführt, dass die Straßen voll waren – nicht nur um Stuttgart, wo ja auch die S-Bahn von der Deutschen Bahn betrieben und damit vom Streik betroffen ist. Sondern auch an den derzeitigen Engpässen auf der A8. Sowohl an der Baustelle zwischen Pforzheim West und Karlsbad in beiden Richtungen als auch an der Anschlussstelle Pforzheim Ost bricht sich der Verkehr des öfteren, selbst wenn nicht mehr Leute – und vor allem eine Menge mehr Leute ohne die Erfahrung täglichen Auto-Pendelns auf der Straße sind. Es kündigt sich also eine Woche an, in der ich viel auf der Straße stehen werde.

Aber warum das Ganze? Ich bezweifle, dass ich die genauen Modalitäten des Tarifstreits bei der Bahn verstanden habe. Natürlich lese ich darüber Nachrichten, auch Kommentare und dergleichen. Aber im Kern der Sache muss doch mehr sein, als einfach nur die Frage, welche Berufsgruppen von einer Spartengewerkschaft zusätzlich zu deren eigentlicher Sparte neu mit vertreten werden, oder? Weil wenn es nämlich wirklich nur um diesen Punkt ginge – und somit die Berichte, die ich lese, die Kommentare, richtig sind …

In diesem Falle, unter dieser Prämisse ist eigentlich nur ein Schluss möglich: die GDL, der Herr Weselsky und wer immer diesen Streik mit trägt, handeln verantwortungslos und unverantwortlich. Mehr noch, sie handeln bewusst schädlich, um Machtinteressen durchzusetzen. Eine nicht unbeträchtliche Menge Menschen in Deutschland pendeln über nicht unbeträchtliche Strecken zu ihrer Arbeit – um ihr Lebensumfeld nicht zu verlieren, wenn sie an anderer Stelle Arbeit gefunden haben. Diesen Menschen, ob sie nun in bestreikten Bahnen zur Arbeit fahren würden oder auf durch den Streik verstopften Straßen, sagt der GDL-Streik: „Eure Lebenszeit, Eure Arbeitszeit ist weniger wert als ein Machtkampf zwischen zwei Gewerkschaften.“ Ich weiß nicht, was sich die Zugbegleiter und Rangier-Lokführer in der GDL davon versprechen, von der GDL statt der EVG vertreten zu werden. Vielleicht sollten sich GDL und EVG einfach zusammensetzen, wenn man sich eben durch die „Schlagkraft“ der Lokführer bei Streiks erheblich bessere Tarifabschlüsse verspricht, und gemeinsame Strukturen entwerfen und die Bahn für ALLE Zugbegleiter und alle Lokführer, ob nun Rangier- oder nicht unter Druck setzen. Vermutlich würde damit ein für alle passables Ergebnis erzielt, dessen Lohnsteigerungen deutlich über z.B. dem TV-L-Abschluss, der mich betrifft, liegen würde. Und die Streiks wären erheblich schneller gegessen.

Noch ein Gedanke zum Schluss: Ich habe vor Zusammenschluss von Forschungszentrum Karlsruhe und Universität Karlsruhe dort meine Promotion begonnen. Ich saß am Forschungszentrum, war aber durch die Uni angestellt – im selben Büro saßen Doktoranden mit Forschungszentrums-Verträgen. Nicht, dass ich mich über die Modalitäten beschweren will, sicher nicht. Aber die Bezahlung war signifikant unterschiedlich, dafür war die Zahl der Urlaubstage anders ausbalanciert, daneben gab’s noch Stipendien, die wieder anders dotiert waren – wenn Menschen nebeneinander dasselbe tun, aber zu sehr unterschiedlichen Bedingungen, dann schürt das Neid und Unfrieden und Unzufriedenheit. Frust ist nicht gut für das Arbeitsklima, und ein schlechtes Arbeitsklima ist nicht gut für Mitarbeiter und nicht gut für das Unternehmen. In dieser Hinsicht kann ich aus meiner (zugegebenerweise kleinen und unbedeutenden) Erfahrung heraus sagen, dass konkurrierende Tarifabschlüsse vermeiden zu wollen eine sinnvolle Doktrin der Bahn darstellt.

Und nach diesen Gedanken habe ich um so weniger Verständnis für den Streik, der mich vermutlich auf meiner heiß gehassliebten A8 diese Woche einige Nerven kosten wird.

On The Run

Es hat lange gedauert, bis ich mich wieder dazu aufgerafft habe. Aber ich laufe wieder.

Hier die Ausreden: Ich hatte einen Schub meiner Colitis Ulcerosa – und zwar einen ziemlich lang anhaltenden. Einige Wochen vergangenen Sommer, über die ich auch meinen Halbmarathon absagen musste. Und dann, tja, dann war irgendwie wieder Anfangen verdammt schwer. Im Winter kam noch ein Schub, und außerdem kam das Immunsuppressivum Azathioprin gegen die Colitis Ulcerosa … und die Ansage, ich dürfe damit nicht all zu viel Leistung abrufen.

Und so ging es nun eine Weile – bis ich mir sagte, es könne nicht sein: Ich weiß, dass Sport meinem Rücken und meinem Gesamtbefinden gut tut. Ich weiß, dass wenn ich regelmäßig laufe, ich weniger Kopfschmerzen habe. Wie verdammt nochmal kann es sein, dass ich eben genau nicht laufe, und jedes zweite, teils jedes Wochenende einen Tag völlig an die Kopfschmerzen verliere?

Gar nicht. Genau. Und somit laufe ich wieder. Langsam immer im Bereich für meine früheren Verhältnisse sehr niedriger Pulsfrequenzen. Aber ich mach’s wieder und es hat schon so weit geholfen, dass ich trotz zweimaligem Ansatz zu Kopfschmerzen vergangenes Wochenende nur mal zwei Stunden ausgesetzt habe, nicht einen ganzen Tag. Und dieses Wochenende scheint es erstmal gut zu bleiben!

Laufen schafft Lebensqualität!