Driving on the edge

Gestern war es mal wieder so weit. Der Koller! Er schlug um sich!

Aber nicht bei mir. Es war kurz vor dem Rasthof Pforzheim auf der A8 Richtung Karlsruhe. Ich rollte gemütlich mit lauter Musik entlang, da es eh nicht schnell voranging und der Reißverschluss an der Verengung von drei auf zwei Spuren wie immer ein bisschen schleppend lief. Natürlich, wie immer, drängten sich die ersten von links an der Markierung „Verengung auf zwei Fahrstreifen in 600m“ rein – und tröpfelten dann immer weiter. Weil auf dem endenden Fahrstreifen die Leute oftmals denken, sie müsste jetztgleichsofort rüberziehen, sind ja oft diejenigen im Vorteil, die den endenden Streifen noch bis zum Ende nutzen – wie es eigentlich in den Regeln steht.

Am Ende des Streifens angekommen – ich fuhr auf dem mittleren Fahrstreifen, auf den der Linke geführt wurde – drängte sich dann, halb in der Leitplanke, eine große Menge Blech neben mich und versuchte, mit gerade mal 20cm Abstand neben meinem Auto, noch VOR mich zu kommen, nach dem ich die drängeligen drei Vorderleute des Fahrers bereits reingelassen hatte. Ich zog also gegen meine Überzeugung KEINE Lücke auf, sondern hielt mich direkt an meinem eben eingescherten Vordermann und dachte: „Gut, okay … “

Aber noch war die Sache nicht abgehakt! Denn kaum lief es auf der rechten Spur geringfügig schneller, scherte mein nun Hintermann aus und fuhr seinen Kleinlaster mit ziemlichem Zug an mir vorbei und scherte dann in die für ihn als Parklücke gerade ausreichende Lücke vor mir ein. Ich stand voll auf der Bremse. Im Überholtwerden hatte ich an dem polnischen Kleinlaster einen ziemlich böse guckenden Herrn in Feinripp-Unterhemd feindselig zu mir rüber starrend sehen. Nun hatte er eine Wagenlänge gewonnen – fein für ihn. Ich hatte heftig gebremst und die Hinterleute auch, nach dem es zuvor mit so 10-20km/h gelaufen war.

Ich weiß nicht, wie breit so ein Kleinlaster ist, aber da schon ein Mittelklassewagen oft breiter als zwei Meter ist, würde ich tippen, dass so ein Kleinlaster mehr als 2,20m von Spiegelspitze zu Spiegelspitze misst. Dennoch betrieb der gute Mann weiterhin in der Baustelle bei Pforzheim Nord riskantes Lückenspringen, immer wieder Vollbremsungen für die Hinterleute …

Bei Pforzheim West habe ich ihn wieder eingeholt, obwohl die Baustelle da noch nicht lange zu Ende ist und ich die 120km/h nicht überschritten habe. Er hatte nichts davon – und der Blick nach links rüber war beinahe wie ein Speer.

Unter was für einem Druck müssen solche Fahrer stehen, dass sie so fahren? Oder macht denen das Spaß? Ich glaube nämlich nicht, dass es effektiv einen spürbaren Zeitgewinn für den Herrn gab … Und ich möchte ihm nicht unterstellen, dass er aus bösem Willen oder Testosteron-Überschuss so fährt. Wie gesagt, der Druck, der auf Berufskraftfahrern liegt, ist auch in Deutschland enorm, und ob das bei polnischen Transportunternehmen besser ist, wage ich zu bezweifeln. Dennoch hält sich mein Mitleid in dem Fall in Grenzen, denn eigentlich rechtfertigt auch sowas nicht, auf Kosten des Vorankommens und unter Risiko eines Unfalls zu fahren wie die Axt im Walde.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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5 Antworten zu Driving on the edge

  1. Wortman schreibt:

    Die stehen wahnsinnig unter Zeitdruck. Im Grunde können die Kerle einem leid tun… hat man bloß nichts von, wenn man von so einem Idioten zerlegt wird.

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