Dreckschleuder

Heute Morgen fuhr ich auf meinem kleinen ersten Stück über die Obere Hardt – also zwischen Bietigheim und Muggensturm – hinter einem knallorangen, uralten Golf mit oranger Heckscheibe her. Auf das Kennzeichen habe ich nicht geachtet, ich könnte also nicht mal – naja – Kennzeichen-Calling machen, wenn ich es wollte.

Was mir nämlich viel mehr auffiel, war die schwarze, hässliche Wolke, die bei jedem Anfahren aus dem etwas ausgefranst aussehenden Auspuff herausqualmte. Eine Mischung aus Geruch nach Treibstoff, Russ und noch mehr kam durch die Lüftung, bis ich sie vorübergehend auf Innenzirkulation stellte. Und dabei habe ich mir gedacht: „Meine Güte, Tally, Du fährst ein möglichst kleines Auto, das möglichst wenig Sprit verbraucht, lässt Dein Abgassystem in Ordnung halten, um einerseits möglichst wenig Sprit in die Maschine rein zu schütten, andererseits auch möglichst wenig Abgase – ob nun Kohlendioxid oder anderer Schadstoffe – rauszublasen. Und da fährt so einer und haut sorglos Ruß, unverbrannten Sprit und allen möglichen Schrott in die Umwelt … “

Natürlich habe ich wenig Berechtigung, mich über Umweltsünder aufzuregen. Meine Kohlendioxid-Bilanz ist durch das Pendeln nicht besonders gut. Aber andererseits: Ich versuche, an den Stellen, wo es im Rahmen meiner Möglichkeiten geht, zu minimieren. Ich werde auch als nächstes Auto sicher keinen großen, leistungsstarken Wagen kaufen, schon allein, weil mir mein Geld viel zu schade ist. Einerseits kostet eine große Maschine viel Geld, und andererseits verbraucht so ein größerer Wagen viel Sprit. Und bei den Distanzen, die ich im Jahr zurücklege, zählt jeder Hundertstelliter auf 100 Kilometer. Aber andererseits ist die Feinstaub- und Schadstoffproblematik eine aktuelle. Nicht nur in Sachen Klima, sondern auch in Sachen Gesundheit von Mensch und anderen Lebewesen, insbesondere in Städten. Und gerade da denke ich mir: muss das sein? Oder auch: „Tut das Not, dass der Autowagen so viel Ruß ausstößt?“

Sorry für einen kleinen, vielleicht etwas selbstgerechten Zwischenruf am Morgen.

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Vom Pendeln und es Überleben

Das ist so ein Ding, das ist gar nicht so einfach zu beschreiben. Denn auch wenn ich gerne locker-flockig, leicht sarkastisch, aber eben doch in bunten Farben das Pendeln als nette Erweiterung der Freizeit beschreiben mag – so ist es nun eben doch nicht.

Es sind täglich zwei Stunden, meist ein bisschen mehr, die ich im Auto sitze. Das ist eine ganze Menge Lebenszeit. Und ich weiß das. Denn ich merke es die ganze Zeit. Nun gibt es so das eine oder andere Werkzeug, die Zeit rum zu kriegen. Klar. Ich höre auch Radio, SWR3 meistens. Ist in der Regel nicht voll meine Musik, wobei, morgens schon. Selten, im Stau, kann’s auch mal auf Rumfummeln am Handy rauslaufen – aber so mit Handy in der Hand mit 120 auf der linken Spur, den Blick nach unten, das mache ich nicht. Das habe ich heute morgen gesehen, und wahrscheinlich schreibe ich das hier gerade genau deswegen, weil ich so einen Kandidaten heute morgen auf der Spur neben mir gesehen habe.

Aber es gibt noch andere Dinge. Denn Autofahren lastet den Geist nur dann voll aus, wenn’s wirklich eng ist, viel los ist, wenn es drauf ankommt. Wenn wenig los ist, wenn es im Stau langsam, aber stetig geht – da setzt die Unterforderung ein. Und ich würde sagen: Eine Stunde am Stück Autofahren könnte ich auch nicht, ohne Unfälle zu bauen, wenn es meinen vollen Geist fordern würde. Aber wie oben gesagt: Am Handy Spielen, das ist saugefährlich. Und nur Radio Hören reicht nicht.

