Werkzeuge zur Seelenwartung

Die Werkzeuge, ein Auto zu warten, kennen die meisten Leute – ein Radkreuz oder ähnliches und einen Wagenheber haben die meisten im Auto, Schraubenschlüssel und Schraubendreher haben die meisten daheim – ein Drehmoment-Schlüssel ist auch nicht ganz exotisch für einen Großteil der Menschen.

Ich für meinen Teil habe aber entdeckt, dass auch mein Geist gelegentlich wartungsbedürftig ist – sowohl der rationale als auch der emotionale. Was man davon als Seele bezeichnen will, ist schwer zu sagen. Ich denke, die Übergänge sind fließend. Aber neben dem Laufen, über das ich hier ja schon gelegentlich berichtet habe, und dem autogenen Training – dazu noch Sauna und Geschichten Schreiben – habe ich noch eine weitere Methode gefunden, Ruhe und Frieden in mich hinein zu bringen: Japanische Teezeremonie, die ich seit etwas weniger als einem Jahr zu erlernen begonnen habe und sicher noch weit davon entfernt bin, auch nur die einfachsten Dinge in Perfektion zu beherrschen. Dennoch gibt mir das Erlernen und Praktizieren sehr viel – und teils habe ich in diesem Blog ja auch schon darüber geschrieben.

Da aber oftmals ein Bild viel mehr hilft, die Dinge nachvollziehen zu können, habe ich von meinen Tee-Sachen, mit denen ich übe, mal ein paar Fotos geschossen:

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Man sieht links unten das Kensui, das Brauchwassergefäß. Es nimmt Wasser, das zum Spülen der Teeutensilien benutzt wird, nach der Verwendung auf. Oben im Bild sieht man den Teekessel, hier eben einen mit Henkel zum Gießen. Diesen benutzt man zum Beispiel bei den einfachen Tee-Handlungen mit Tablett, genannt Bonryaku Temae. Und selbiges Tablett ist in der Mitte zu sehen.

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Das Tablett Bon ist hier größer zu sehen, und darauf sind Werkzeuge, die auch bei anderen Arten der japanischen Teezeremonie zum Einsatz kommen: Die Teedose Natsume aus Holz oder eine Lackarbeit am vom Betrachter entfernten Ende des Tabletts. Und im Vordergrund die Teeschale Chawan, in welcher das kleine, weiße Tuch Chakin zum Ausreiben der Teeschale nach ihrer rituellen Reinigung zu Beginn zu sehen ist. Mit Hilfe des speziell gefalteten Chakin in der Schale aufgestellt ist der Teebesen Chasen zu sehen. Mit dem Chasen wird der Tee – pulverisierter Grüntee Matcha – schaumig geschlagen. Der Schaum ist wichtig für die Geschmacksentwicklung. Und zuletzt liegt der Bambus-Löffel Chashaku über der Chawan. Mit ihm wird der Matcha aus der Natsume in die Chawan gegeben.

Daneben gibt es dann noch ein Tablett mit Süßigkeiten, die zum Tee gereicht werden, aber das habe ich nun nicht aufgebaut. Bonryaku, dessen Werkzeuge mit Ausnahme der Süßigkeiten nun hier aufgebaut zu sehen sind, ist eine sehr einfache Zeremonie für Anfänger, in der viele Dinge enthalten sind, die man später für aufwändigere Handlungen benötigt.

Beim letzten Mal Unterricht haben meine Mitschüler und ich angefangen, eine Usucha Zeremonie zu erlernen. Dafür benötigt man eine andere Art von Kessel, die ich mir nun gekauft habe – aber bisher ist das gute Stück zwar bereits auf Reisen, aber noch nicht bei mir angekommen. Aber ein paar weitere Gegenstände zum Daheim Üben habe ich bereits:

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Neben dem von oben bekannten Kensui und dem Kessel sind hier nun der Hishaku, der Schöpflöffel aus Bambus, sowie das Frischwassergefäß Mizusashi mitsamt Deckel zu sehen. Der Kessel ist allerdings für die Benutzung eines Hishaku ungeeignet, und da warte ich eben auf meinen Furogama, einer Kombination aus Kohlebecken und Kessel mit größerem Deckel, den ich hier bestimmt mit eigenen Fotos zeigen werde, so bald er angekommen ist. Im Vordergrund sieht man außerdem noch – weitgehend vom Kesseldeckel und Chakin verdeckt, das Futaoki, welches als Ablage für den Kesseldeckel benutzt wird.

Ich hoffe, dass die Dinge so ein wenig plastischer sind und die Begriffe, die ich im Bereich Teezeremonie erwähne, so etwas verständlicher erscheinen. Mir hat das Anfertigen dieser Bilder an meinem heutigen, leider von Krankheit geprägten und damit abseits der Autobahn und der Arbeit daheim verbrachten Tag schon etwas Ruhe gegeben, die hoffentlich meiner Genesung entgegenkommt.

 

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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2 Antworten zu Werkzeuge zur Seelenwartung

  1. Wortman schreibt:

    Schön, dass du es mal so zeigst. So wie ich können es sich die meisten auch nicht wirklich vorstellen, wie das so abläuft. Deswegen sind die Bilder natürlich schon hilfreich. Da weiß man wenigstens, worüber du redest 🙂

  2. autopict schreibt:

    Interessant. Habe ich so zum ersten Mal gelesen. Dass es das alles gibt, ja irgendwie war mir das klar. Aber damit hat es sich schon.
    Ich denke, dass dieses Zurückschalten ab und an notwendig ist, bei mir geschieht das neben dem Laufen durch Sternlein schauen. Alleine, bis tief in die Nacht. Leider nicht mehr so häufig.
    Ansonsten gutes wieder-fit-werden.

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