Einen im Tee …

Zugegeben. Dummes Spiel mit einer Redensart für’s Betrunkensein. Denn natürlich geht es nicht um Alkohol, auch wenn ich vergangenen Freitag mit einem Glas Wein und einem Ramazotti ganz schön knülle war.

Im Moment freue ich mich über etwas ganz anderes: Ich habe mir das ein oder andere Teeutensil gekauft, um nach Bonryaku, einer einfachen Teezeremonievariante mit Tablett, nunmehr Usucha zu lernen – bei der die wohl einigen geläufige Bambus-Kelle namens Hishaku zum Einsatz kommt. Das Frischwassergefäß, den Hishaku und einiges weiteres Zubehör kann man auch in Europa recht einfach erstehen. Vielleicht nicht unbedingt die Werkzeuge, die durch Alter, Einfachheit, Originalität und ihren Preis bestechen, aber eben doch Werkzeuge, die zum Üben und auch – sobald ich mal so weit bin – meinen interessierten Freunden einen Einblick zu geben.

Aber eine Sache ist nicht so einfach. Das Kohlebecken – in dem Fall ein tragbares namens Furo, das bei Sommerzeremonien zum Einsatz kommt. Und der Teekessel, Kama genannt. Zusammen wird das dann als Furogama bezeichnet. Rein mechanisch wichtig daran ist, dass der Bambusschöpfer hinein passt und adäquat darauf gelegt werden kann, aber auch, dass das Ganze mit den restlichen Teeutensilien und nicht zuletzt der Vorstellung dessen, der damit Tee macht, harmoniert. Denn sicher ist es mit einem Furogama, das einen irritiert, sehr schwer, die innere Ruhe und Harmonie zu erreichen.

Und somit habe ich nun zunächst schweren Herzens damit begonnen, einen Furogama zu suchen, zu kaufen und mir schicken zu lassen. Neues ist schwierig zu bekommen, erst recht in Europa, aber auch mit dem Gebrauchten ist es – in Europa – so eine Sache. Und so jagte ich zuerst einer Auktion auf Ebay hinterher, bei welcher ich jedoch nicht den Zuschlag bekam, wenn auch ganz knapp. Ich war offenbar unter den letzten beiden Bietern. Aber morgens um fünf am Sonntag aufstehen, nur um nochmal zu bieten – das habe ich dann doch nicht gemacht.

Aber dann habe ich ein ganz ähnliches Stück entdeckt, Eisen, schwarz, sehr stabil, ebenfalls nicht neu … und als ich dann letztlich den Kauf komplett machte, ließ ich mir die Hand halten von meinem Mann, denn so viel Geld auf einmal habe ich schon lange nicht mehr ausgegeben. Die letzte Anschaffung in dieser Größenordnung war ein Korsett vom TO.mTO, und das musste ich nicht aus Japan importieren … und heute Abend habe ich die Versandbestätigung bekommen und harre nunmehr dem Tage, an dem ich Euch hier auf meinem Blog die Werkzeuge alle zusammen zeigen kann, auch wenn ich bestimmt bis dahin noch nicht reif genug bin, sie in eleganter Weise zu benutzen. Aber immerhin: Dann kann ich auch zu Hause üben. Denn welche Zeremonie auch immer, in Sachen Tee und auch sonst alle Zeremonien: Wiederholung, Üben, das ist der Weg, dass es von allein geht und die Zeremonie zu einem spirituellen Erlebnis, zu Freiheit entlang festgelegter Bewegungen macht. Ich habe dieses Gefühl einige wenige Male schon beim Durchführen der einfachen Bonryaku Temae erleben dürfen – und festgestellt, dass der für Europäer wohl als Widerspruch daherkommende Konflikt zwischen bis ins Detail festgelegten Handlungen und der Freiheit und des Friedens in ihrer Durchführung nicht existiert. Die Dinge willkürlich zu tun ist stets auch damit verbunden, unsicher zu sein, ob man es richtig macht, immer wieder. Muss ich stets darüber nachdenken, wie es nun weiter geht, welche Entscheidung ich treffe, so ist mein Geist nicht frei, in der Handlung meditativ aufzugehen. Das mag nun esoterisch klingen. Aber für mich ist dieser noch immer viel zu selten erlebte perfekte Moment, in dem die Handlungen zu fließen scheinen, zu einem Ziel geworden, zu einem Moment perfekter Entspannung und des Glücks.

Ich hoffe, dass meine neuen Dinge mich, früher oder später, zu solchen Momenten führen können. Und ich freue mich darauf.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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Eine Antwort zu Einen im Tee …

  1. Wortman schreibt:

    Das klingt immer alles recht interessant und auch aufwendig 😉 Kannst du nicht mal Bilder dazu machen? Dann kann man sich das alles bestimmt besser vorstellen.

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