Was ist es also, was für mich die zwei Stunden Fahrt, je eine vor und nach der Arbeit, ertragbar macht? Nachdenken. Nachdenken kann man ganz gut pausieren, wenn gerade der volle Geist gebraucht wird. Nachdenken kann man auch mal auf halber Flamme. Ich spreche gerne von zwei Dritteln meiner Aufmerksamkeit, die zum normalen Fahren gebraucht werden. Das restliche Drittel kann auf Reisen gehen, sofern es bei Bedarf ohne Verzögerung wieder da ist. Das ist beim Spielen am Handy nicht der Fall, mal davon abgesehen, dass ich nicht weggucken muss, um zu Denken.

Und was denke ich nun? Gelegentlich ist es die Arbeit. Dieses und jenes muss getan werden, das fehlt noch, sowas in der Art. Auch wie ich bestimmte Aufgaben angehe, wie ich Tasks dann letztlich ausführe, ist manchmal Thema. Aber eigentlich eher selten und nur dann, wenn es mir zu viel ist mit der Arbeit – ganz besonders dann kann ich auf der Fahrt nicht davon weg.

Wenn es mir gut geht, wenn alles richtig läuft, spielt in meinem Kopf anderes. Und zwar meine Phantasie. Die braucht keine Bilder, keine Töne von außen. Und ich glaube, das ist auch das Geheimnis, warum das so gut funktioniert, mit dem Multitasking mit dem Autofahren daneben: Weil die mentalen Filter für visuelles und akustisches Wahrnehmen von meinen Gedanken nicht benutzt werden. Die Filter sind nämlich wichtig – ohne die internen Filter der Wahrnehmung ist Autofahren nicht möglich, vor allem das Ausfiltern von fahrrelevanten visuellen, aber auch das Ausfiltern von fahrrelevanten akustischen Reizen gegenüber dem großen, breiten Grundrauschen ist entscheidend für die Sicherheit. Handy-Manie, sogar Radio beansprucht diese Filter. Denken nicht.

Und nun, was denke ich denn? Da ist eine Menge. Meine Phantasie ist Geschichten erzählend. Da ist die Geschichte vom Planeten Tethys, auf dem ich viele meiner Plots angesiedelt habe. Tethys ist eine Welt mit einem äquatorialen Meer, einem kalten Krieg zwischen dem Nord- und dem Südkontinent. Die nach „Jagd auf Roter Oktober“ entstandenen U-Boot-Phantasien habe ich dort angesiedelt, aber auch Hochhäuser, Verkehrssysteme – vor allem aber Schicksale. Eine Tänzerin. Eine Ex-Spionin und nun Politikerin. Eine blinde Sängerin in einer Band. Eine andere Band, deren Musik ich mal geträumt habe. Und viele mehr, alle mit eigenen Geschichten, eigenen Entwicklungen, und doch alle eingebettet in diese Welt, in der sie sich durchaus mal in der U-Bahn, beim Einkaufen, im Restaurant begegnen können. Die prominenteste Gestalt auf Tethys aber ist Jenny, oder besser: Jenisa Korrenburr. Wütende junge Frau, Pilotin – und vielleicht ein bisschen Heldin, aber auch ein gutes Stück Anti-Heldin. Und sie ist es, die mich gerade bei der Stange hält, dass vielleicht doch mal ein Buch draus wird. Viele Geschichten unter anderem in Jennys Leben sind als Gedanken auf der Autofahrt entstanden – ursprünglich. Natürlich sind die Szenen, die ich mir dann ausdenke, noch nicht fertig. Dafür bräuchte ich mehr Aufmerksamkeit. Aber Skizzen sind’s, denen es ganz gut tut, erst durch die Erinnerung gefiltert, dann noch mal in Ruhe, nach dem Ankommen durchdacht zu werden und dann erst niedergeschrieben zu werden. Und ja. Das hilft. Es hilft sehr, wenn mal wieder Stau ist und man dasteht und nur langsam hinterherzuckelt. Das hilft auch, wenn der Verkehr fließt und man eigentlich zu wenig Aufmerksamkeit braucht, für den Verkehr. Lieber geht der Geist kurz ein bisschen spazieren, als dass man neben raus guckt, die Augen zu macht oder gar sich ablenkt.

Wahrscheinlich erscheint diese Methode vielen gefährlich. Ich habe aber erlebt, dass mindestens für mich der gedankliche Spaziergang in meiner Phantasie weitaus „sicherer“ ist, als zum Beispiel – selbst mit Freisprecheinrichtung – zu telefonieren. Einen Menschen am anderen Ende kann ich nicht so gut zur Seite schieben wie meine Gedanken. Denn der wartet ja auf meine Antwort. Das merke ich an mir selbst – selbst die erlaubten Tätigkeiten hinter’m Steuer lenken ab, bringen die Filter durcheinander, wenn sie auf Audiovisuelle Wahrnehmung zurückgreifen oder gar einen Gegenüber beinhalten.

Ich glaube aufrichtig, ohne dieses Gedanken-Geschichten-Dingens hätte ich entweder wegen ablenkenden Tätigkeiten am Steuer schon einen Unfall gebaut – oder hätte die ablenkenden Tätigkeiten gelassen und wäre an geistigem Teilleerlauf während 10% meines Tages noch bescheuerter geworden, als ich es ohnehin schon bin.

Schattenring

Der Schattenring, das ist ein Verkehrsknoten in Stuttgart, oder besser: südlich von Stuttgart. Wie der Name schon impliziert, sieht das Ganze stark nach einem Kreisverkehr aus – allerdings mit ein paar Einschränkungen.

Ich sage ja gerne, dass an Kreuzungen oder Kreisverkehren Straßen „verknotet“ werden. Das ist irgendwie mein Slang im Bezug auch auf Autobahnkreuze. Nun ist es am Schattenring so, dass die B14 hier durch läuft, zugleich aber auch die Wildparkstraße – südöstlich des Schattenrings sind die beiden eins. Und am Schattenring läuft auch noch die Magstadter Straße mit besagten beiden Straßen zusammen. Nun sind die B14 und die Wildparkstraße nicht gerade kleine, nicht gerade auf langsam optimierte Straßen – sondern autobahnartig, mehrspurig ausgebaute Straßen mit baulich getrennten Richtungsfahrbahnen. Das ist nicht sehr kreiseltauglich – und wird die B14 aus der Stadt heraus unter dem Kreisel durch und dann als Auffahrt auf die Wildparkstraße hinaufgeführt, die Wildparkstraße überbrückt insgesamt den Schattenring und von der B14/Wildparkstraße gibt es eine Abfahrt mit Kreisel-Shortcut-Spur runter in die Stadt.

Soweit, so unübersichtlich. Jedes Mal, wenn ich dort entlangfahre, beeindruckt mich irgend ein Teil des Bauwerks sehr stark – oft ist es die Trapez-Profil-Struktur der Brücke der Wildparkstraße. Aber oft ist es auch die durch den Kreisel unten hindurch geführte B14. Und einmal war es das rote Licht der damals neuen Blitz-Säule an der Kreiseleinfahrt beim Shortcut der B14 Richtung Norden.

Immer, immer wieder sehe ich diese Kreuzung und denke mir: Woah, ist das ein krasses Bauwerk. Und es funktioniert! Es ist weit weniger ineffizient als zum Beispiel das Leonberger Dreieck. Vielleicht sollte man sich überlegen, ob nicht Hybrid-Formen aus Kreisverkehr, mehrspuriger Überleitung und so weiter auch für andere Strecken was wären. Wobei natürlich Stuttgarter Kreuz und Leonberger Dreieck auch vom Verkehrsaufkommen noch ein bisschen was anderes sind.

Gewonnen …

Nein, ich habe gewonnen?

Irgendwie hing mir dieser Spot im Radio wirklich zum Hals raus – und nein, ich habe auch bei einer gelb-schwarzen Tankstellen-Kette NICHT gewonnen. Gewonnen habe ich was anderes. Nämlich eine neue Frontscheibe.

Eigentlich wollte ich nur einen Steinschlag flicken lassen – neben Inspektion, neuer Wasserpumpe und so. Aber nun ja. Der Steinschlag war aber in einer Ecke der Scheibe, wo sie unter Spannung stand – und als dann die Werkzeuge dran gingen … nun habe ich einen hübschen Riss in der Scheibe und von meiner Versicherung eine neue Scheibe gewonnen. Aber leider muss mein süßes Aygolein dafür nochmal in die Werkstatt.

Tja. So ist das Leben! Manchmal reißt die Scheibe, manchmal gewinnt man.

Von viel Stillstand – und einiger Bewegung

Ich habe lange nicht geschrieben – und heute gleich drei Anlässe bekommen, doch wieder hier einen Eintrag zu verfassen.

Erstens den Bahnstreik und seine Auswirkungen. Über Sinn und Unsinn von Streiks im Allgemeinen möchte ich gar nicht lamentieren. Dass Lehrer und Verwaltungsangestellte mit ihrem Streik – den auch wirklich Leute spüren – auch mir, die ich nach TV-L bezahlt werde, mehr Geld beschafft haben, das ist eine gute Sache. Generell halte ich Arbeitskämpfe für sinnvolle, angemessene Forderungen für ein legitimes Mittel. Nur den Kampf zweier Gewerkschaften um Macht und ansonsten nur Kleinigkeiten mit Kosten in Millionenhöhe und einem riesigen volkswirtschaftlichen Schaden und direkt spürbaren Auswirkungen für Millionen Pendler auszutragen, das geht in meinen Augen gar nicht. Eine Kollegin von mir ist gestern und heute nicht zur Arbeit gekommen, weil sie erstens ihren ohnehin schon nicht kurzen Arbeitsweg mit einer ganzen Reihe Unsicherheiten, ob der Zug fährt, ob der Anschluss fährt, ob Zug und Anschluss, falls sie fahren, zueinander passen, hätte bewältigen müssen. Und zweitens war und ist ja auch unklar, ob und wie die Züge zurück fahren! Dass viele Leute eben nicht die Möglichkeit haben, unter diesen Bedingungen zu Hause zu arbeiten, hat man sehr deutlich gemerkt: die waren alle auf der Autobahn. Die A8 war heute reichlich voll, und ohne böse sein zu wollen: der Anteil der „normalerweise nicht Auto“-Pendler, die viele kleine Egoismen noch nicht als vollkommen nutzlos für die eigene Schnelligkeit und schädlich für den gesamten Verkehrsfluss identifiziert haben, war weit höher als normal. Ich kann nur hoffen, dass diese Leute bald wieder in einer zuverlässigen Bahn sitzen … die zusätzlichen Stockungen wegen des zusätzlichen Verkehrsaufkommens und der mangelnden Rush-Hour-Praxis der zusätzlichen Fahrer machen den Arbeitsweg sehr unerfreulich.

Der nächste Punkt war dann das Ankommen auf der Arbeit. Campus Vaihingen, Uni Stuttgart – im Moment mit weniger Parkplätzen durch Baumaßnahmen. Aber ein Glück, bald gibt es ja das neue Gebäude und neue Baustellen für weitere neue Gebäude – und NOCH weniger Parkplätze. Jedenfalls war die Suche heute auf dem Campus, nicht zuletzt wegen des Bahnstreiks, überaus unerfreulich. Prinzipiell sehr unangenehm sind auch die Menschen, die in einer ohnehin angespannten Parkplatzsituation so halb neben den Parkplatz parken und damit effektiv zwei Parkplätze belegen. Ich schreibe prinzipiell, weil mir eines dieser Fahrzeuge heute entgegen kam – schräg drin und viel zu weit seitlich geparkt, so blockiert meine Parkplatznachbarin einen Teil des Nebenplatzes – so dass mein niedliches kleines Aygolein reinpasst, aber von vielleicht einem Smart, C1 oder Peugeot 107 keiner sonst. Sonst hätte ich wohl noch weit länger gesucht!

Aber es gibt auch Positives. Mit Freude habe ich heute gesehen, dass die Brücke über die Straße zwischen Waldbronn und Stupferich auf der A8 mittlerweile weiter gekommen ist – die Richtungsfahrbahn nach Stuttgart ist ja schon fertig, aber die andere Seite war lange Zeit noch mit einer Beton-Decke, auf der komische, rote, erhabene Linien zu sehen waren, weit weg von der Befahrbarkeit. Aber inzwischen ist eine glatte, wahrscheinlich noch einmal zu überteerende erste Teerschicht drauf. Eine noch glattere, vielleicht sogar schon endgültige Teerschicht ist auf der Strecke – weiter unten im Pfinztal, zwischen Pfinzbrücke und Klosterwegbrücke, auf der in Bau befindlichen Richtungsfahrbahn nach Stuttgart zu sehen. Es wird langsam aber sicher – und dann ist ein Brennpunkt weniger auf meiner großen Pendler-Hassliebe vorhanden: der A8.